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LUDWIGSBURG/ Schlosspark; CEDAR LAKE CONTEMPORARY BALLET – eine spannende choreographische Reise

21.10.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

LUDWIGSBURG: Cedar Lake Contemporary Ballet im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

EINE SPANNENDE CHOREOGRAFISCHE REISE
Cedar Lake Contemporary Ballet im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

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Cedar Lake Contemporary Ballet: Foto-Copyright: Christopher Dugen

Das 2003 von Nancy Walton Laurie gegründete Cedar Lake Contemporary Ballet steht unter der künstlerischen Leitung von Alexandra Damiani und ist in New York City zu Hause. Mit ihren athletischen Bewegungen erforschen die Tänzerinnen und Tänzer die unendlichen Möglichkeiten von Bewegung und Multimedia. Gleich das erste Ballett „Ida?“ des israelischen Choreografen Emanuel Gat überzeugte das Publikum im Forum am Schlosspark ungemein. Hier überlagern sich mehrere Schichten. Choreografie, Stimme, Text und Musik wachsen ganz zusammen. So entsteht ein facettenreiches spielerisches Nachdenken über die Natur der menschlichen Beziehungen. Gesehene und gehörte Empfindungen werden geschichtet und verwischt, was sehr spannend anzusehen ist. Das Zusammenleben in der Gruppe und das Verhalten des Individuums darin wird reflektiert. Dazu erklingt unter anderem die Sonate op. 111 von Ludwig van Beethoven, eingespielt von Mitsuko Uchida. In der Basstiefe einsetzende Trillerbewegungen und dynamische Steigerungen schaffen bei dieser gelungenen Choreografie eine geradezu berauschende Atmosphäre. Es ist ein bewegungstechnisch grandioser Tanz über die Oktaven bis hin zu gewaltigen C-Dur-Harmonien. Auch „Tuplet“ des schwedischen Choreografen Alexander Ekman rief beim Publikum Begeisterungsstürme hervor. Es handelt sich dabei um eine rasante tour-de-force für sechs Tänzer. Die aufregende Frage nach dem Rhythmus steht ganz im Mittelpunkt. Zu staccatohaft klingenden Percussion-Instrumenten werden die rhythmischen Stärken der Tänzer scharf betont (Musik und Ton: „Featuring Fly Me To The Moon„, eingespielt von Victor Feldman). Die elektronische Musik des Schweden Mikael Karlsson passt dazu bestens, vor allem aufgrund der raffinierten Beleuchtungseffekte.

Am meisten gefiel im Forum jedoch die rasante, atemlos und mitreissend daherkommende Choreografie „Necessity, Again“ des 1970 geborenen Norwegers Jo Stromgren. Hier geht es um den elektrisierenden Gegensatz von Wort, Text und Tanz – stilvoll untermalt von Chansons des Franzosen Charles Aznavour. Die Notwendigkeit, alles in Worte zu formulieren, steht dabei im unmittelbaren Zentrum als Krankheit unserer Zeit. Dieses Werk ist eine hymnische Huldigung an den Freiraum zwischen den Worten. „Es ist ein Tanzstück im wahrsten Sinne des Wortes“, so der Choreograf. Gefühlte Augenblicke bilden hier stürmische Luftschlösser. Am Ende gab es verdiente Ovationen.

 Alexander Walther

 

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