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LUDWIGSBURG/ Schlossfestspiele: PREISTRÄGERKONZERT mit reinem harmonischem Klang

LUDWIGSBURG/ Schlossfestspiele/ Ordenssaal: REINER HARMONISCHER KLANG
Preisträgerkonzert im Ordenssaal am 18. Juli 2014 bei den Schlossfestspielen/LUDWIGSBURG

Gewinnerinnen und Gewinner des Deutschen Musikwettbewerbs 2014 stellten sich im Ordenssaal vor. Das bestens aufeinander abgestimmte Ensemble Nobiles mit Paul Heller, Christian Pohlers (Tenor), Felix Hübner (Bariton) sowie Lukas Lometscher und Lucas Heller (Bass) interpretierten mit feiner Intonation „O Lord, in Thee Is All My Trust“ sowie „If Ye Love Me“ von Thomas Tallis. Der polyfone, an Imitationen reiche Stil färbte auch auf die beiden anderen Werke von Josquin des Prez (aus der Missa „La sol fa re mi“) und „Ave verum corpus“ von William Byrd ab. Gotische französische Gesangskunst verband sich hier filigran mit den kontrapunktisch reizvollen Klangbildern des Elisabethanischen Zeitalters. Im weiteren Verlauf des Abends überzeugten vor allem auch die kunstvoll bearbeiteten Volkslieder, die das Ensemble Nobiles präsentierte. „Der frohe Wandersmann“ op. 75/1 von Felix Mendelssohn Bartholdy imponierte mit romantischer Gefühlstiefe und gelegentlich barocker Formstrenge, während Friedrich Silchers „Ännchen von Tharau“ mit ebenmäßiger Melodielinie auffiel. Von Max Reger erklangen mit ausufernder Harmonik aus den neun ausgewählten Volksliedern „Das Leben bringt groß‘ Freud“ und „Verlorenes Lieb'“, während Friedrich Silchers „Untreue“ („In einem kühlen Grunde“) dazu einen wirkungsvollen dynamischen Kontrast im Stil süddeutscher Innigkeit bildete.

Hymnische Schwungkraft besaßen ferner Robert Schumanns „Der Zecher als Doctrinair“ und „Die Minnesänger“ von Robert Schumann. „Im schönsten Wiesengrunde“ als Volksmelodie von Friedrich Weisse weckte bei den Zuhörern melancholische Gefühle. „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms gefiel in der Wiedergabe mit dem Ensemble Nobiles mit meisterlich dargestellter Satzkunst. Juri Schmahl (Oboe) gestaltete dann die sechs Metamorphosen nach Ovid op. 49 für Oboe solo von Benjamin Britten mit facettenreichen Intervallspannungen und fast schon impressionistischen Klangfarbenspielen. Der neobarocke Stil kam bei „Phaeton“ als abstürzende Klangspirale des scheiternden Gottessohnes oder bei „Bacchus“ im Stil der Weinseligkeit in nuancenreichen Arabesken zur Geltung. Das hervorragende Trio Pierrot mit Katharina Giegling (Violine), David Kindt (Klarinette) und Helge Aurich (Klavier) brillierte bei Bela Bartoks Kontrasten Sz 111 für Violine, Klarinette und Klavier mit folkloristischem Kolorit und rondoartigen Effekten. Der rasante Geist der Volksmusik triumphierte auch hier.

Etwas verwegen kündigte der Moderator Florian Zeuner die Sequenza VII für Oboe und Schallquelle von Luciano Berio als würdiges Nachfolgewerk von Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ an. Nun, diese Komposition steht mit Bachs Meisterwerken sicherlich nicht auf einer Stufe. Doch Juri Schmahl interpretierte das Werk zusammen mit der Geigerin Carolin Eckert (im Rahmen der Bildungspartnerschaft mit dem Goethe-Gymnasium Ludwigburg) voller Feuer und Emphase. Es war ein aufregender Kampf um den Ton H, der hierbei beschworen wurde. Spieltechnische und manuelle Aktionen erinnerten natürlich an den postseriellen Stil, der aber gleichsam überwunden wurde. Mit großer motivisch-thematischer Konzentration agierte der höchst virtuose Solist. Neoklassizistische Finessen besaßen „Quatre Petites Prieres de Saint-Francois d’Assise“ von Francis Poulenc mit dem wunderbaren Ensemble Nobiles. Poulenc komponierte das Stück für seinen Neffen, der Franziskanermönch war. Ein spiritueller Geist beherrschte diese gelungene Interpretation mit sphärenhafter Durchsichtigkeit. Die Wiedergabe wirkte aber auch ironisch-geistreich und formklar. Darius Milhauds Suite op. 157b für Violine, Klarinette und Klavier (nach der Schauspielmusik für „Le Voyageur sans bagage“ von Jean Anouilh) bestach in der subtilen Wiedergabe durch das Trio Pierrot aufgrund der Verbannung des romantischen Geistes durch melodische, harmonische und rhythmische Einfachheit. Die Dreiklänge der Dur-Moll-Skala gefielen mit feiner Temperierung. Und gerade die klangliche Balance gelang dem Trio Pierrot trotz der schwierigen polytonalen und polyrhythmischen Kontrapunktik ausgezeichnet.

Der Ordenssaal war recht gut besucht, was leider nicht immer der Fall ist.

 Alexander Walther

 

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