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LUDWIGSBURG/Forum Schlosspark: SHAUN PARKER & COMPANY – Träume wie in Trance

18.11.2015 | Ballett/Tanz

Shaun Parker & Company im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

TRÄUME WIE IN TRANCE

Shaun Parker & Company im Forum am Schlosspark am 17. November 2015

Die Frage nach der menschlichen Individualität beschäftigt Shaun Parker seit langem. In seinem subtilen Tanzstück „Am I“, das jetzt in Ludwigsburg zu sehen war, hat er Physiker interviewt und sich Inspiration bei der Kosmologie und der Hirnforschung geholt. Mit dem pulsierenden Licht eines Urknalls beginnt dieses bemerkenswert suggestive Stück, dessen Intensität sich ständig verdichtet. Die Tanzsprache antwortet hier sehr exakt auf wissenschaftliche Aussagen, wobei die Tänzerinnen und Tänzer mit Eisenstäben agieren und gegen starke Lichtfluten zu kämpfen scheinen. Die Aufmerksamkeit für jedes Detail ist hier das Markenzeichen der indischen Tänzerin Shantala Shivalingappa, die die Tänzer durch „Am I“ führt.

Die begleitende Komposition von Nick Wales versucht das Wesen des Menschlichen in eindringliche Klänge zu fassen, was immer wieder überzeugend gelingt. Shaun Parker interessiert sich brennend dafür, was sich bei den Menschen verändert hat und was gleich geblieben ist. Daraus entwickelt das Stück seine elektrisierende Spannungskraft. Im Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft dominiert der körperbetonte Tanz. Die Entstehung des Universums steht mit pulsierendem Licht im Zentrum. Shantala Shivalingappa führt mit präzisen Gesten 14 Tänzer und Musiker durch kosmologische Theorien. Im Bewusstsein von Göttern und Spiritualität denkt man immer wieder an Galaxien, Schwarze Löcher und  Röntgensterne. Shaun Parkers Arbeit lässt der Fantasie freien Lauf. Die Gemeinschaft sehnt sich hier nach dem totalen Ursprung zurück. Die Komposition von Nick Wales beschreibt die Menschheit als eine Art Urvolk. Musikalische Stilrichtungen und wortloser Gesang werden von Schreien von Babys und Affen ergänzt. Da entsteht dann plötzlich ein außerirdischer Klangkosmos. Shantala Shivalingappa sagt selbst, dass sie „ohne Facebook“ verloren sei. Getanzt wird in dieser Choreografie wie in Trance, man beschwört Träume, die sich eigentlich nicht verwirklichen lassen. „Nur die Menschen fragen“, sagt Shantala Shivalingappa. „Denn die Vögel und die Pflanzen und die Insekten haben keinen Grund dazu. Sie tragen nicht die Last eines Gehirns, das zu groß ist für seinen Gebrauch“. Eine gewisse Leichtigkeit des Seins liegt über diesem facettenreichen Tanztheater, das sich immer wieder neu aufsplittert und visuell vervielfältigt. Meryl Tankards Australian Dance Theatre war eine der Stationen von Shaun Parker, dann zog es ihn zu Sasha Waltz in Berlin. Der Australier sucht mit seiner eigenen Kompanie immer wieder neben aktuellen Bewegungsmotiven den Dialog mit Musik und Theater, stellt grundlegende Fragen. Riesenapplaus für die gesamte Truppe. 

Alexander Walther

 

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