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LUDWIGSBURG/Forum Schlosspark: SHEN WEI DANCE ARTS. Ballons steigen auf

05.05.2016 | Ballett/Tanz

Shen Wei Dance Arts im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

BALLONS STEIGEN AUF

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Copyright: Christopher Duggan

Shen Wei Dance Arts im Forum am Schlosspark am 4.5.2016/LUDWIGSBURG

Shen Wei hat mit seiner Choreographie für die Olympischen Spiele in Peking Aufsehen erregt. Der gebürtige Chinese lebt seit 1995 in New York und hat jetzt in Ludwigsburg seine beiden suggestiven Arbeiten „Map“ und „Folding“ präsentiert. Mit der Musik von Steve Reichs „Desert Music“ gewinnt diese Arbeit starke Präsenz. Kraftvolle Energie und voller Körpereinsatz unterstreichen die Nähe zu Bildender Kunst und Choreografie. Ostasiatische und afrikanische Gesangsstile und Tonsymbole begleiten große Ballons, die in geheimnisvoller Weise in die Höhe steigen. Das Ganze wirkt gewaltig. Jetzt wird Platz für die Tänzer gemacht, die jeden Winkel der Bühne überaus wandlungsfähig erkunden. Es sind rotierende Bewegungen um Körperachsen zu sehen, die sich immer mehr zu vergrößern scheinen. Pirouetten hüllen das Ganze in eine mystische Aura. Metronomische Präzision und weicher Fluss lässt die Tänzer immer wieder zusammenströmen und wieder auseinanderfließen. Das fasziniert als endlose Schleife mit sphärenhafter Aura. Die Minimalmusic von Steve Reich passt hier bestens dazu, sie basiert auf der gleichnamigen Gedichtsammlung von William Carlos Williams. „Folding“ wirkt dann als zweite gelungene Arbeit sehr surreal und versponnen. Das Falten von Papier hat Wei zu dieser faszinierenden Arbeit inspiriert, die wie in Zeitlupe abläuft. Die Personen sind in roten Samt verpackt und besitzen hautfarbene Kopfbedeckungen. Alles wird ins Eiförmige gestreckt, die Körper erscheinen fast schwerelos in der rot-schwarzen Atmosphäre. Die Tänzer durchmessen in gesetzten Schritten den Raum.

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Copyright: Christopher Duggan

Das Aquarell des chinesischen Künstlers BaDan San Ren deutet im Hintergrund einen Ozean an. Die zwölf Tänzer wirken hier wie zum Leben erweckte Figuren eines surrealen Gemäldes. John Taveners sanfte Melodien und monumentale buddhistische Gesänge hüllen dabei den gesamten Raum ein. Man fühlt sich plötzlich wie in einem tranceartigen Zustand. Das gehört zu den großen Stärken dieser ungewöhnlichen Performance. Die Tempi ändern sich immer wieder – mal ist alles so konzentriert wie ein Ritual, dann wieder geht es so schnell, dass man die Wahrnehmung verliert. Ein meditativer Minimalismus triumphiert völlig. Alles dreht sich, rotiert, schwenkt und wirbelt.

Begeisternden Schlussapplaus gab es für das gesamte Ensemble. Immer wieder fesselt die unglaubliche, fast schon dämonische Ausdruckskraft dieser ungewöhlichen Kompanie. Man wird geradezu süchtig danach, noch mehr zu sehen.

Alexander Walther

 

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