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LUDWIGSHAFEN: DIE WALKÜRE UND SIEGFRIED

26.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Ludwigshafen: Die Walküre (23.4.) und Siegfried (25.4.2013)

 Auch Wagners Walküre und Siegfried kommen im RING-Zyklus Ludwigshafen wieder fulminant auf die Bühne. Siegmund wird als Opfer eines Motorrad-Rockerkriegs vor Hundings Haus abgeladen. Dort ist wieder zentral die „Wand der Verzweiflung“ angebracht, die aus einem Wettbewerb mit 50 Einsendungen hervorging: die Arbeit von Philipp Hummel, z.T. auf Tuch gesprayt in Schwarzweiß, Chrom  und Rottönen, die Gefühle der Angst und Verzweiflung erwecken, sowie an Zustände wie Kriege und Explosionen erinnern soll. „Der Betrachter soll durch durch die Ballung des Leides und und einer explosionsartigen Erschütterung in die Weite abgestoßen werden“, so der Künstler, was in Teilen auch gelingt.

 Auch musikalisch können die Aufführungen mit der Szene wieder mithalten. Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Karl-Heinz Steffens fühlt sich im Meer der Leitmotive, der Bezüge, Vorausahnungen, An- und Abschwellungen jetzt schon direkt heimisch, und sie spielen es geradezu lustvoll, gut angeleitet von dem ehemaligen Klarinettisten Steffens. Nur in der Erweckungszene am Schluß von Siegfried gibt die Spannung
etwas nach, was aber auch einer teilweisen Indisposition der Brünnhilde Lisa Livingstone und dem dadurch unkomplementären der Gesangsdialog mit ihrem Partner Andreas Schager geschuldet sein kann.

 Hansgünther Heymes spannende Ideen kommen wieder zu Tragen, wobei in der Walküre die Spiel-Bar in Wallhall und die Flughafenhalle für Siegmund und Sieglindes Flucht hervorstechen. Im 3.Akt fällt die besonders „liebevolle‘ Stilisierungen und Drapierungen der Walküren als Punkfrauen auf, und ihre einfallsreiche Choreographie die gesamte Vater-Tochter Szene über inlusive der ‚Aufbarung‘ Brünnhildes. Im ‚Siegfried‘ thront Mime auf einem Luwigshafener Hochthron, unter ihm die Chemiefabrik BASF. Im 2.Akt greift Heyme die Ansätze vom Wanderer als Strippenzieher buchstäblich auf. Er „inszeniert“ Fafner, sein Gold für Alberich und Mime, und den Waldvogel als ‚Mutterwesen‘ in kleiner und großer Ausfertigung vom Schnürboden
herab. Erda versinkt wie auf einem großen schmelzendem Eisberg letzlich im Bühnenkeller.

 Die Walküren sind erstklassig mit Ines Lex, Anke Berndt, Uta Christina Georg, Eva Maria Wurlitzer, Susanne Gasch, Susanne Wild, Sandra Maxheimer und Melanie Hirsch besetzt. Die Fricka singt ganz cool und blond mit durchdringendem Mezzo Julia Faylenbogen. Bei Lisa Livingstone ist der Übergang vom Brust- zum Kopfregister ein Manko, die hohe Lage überzeugt eher, wenn die Spitzentöne bei Siegfried auch z.T.gar nicht angepeilt werden. Der Wotan Gerard Kim ist wieder sehr stark baritonal, und auch als Wanderer kann er alle Register in einem spannenden Vortrag ziehen. Auch der Hunding des Christoph Stegemann ist ein toller Baß, der nie affektiert seine Brutalität ausspielt.

Carola Höhn gibt eine federleichte, innig schönstimmige Sieglinde. Ihr Siegmund Thomas Mohr mit Tenor-Heldenschmelz kann immer sympathisch für sich einnehmen. Im ‚Siegfried‘ wirkt der Waldvogel etwas breit, aber gut artikuliert, schönstimmig, ‚halsbrecherisch‘ von Ines Lex gesungen. Gerd Vogel singt wieder einen hochpräsenten Alberich, auch in dem haarsträubenden Dialog mit Bruder Mime. Dieser ist mit einer prima „messa di voce“ seines prallen Tenors ein wahrer Protagonist des Abends, höchstens noch getoppt von Andreas Schager als Titelfigur. Er singt sich durch über 5 Stunden als wäre es ein Honigschlecken. Mit überschäumender wohlkingender Stimmkraft und angenehmem Timbre singt er jetzt weltweit  in der 1.Liga der Siegfriede, wirkt aber szenisch fast ein wenig überdreht, was sich auf kleine Textungenauigkeiten auswirkt.                                             
Friedeon Rosén

 

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