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LUDWIGSBURG/Forum am Schlosspark: SPELLBOUND CONTEMPORARY BALLET ROM – Ein zauberhafter Winter

Ludwigsburg/ Forum am Schlosspark: SPELLBOUND CONTEMPORARY BALLET ROM : EIN ZAUBERHAFTER WINTER
Spellbound Contemporary Ballet Rom am 18. Januar 2014 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG
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Foto: Christiano Castaldi

Antonio Vivaldi, der legendäre rothaarige Mädcheninternatslehrer und Priester, steht im Mittelpunkt von Mauro Astolfis einfühlsam choreographiertem Ballett „Vier Jahreszeiten“. Astolfi kombiniert hier die Musik von Vivaldi mit den modernen musikalischen Arrangements des italienischen Komponisten Luca Salvadori. Salvadori hat eine eindringliche Musik geschaffen, die Vivaldis Meisterwerk mit zeitgenössischen Klangwelten geschickt verbindet. Traumwandlerische Sphärenmusik wird dabei ergänzt von Tremolo-Gewittern und einem bewegenden Winter-Staccato.

Die Jahreszeiten leben in der tänzerischen Vielfalt dieser Kompanie mit großer Geschmeidigkeit und Grazie wieder auf. Naturklänge wie Vogelgezwitscher, sehr alte Melodien, populäre Motive wie ein elektrisierend-knisternder Tango, abstrakte elektronische Geräusche und Klänge von Glasharmonika und Bassflöte lassen das Publikum nicht zur Ruhe kommen.

Auf der Bühne sieht man ein großes Haus, das sich zuletzt in gespenstischer Weise hinter dem letzten Tänzer hin- und herbewegt. Dieser registriert das erschrocken – und verschwindet dann von der Bühne. Frühling, Sommer, Herbst und Winter werden hier zu einem berührenden Kosmos. Jede Jahreszeit entspricht einem Lebensabschnitt. Das Erwachen der Gefühle, das Entstehen von Zuneigung und Liebe, Emüdung, Erschöpfung, Abschied und Schmerz werden den Jahreszeiten sinnbildlich zugeordnet. Ein mysteriöser Ort wird sichtbar und  brennt sich ins Gedächtnis ein. Man weiß nicht, ob es sich um ein Haus, ein Boot oder einen Baum handelt. Die Personen versuchen die Abläufe in der Natur erst zu begreifen. Einzig das Haus wird klar wahrgenommen. Allmählich kommt es hier zu einer Reise in die eigene Innenwelt, die „Jahreszeiten“ werden zwischen al-fresco-Figurationen und kontrapunktischen Zaubereien zum starken seelischen Erlebnis. Lust, Grauen, Angst, Lebensfreude und Todesahnung wachsen zu einem irisierenden Kosmos zusammen.

Zuweilen hätte man sich noch stärkere Lichteffekte gewünscht, die das tänzerische Geschehen begleiten. Insgesamt überzeugt diese 2010 in Pisa uraufgeführte Arbeit aber aufgrund der großen künstlerischen Konzentration. Der „Winter“-Abschnitt gefällt dabei am meisten. 

 
Alexander Walther

 

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