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MADRID/ Teatro Real: Kurzkritik SIEGFRIED-Premiere

am 13.2. (Klaus Billand aus Madrid)

14.02.2021 | Oper international

MADRID/Teatro Real: Kurzkritik SIEGFRIED-Premiere am 13. Februar 2021

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Andreas Schager. Foto: Xavier del Real

Es gibt noch leibhaftige Oper, ja sogar Wagnersches Musikdrama der ersten Sorte! Gestern Abend setzte das Teatro Real de Madrid mit dem „Siegfried“ seinen „Ring“ in der altbekannten Inszenierung von Robert Carsen fort, der sogar präsent war. Andreas Schager feierte einen ganz großen Publikumserfolg mit dem weitaus meisten Applaus. Den hatte er auch verdient mit einer beeindruckend charismatischen Darstellung des jungen Wagner-Helden, auch wenn hier und da etwas weniger Lautstärke gut getan hätte und einige Spitzentöne am Anschlag waren, wohl nicht zuletzt deshalb. Aber wer Schager als Sänger kennt, weiß, dass er immer alles gibt. Und das ist sehr viel. Ricarda Merbeth konnte als Brünnhilde da nicht mithalten, zumal man bei ihr fast kein Wort versteht und die Sängerin in erster Linie mit der Tonproduktion befasst ist. Allerdings gefiel sie mir mit der ja höher liegenden „Siegfried“-Brünnhilde nun besser als mit ihrer Isolde in Brüssel 2019.

Unter den übrigen Sängern gefiel mir Okka von der Damerau als Erda am besten, denn sie ließ einen perfekt geführten und ebenso wohlklingenden wie facettenfreichen Alt hören. Leider musste sie völlig rollenuntypisch als Putzfrau mit dem Aufwischer agieren. Tomasz Konieczny war in der Rolle des Wanderers zwar besser als James Rutherford mit dem Wotan in der „Walküre“ 2020. Er sang den Wanderer aber zu monoton und fast immer auf Lautstäke ausgerichtet, abgesehen von einer bisweilen weiterhin zu hörenden nasalen Tongebung. Andreas Conrad war ein starker Mime mit gutem Spiel und einem variationsreichen Charaktertenor, Martin Winkler ein eindringlicher Alberich und Jogmin Park ein vokal beeindruckender Fafner. Leonor Bonilla gab als einzige Spanierin den Waldvogel.

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Martin Winkler, Tomasz Konieczny. Foto: Javier del Real

Einen besonders guten Eindruck hinterließ erneut das Orquesta Titular Del Teatro Real unter der engagierten Leitung von Pablo Heras-Casado. Eine interessante Besonderheit war, dass man, um im Rahmen eines intelligenten Hygienekonzepts mehr Platz für die mit Masken im Graben spielenden Streicher zu schaffen, die Harfen links auf die ersten fünf Parterrelogen setzte und damit die von Wagner für den „Siegfried“ gewünschten sechs Harfen aufbieten konnte! In den Logen gegenüber war das schwere Blech untergebracht. So ergab sich ein ganz anderer, aber interessanter und intensiverer Raumklang als gewohnt.

Die Inszenierung von Robert Carsen und Patrick Kinmonth ist nach nun 20 Jahren schon fast eine Geschichte ihrer selbst. Es geht bekanntlich um die Verschmutzung, ja die Vergewaltigung der Natur durch den Menschen. Das ist zwar immer noch ein aktuelles Thema, aber heute vielleicht inszenatorisch schon anders anzugehen. Dennoch hat diese Produktion ein intensives Leben hinter sich, soviel ich weiß, nach Köln 2000-2003 mindestens noch Venedig, Shanghai und nun Madrid. Also ein Erfolgsmodell!

(Die detailliertere Rezension folgt hier in Kürze).

 Klaus Billand aus Madrid

 

 

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