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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: KAMMERORCHESTER BASEL. Frühreifer Formsinn

20.03.2022 | Konzert/Liederabende

Kammerorchester Basel am 19.3.2022 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

Frühreifer Formsinn

 Harmonische Durchsichtigkeit und Eleganz beherrschten die subtle Wiedergabe des Kammerorchesters Basel unter der Leitung von Baptiste Lopez (Violine) schon bei Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonia IV c-Moll MWV N 4, wo die geheimnisvollen thematischen Verbindungslinien sehr gut herausgearbeitet wurden. Expressivität und Eleganz beherrschten hier die Interpretation, wobei der Einfluss Mozarts hindurchschimmerte. Auf Anregung Carl Friedrich Zelters entstanden diese Streichersinfonien Mendelssohns, die er in blutjungen Jahren schrieb.

Veronika Eberle (Violine) war dann anschließend die Solistin bei Wolfgang  Amadeus Mozarts Konzert für Violine und Orchester Nr. 5 in A-Dur KV 219. Die Innigkeit des zweiten Themas wurde dabei hervorragend getroffen. Zu raunender Orchesterbegleitung setzte die Violine fast schwelgerisch ein. Bei der selbstbewussten und schwungvollen Melodie kreuzten sich die beiden Linienzüge reizvoll. Innige Wärme besaß das Adagio, wo auch das Kammerorchester Basel in makelloser Schönheit regelreicht aufblühte. Das als Menuett beginnende Finale beeindruckte die Zuhörer bei Veronika Eberles Interpretation mit suggestiver Grazie – und auch der exotische Lärm des „türkischen“ Intermezzos verfehlte seine Wirkung nicht. Entwaffnende Liebenswürdigkeit verbreitete zuletzt das zurückkehrende Menuett.

Eine positive Überraschung war anschließend die Sopranistin Nikola Hillebrand, die  zusammen mit dem Kammerorchester Basel unter Lopez Szene und Rondo „Non piu, tutto ascoltai – No temer, amato bene“ aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“ KV 490 feurig und virtuos interpretierte. Der Zauber der italienischen Opera seria blitzte hell auf. Vor allem die musikalische Charakteristik überzeugte bei Nikola Hillebrands Darstellung in ungewöhnlich starker Weise, denn die seelische und dramatische Situation wurde nicht nur bei den Tremolo-Effekten voll erfasst. Nicht weniger überzeugend gelang Nikola Hillebrands Wiedergabe der auch vom Kammerorchester Basel schwungvoll interpretierten Konzertarie „Infelice! Ah, ritorna, eta dell’oro“ für Sopran, Solovioline und Orchester MWV H4 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Dabei spürte man Mendelssohns Beschäftigung mit Bach, Händel, Palestrina und den Vorklassikern. Elektrisierendes Feuer mit wirbelnden kontrapunktischen Finessen machte sich hier in rasanter Geschwindigkeit breit, die die Sopranistin Nikola Hillebrand immer wieder brillant auffing.

Zum Abschluss folgte noch eine klanglich überwältigende Interpretation von Felix Mendelssohn Bartholdys Sinfonie Nr. 1 in c-Moll op. 11, die er bereits mit 15 Jahren schrieb. Den energischen Beginn des ersten Satzes traf der Dirigent Baptiste Lopez zusammen mit dem glänzend disponierten Kammerorchester Basel ausgezeichnet. Das Thema wurde dabei von einem großen Tonraum durchmessen. Die verkürzte Reprise zugunsten einer ausgedehnten Coda trat präzis hervor. Das Zusammenspiel von Streichern und Holzbläsern bestach mit intonationsreinem Klangsinn. Beim Menuett war wiederum der Einfluss Mozarts zu spüren. Und im Finale ragte die geschickte Kombination der beiden kontrastierenden Fugen facettenreich hervor. Auch die Pizzicato-Sequenzen offenbarten viele Nuancen. Und die Paukeneinsätze wirkten explosiv.

Alexander Walther

 

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