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LUDWIGSURG/ Schlosspark: GALA 2014 DER TANZSTIFTUNG BIRGIT KEIL – mit Sibelius zum visuellen Gipfel

08.11.2014 | Ballett/Tanz

Gala 2014 der Tanzstiftung Birgit Keil im Forum am Schlosspark Ludwigsburg – 7.11.2014

MIT SIBELIUS ZUM VISUELLEN GIPFEL

Admill Kuyler, Rafaelle Queiroz
Foto: Amille Kuyler/ Raffaele Queiroz

Eindrucksvolle Gala der Tanzstiftung Birgit Keil am 7. November 2014 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

Zum ersten Mal war dieses Jahr das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter der souveränen Leitung von Wolfgang Heinz mit von der Partie. Die Veranstaltung fand bereits zum zehnten Mal statt, seit 1997 sind es 30 Aufführungen. Die Firmen Würth und Bosch haben das Vorhaben wie immer großzügig unterstützt. In der kraftvollen Choreografie von Ralf Jaroschinski konnte sogleich die „Suite Sportive“ begeistern, wo die illustre Welt des Fußballs tänzerisch äusserst rasant aufs Korn genommen wurde. Zu den Klängen der ungarischen Tänze von Johannes Brahms entfaltete sich auf der Bühne schwelende Glut und feurige Wildheit. Fußball, Cheerleading, Trainerbank, Tennis und Tanzsport bildeten aufgrund der sehr beweglichen Darbietung der Akademie des Tanzes an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannhein einen bemerkenswerten visuellen Kosmos. In der subtilen Choreografie von Marius Petipa zeigten Krasina Pavlova und Arshak Ghalumyan vom Staatsballett Berlin bei Adolphe Adams „Le Corsaire: Pas d’Esclaves“ einen grazilen Pas de deux. Ein beschwingter Geist setzte sich hier rasch durch. Die beiden Solisten des Staatsballetts Berlin faszinierten das Publikum auch bei Tigran Mansurians „Journey“ in der sphärenhaft wirkenden Choreographie von Arshak Ghalumyan, wo sie auch die leisen zwischenmenschlichen Schattierungen im Bewegungstanz einfühlsam umsetzten. In der Choreografie von Clement Bugnon und Matthias Kass bewies die facettenreiche company idem Sainte Croix (Schweiz) bei „Becoming“ mit der Musik unter anderem von Pierre-Laurent Aimard, Pierre Henry und Coh ihren Sinn für fast zeitlupenhafte tänzerische Veränderungen. Einen ersten Höhepunkt boten dann Catherine Franco und Denis Piza vom Ballett der Staatsoper Hannover bei „Camille Claudel“ in der sensiblen Choreographie von Jörg Mannes. Zur Musik des zweiten Larghetto-Satzes aus Frederic Chopins Klavierkonzert Nr. 1 in e-moll op. 2 entwickelte sich hier die komplizierte Liebesbeziehung zwischen Camille Claudel und dem Maler Auguste Rodin. Diese Larghetto-Romanze soll nach Chopins eigenen Worten „den Eindruck eines liebevollen Hinblickens auf eine Stätte machen, die Tausende von angenehmen Erinnerungen wachruft. Es ist ein Hinträumen in einer schönen, mondbeglänzten Frühlingsnacht“. Genau dies haben die beiden Tänzer bei dieser Choreografie nuancenreich verdeutlicht. Es war eine Pas-de-deux-Sequenz mit intensiver Melodik. Catherine Franco und Denis Piza überzeugten dann noch bei „Strictly Tango“ mit „knisternden Effekten“ in der Choreografie von Jörg Mannes und der geheimnisvollen Musik von Alberto Ginastera (Concerto per Corde op. 33, 3. Satz).

Das Staatsballett Karlsruhe erwies sich bei „Presente“ in der atemlosen Choreografie von Reginaldo Oliveira mit der Musik von Baiana und Brazilian Percussion als ein wildes und ungestümes Ensemble, dessen tänzerische Fähigkeiten das Publikum in Begeisterung versetzte. Witzig und ungestüm kam nach der Pause das Staatsballett Karlsruhe in der Choreografie von Jorma Uotinen daher, denn als „Schwäne“ erschienen dabei junge Männer, die sich einer Hetzjagd hingaben und auf der Bühne allerlei Späße vollführten. Das alles passte sehr gut zum dritten Satz aus Peter Tschaikowskys berühmter Sinfonie Nr. 6 in h-Moll, wo auch das Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele unter der Leitung von Wolfgang Heinz die Staccato-Attacken präzis herausarbeitete. Das elektrisierende Marschthema geriet immer weiter außer sich, riss die Tänzer mit – und die kecke Anspielung der Oboe unterstrich dieses Thema noch. Es hob sich aus der huschenden Betriebsamkeit immer weiter heraus, die Tänzer rannten alle Widerstände nieder und triumphierten schließlich mit schmissiger Verve. Angela Yoffe (Klavier) begleitete Hee Seo und Cory Steams vom American Ballet Theatre New York in der Choreografie von Liam Scarlett  und zur Musik von Sergej Rachmaninoff (Morceaux de Fantasie op. 3 No. 1 und Elegie in es-Moll) mit nie nachlassendem Feuer und magischer Intensität. Sinnliche Harmonierückungen und irisierende chromatische Läufe wurden von den Tänzern minuziös umgesetzt. Das Stuttgarter Ballett präsentierte bei „Two Pieces for Het“ mit der Musik unter anderem von Erkki-Sven Tüür und Arvo Pärt mit den beiden exzellenten Solisten Anna Osadcenko und Marijn Rademaker (Choreografie: Hans van Manen) Tanztheater der Spitzenklasse, denn man agierte hier mit außergewöhnlicher Konzentation. Lucia Lacarra und Marlon Dino vom Bayerischen Staatsballett ernteten beim Adagio aus dem zweiten Akt von Peter Tschaikowskys „Schwanensee“ in der klassizistischen Choreografie von Ray Barra (nach Petipa) wahre Ovationen. Das Staatsballett Karlsruhe bildete in der ausgezeichneten Choreografie von Thiago Bordin bei „Sibelius für B.“ als Widmung für Birgit Keil einen wunderbaren Abschluss dieser bewegenden Tanzgala, denn hier wurden die Klänge aus der fünften Sinfonie von Jean Sibelius (Finale) von der Kompanie in farbenreicher und schillernder Weise umgesetzt. Die architektonische Gliederung der großen sinfonischen Form zeigte dabei einen immer größer werdenden tänzerischen Radius, dessen Motive in vielen Wandlungen sichtbar wurden. Auch die grazile Geschäftigkeit der Celli und das zweite Holzbläser-Thema gestalteten die Tänzerinnen und Tänzer mit großer Energie und innerem Feuer. In lyrischer Breite steigerte sich alles zu majestätischer Größe. So traf der Tanznachwuchs bei dieser bemerkenswerten Gala in würdevoller Weise auf die Weltstars.  

 Alexander Walther   

 

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