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LUDWIGSBURG/ Residenzschloss: "CLEOPATRA" mit Regula Mühlemann im Ordenssaal

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Regula Mühlemann. Copyright: Sony Classical

„Cleopatra“ mit Regula Mühlemann am 21. 1. 2018 im Ordensaal des Residenzschlosses/LUDWIGSBURG

BLICK IN GEHEIME MYSTERIEN

Die begnadete Sopranistin Regula Mühlemann hat sich musikalisch intensiv mit der letzten ägyptischen Königin Cleopatra beschäftigt, die die Geliebte von Julius Caesar und Marcus Antonius war. Viele Werke sind in der Barockzeit entstanden, in denen sie eine Rolle spielt. Sie befehligte ein mächtiges Heer, ließ moderne Kriegsschiffe bauen, wusste Rivalen auszuschalten und übte eine erhebliche Macht aus. Doch letztendlich wollte sie ihrem Geliebten in den Tod folgen und wählte den Freitod, um sich nicht von ihren Feinden vorführen zu lassen.

Zusammen mit dem exzellenten La Folia Barockorchester bot Regula Mühlemann ein großes Koloratur-Feuerwerk, wobei sie die melodischen Verästelungen mit virtuosem Timbre und tragfähiger Mittellage bis in kleinste Details offenlegte. Gleich zu Beginn begeisterte die schwungvolle Wiedergabe von Carl Heinrich Grauns Sinfonia aus „Cleopatra e Cesare“, wo mit harmonischer Durchsichtigkeit musiziert wurde. Bei der Arie „Tra le porcelle assorto“ aus Grauns „Cleopatra e Cesare“ betonte Regula Mühlemann die zahlreichen kontrapunktischen Spitzfindigkeiten mit nie nachlassender Emphase. Kein Geringerer als der Preußenkönig Friedrich II. hatte für diese Oper den Auftrag gegeben. Auch „Se tu sarai felice“ aus Giovanni Legrenzis „Antioco il Grande“ gestaltete die versierte Sopranistin überaus temperamentvoll und feurig. Festliche Klangpracht, reizvolle Al-fresco-Wirkungen und formale Ausgeglichenheit des Hochbarock gestaltete Robin Peter Müller (Violine und Leitung) zusammen mit dem La Folia Barockorchester bei Antonio Vivaldis Violinkonzert in D-Dur RV 208 „Il grosso mogul“ mit Akribie und stilistischer Sicherheit. Rezitativ und Arie „Antonio, e qual destino – Vo goder senza contrasto“ als Rezitativ und Arie aus „Marc’Antonio e Cleopatra“ von Alessandro Scarlatti bestach mit formalem Feinschliff und Grandezza. Die brillante Ausschmückung der Gesangslinien und immer neue satztechnische Erfindungen wurden von Regula Mühlemann und dem La Folia Barockorchester in hervorragender Weise herausgearbeitet. Imitatorische, fugierte und kanonische Sätze sprudelten hier bei den einzelnen Stücken immer wieder erfrischend hervor, wobei sich die Gesangsstimme nahtlos einfügte. Beschwörende punktierte Rhythmen beherrschten auch die Arie „Squarciami pure il seno“ aus „Il Tigrane“ von Antonio Vivaldi. Johann Adolf Hasse galt als „Megastar“ des Spätbarock. Und der junge Mozart wollte „so berühmt werden wie Hasse“. Für Gesprächsstoff sorgte auch Hasses Ehe mit der berühmten Sängerin Faustina Bordoni. Edles lyrisches Melos strahlte bei der Arie „Quel candido armellino“ aus Hasses Serenata „Marc’Antonio e Cleopatra“ leuchtkräftig hervor. Gleichwohl wurde Hasse zu Unrecht völlig vergessen. Mit vielen chromatischen Finessen gespickt erschien Francesco Geminianis „La follia“ aus dem facettenreichen Concerto grosso D-Dur Nr. 12 op. 5, wo die Musiker ganz aus sich herausgingen. Rezitativ und Arie „Che sento, oh Dio! – Se pieta di me non senti“ aus Georg Friedrich Händels Oper „Giulio Cesare in Egitto“ bestach in der ausgezeichneten Wiedergabe von Regula Mühlemann mit glühenden Spitzentönen und samtweichem Timbre. Expressiv wirkten hier die Rezitative, und auch die tiefe Verinnerlichung des Gesangs kam bei Regula Mühlemann nie zu kurz. Zum Abschluss faszinierte noch einmal die Arie „Morte col fiero aspetto orror“ aus Johann Adolf Hasses „Marc’Antonio e Cleopatra“. Bewegende Gesangslinien vereinigten sich mit vielen Nuancen und prunkvollen Steigerungen. Großer Jubel im Ordenssaal für diese Gesangsvirtuosin mit Zukunft.

Alexander Walther