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MACERATA Opera Festival/ Arena Sferisterio: AIDA

03.08.2021 | Oper international

Macerata Opera Festival: AIDA 1.8.2021

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Foto: Szene Triumphmarsch, (c) Macerata Opera Festival

Neben Traviata wird dieses Jahr Aida in der Arena Sferisterio als Neuproduktion gezeigt. Mit einer  eher modern wirkenden Inszenierung übernahm Valentina Carrasco die Regie dieser Verdi Ausnahme- Auftragsoper zur Vollendung des Suezkanal in Ägypten. Die musikalische Leitung übernahm der ‚Hausdirigent‘ Francesco Lanzillotta. Zwar wird Aida gern im Freien gespielt, dabei besteht aber immer die Gefahr, daß dabei etwas von der enormen Klangpracht dieser Oper verlorengeht. Für den Triumphmarsch hatte man ein zweites Bühnenorchester aufgeboten, das auf der rechten Seite agierte. Es war aber bemerkenswert, wie das hohe Streichermotiv, mit dem Aida  beginnt, schön und plastisch (bei Stille des Publikums) hörbar wurde. Andererseits konnte sich die Lautstärke beim Orchester, auch im Triumphmarsch, manchmal zu  schierer Klangwucht ausweiten. Das mit wenigen Arien bestückte Werk wurde in seiner vielgestaltigen Farbenpracht von der Filarmonica Marchigiana einfühlsam wiedergegeben, und Lanzillotto setzt die passenden Akzente und dirigiert mit beseelter Agogik einen starken Part.

Valentina Carrasco führt uns in eine Wüstenlandschaft mit vielen Sanddünen. Es werden auch Beduinenzelte aufgeschlagen. Das Heeresaufgebot, die Waffensegnung samt religiöser Zeremonie nach dem Isis-Kult verteilen sich in den Hügelsenkungen. Danach zieht das Heer ab, um im nächsten Akt gleich siegreich wiederzukehren. Die gefangenen ÄthiopierInnen sind im Gegensatz zu den bis auf die schwarz drapierte Priesterklasse weiß gekleideten Ägyptern (auch das Heer samt Tropenhelmen) in bunter folkloristeischer Gewandung, mit Tänzerinnen durchsetzt, dargestellt. Sie wollen sich immer wieder befreien, sind aber teils aneinander gekettet, und werden von der weißen Ordnungsmacht  niedergeknüppelt. Während des Triumphmarsches fahren von der Hinterbühne und von den Seiten verschiedene Elemente, Rohre etc. herein, die sich wie zu einer den gesamten Hintergrund ausfüllenden Ölraffinerie zusammenfügen. Sie soll wohl auch die wirtschaftliche Übermacht der Sieger symbolisieren. Am Ende schlagen auch Feuerflammen zu den vertikalen gestellten Rohren heraus, ein Spektakel, das zum Ende bei der Einkerkerung Radames‘ wiederholt wird. Auch im Nilakt bleibt diese Szenerie bestehen (Bb.: Carles Berga). V.Carrasco befleißigt sich immer einer eindringlichen, nachvollziehbaren Protagonistenführung, die Massen werden vielfach bewegt und choreographiert,  während die TänzerInnen  wilde Berbertänze ausführen. Die ansprechenden Kostüme stammen von Silvia Aymonino. Zum Schluß sieht man nur noch die Amneris vor der Ölraffinerie, da auch deren Leben laut Aussage der Regisseurin mit den anderen beiden Protagonisten endet.

Den König gibt Fabrizio Beggi in blauer Galauniform mit durchdringendem markantem Baß. Den Oberpriester Ramfis stellt Alessio Cacciamani mit auf Schönklang bedachtem rundem, Radames eigentlich eine Brücke bauen wollendem Baß. Francesco Fortes ist der Messaggiero/Bote mit etwas dramatisch eingesetztem ausdrucksreichen Tenor. Die Isis-Priesterin Maritina Tampakopoulos singt einen angenehm einlullenden,die Opferhandlung begleitenden Sopran. Der Chor unter Martino Faggiani zeigt sich seinen vielfältigen Aufgaben gewachsen und klangstark.

Marco Caria wirft als Amonasro seinen agilen hohen Bariton mit guten Ausdrucksvaleurs in die Waagschale. Die Amneris in weißem Galakostüm mit 20er Jahre- Anklang singt Veronica Simeoni mit nicht zu dunklem ausdrucksvollem Mezzosopran.

Als Radames überzeugt Luciano Ganci mit durch betörende Klangfarben gesättigtem Tenor und läßt den Schlußton seiner Eigangsarie natürlich und unforciert an- und abschwellen. Seine Aida ist Maria Teresa Leva, und sie bringt stimmlich einen den Ansprüchen gewachsenen in allen Lagen ansprechenden Sopran ins Spiel. In den Arien kann sie auch prunken und in den Duetten mit dem Tenorpartner in immer höhere Klangsphären vordringen.                             

Friedeon Rosén

 

 

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