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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: DER NUSSSKNACKER mit dem Ballett des Grand Theatre de Geneve

10.12.2017 | Ballett/Tanz

Ballet du Grand Theatre de Geneve am 9. Dezember 2017 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

PATE DROSSELMEYERS STIPPVISITE

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Copyright: Gergory Batardon

Das Grand Theatre de Geneve wurde 1879 fertiggestellt, nach einem Brand 1962 wiedereröffnet und hat seitdem eine eigene Balletttruppe. Der Belgier Jeroen Verbruggen hat nun mit Peter Tschaikowskys Musik und nach E.T.A.Hoffmanns Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ kein braves Weihnachtsballett wie von den Choreographen Marius Petipa und Lew Iwanow präsentiert, sondern er benutzt nur Motive des Originals.

Der Märchenonkel Drosselmeyer (hier virtuos getanzt von Simone Repele) schenkt den Kindern Marie und Fritz (Yumi Aizawa) einen prächtigen Nussknacker (Zachary Clark). Der ist ein verzauberter Prinz, der nachts mit Fritzens Husarenarmee gegen den Mausekönig und sein Heer kämpft. Verbruggen inszeniert dieses Stück ganz unkonventionell, Heiligabend und Tannenbäume gibt es nicht. Ein Schrank voller Schubladen  und Spiegel voller Magie und Zauber stehen statt dessen im Zentrum – mit Flügeln und aufgesetzten Häuptern. Der faszinierende Kasten lässt Personen in geheimnisvoller Weise zwischen Sternen und einem auf- und absinkenden Kronleuchter auftauchen. Alles glitzert und funkelt hier. Er ist Mittelpunkt einer Traumwelt, in der sich Marie als Hauptfigur zwischen Unschuld und Frivolität vom Mädchen zur Frau tanzt.

Das verdeutlicht Yumi Aizawa vorzüglich. Hier begegnet eine Jugendliche zum ersten Mal dem Eros. Zwei Männertypen nehmen Gestalt an. Der düstere Zauber wird in den barock-avantgardistischen Kostümen des Couturier-Duos Livia Stoianova und Yassen Samoulov in faszinierender Weise dargestellt. König, Königin, Prinzessin, Ratten, Freundinnen und junge Männer bevölkern in abwechslungsreicher Weise die funkelnde und glitzernde Bühne, die sich auch nach oben hin im gleissenden Licht und Nebel öffnet. Virtuoser klassischer Tanz zeigt sich dabei auch beim Pas de deux. Leichtigkeit und luftige Unbeschwertheit kennzeichnen schon die „Ouvertüre miniature“. Klarinetten, Trompeten und Hörner dominieren beim reizvoll getanzten kleinen Marsch, während „Der Tanz der Fee Dragee“ in vielen Nuancen, Facetten und Pirouetten dahinwirbelt.

Feurig wirkt dann der „Trepak“, melancholisch der „Arabische Tanz“ mit den Variationen über dem Quintenbass. Beim „Chinesischen Tanz“ überzeugen die schrillen hohen Lagen der Flöten mitsamt den gegenübergestellten Pizzicati, wo die Tänzer ausgelassen agieren. Schleifer und Vorschläge verzieren die einprägsame Melodie des „Tanzes der Mirlitons“, dessen harmonische Bewegungen von den Tänzern immer weiter aufgefächert werden. Beim Blumenwalzer gehen dann alle nochmals ganz aus sich heraus. Marie wird im Spiegel gleichzeitig mit vielen Facetten ihrer Persönlichkeit konfrontiert.

Zuletzt beginnt Drosselmeyers Thema zu erklingen – und Marie erkennt, dass er alles nur initiiert hat, damit sie zu leben beginnt. Sie endet in den Armen des Prinzen. Der Kontrast zur fantastischen Welt des Patenonkels Drosselmeyer wird bei dieser Inszenierung grell und eindrucksvoll herausgearbeitet (Intendant: Tobias Richter; Ballettdirektor: Philippe Cohen).

Alexander Walther

 

 

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