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LUZERN/ Theater: COSI FAN TUTTE von W.A. Mozart – eine Komödie der ewigen Liebe

17.05.2021 | Oper international

Luzerner Theater spielt seit dem 25. April wieder Oper vor Publikum

Szene aus der Aufführung von Così fan tutte im Luzerner Theater | Bildquelle: ®IngoHoehn
Szenenfoto Ingo Hoehn

 „Cosi fan tutte“ eine Komödie der ewigen Liebe

 Seit dem 25. April 2021 wird im Luzerner Theater wieder öffentlich vor 50 Personen gespielt. Ich besuchte die zweite Vorstellung am 11. Mai 2021. Oper wieder live zu erleben zeigt einem deutlich, wie wichtig auch die Oper ist. Mozarts Komödie „Cosi fan tutte“ erfreute das Publikum in fast drei Stunden. Max Hopp nahm den Untertitel „La scuola degli amanti“ (Die Schule der Liebenden) auf und platziert die Oper in die Gegenwart. Er lässt tiefe Einblicke in die Gefühlslage der Menschen hervortreten. Nach seiner Inszenierung bedarf es nicht nur einer Wette, um sich der Treue seiner Frau bewusst zu werden. Es reicht ein Rollenspiel mit Partnertausch, um diese emotionale Verwirrung zu erreichen. Er zeigt damit, wie aktuell die Oper von Mozart ist. Man ist auch heute noch seinen Emotionen und Gefühlen sehr frei ausgeliefert und wir können so gut mit den vier Protogonisten mitleiden oder genüsslich uns das Werk aus der Position von Don Alfonso (Vuyani Mlinde) oder von Despina (Diana Schnürpel, die diese Partie einige Tage vor der Premiere erst lernte und einsprang).

Alleine das Ende vermag heute eher zweifelhaft sein. Ergreift heute der Mensch eher die Flucht und Scheidung bzw. Trennung, als sich mit Krisen auseinanderzusetzen. Man sollte auf jeden Fall die vom Luzerner Theater angebotene Online-Einführung sich unbedingt vorher ansehen. Zu der Modernisierung des Werks, die erfreulicher Weise sehr behutsam durchgeführt wurde, passt auch das Bühnenbild, dass sehr reduziert ist. Obwohl es schon vor der Pandemie geplant war, zeigt es heute, wie auch in fast leeren Räumen, sorglos Opern aufgeführt werden können. Dass Bühnenbild und die Ausstattung in einer hervorragenden Reduzierung setzte Caroline Rössle-Harper um.

Don Alfonso führt die willigen Paare durch sein Spiel. Durch Verkleidungen der Paare gehen diese in den Rollen auf und lassen ihre Gefühle sich entfalten. So kommen wir zur Komödie von Mozart zurück, ohne die Gegenwart zu verlassen. Es erstaunt nicht, dass Max Hopp vom Film kommend, das Gefühlsleben offenlegt mit einem halt filmischen Realismus. Die Protagonisten setzen es darstellerisch wie sängerisch mit dieser Intensität eines Filmes um.

Szene aus der Aufführung von Così fan tutte im Luzerner Theater | Bildquelle: ®IngoHoehn
Szenenfoto Ingo Hoehn

So ist musikalisch diese Oper ein Spiegelbild und die Vollendung der Inszenierung. Alexander Sinan Binder führt sowohl das Luzerner Sinfonieorchester mit Jesse Wong am Hammerflügel als auch die Sänger und Sängerinnen deutlich. Seine Entwicklung im Haus macht Freude zu beobachten. Die Facetten der Partitur werden trotz reduziertem Orchester kraftvoll umgesetzt und betont. Die Sänger erfreuten das Publikum mit ihren Leistungen. Ferrando (Diego Silva) mit seinem Tenor gibt so den einfühlsamen Betrogenen. Fiordiligi (Sydney Mancasola) wird mit ihren Ausbrüchen von Zorn übertrumpft. Ihre kühle Stimme passt zu dem Rollentyp, den sie verkörpert. Den Gegenpart gibt Dorabella (Josy Santos), zeigt mit ihrem Mezzosopran die Liebenslust. Aber vor allem Guglielmo (Jason Cox) lässt die Kraft der Oper in seinen Arien spüren. Neben ihm gelingt es auch Despina (Diana Schnürpel) diese große Kraft der Oper umzusetzen, wofür sie auch nach der Arie im zweiten Akt Applaus erhielt. Beide schenken uns den Genuss der großen Oper.

Den Opernchor hört man leider nur mittels Tonaufnahmen, was die gelangende Aufführung trotz vieler Streichungen nicht unvollkommen erscheinen lässt.

So ist es wenig erstaunlich, dass die nur 50 Menschen als Publikum am Schluss kräftig mit Händen und Füßen applaudieren.  Ein fulminanter Restart in eine Spielzeit, die wir überwiegend nur quälend ohne Oper erleben dürfen. So dürfen wir mit dem mahnenden Charakter von Despina beseelt aber auch nachdenklich auf den Heimweg über Rollenspiele, Treue und unserer Einstellung zu Partnerschaft sinnieren, ohne das wollige Gefühl des Abends zu verlieren.

Carl Osch

  1. Mai 2021

 

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