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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: COMPANIA NACIONAL DE BAILADO – Irrgarten der Gefühle

21.03.2016 | Ballett/Tanz

Companhia Nacional de Bailado im Forum am Schlosspark Ludwigsburg am 20.3.2016

IRRGARTEN DER GEFÜHLE

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Copyright: Rodrigo de Souza

In der subtilen Choreografie der portugiesischen Tänzerin Olga Roriz zeigte die Companhia Nacional de Bailado aus Lissabon eine durchaus poetische Version des antiken Sagenstoffs um Orpheus und Eurydike. Der Sänger Orpheus kann den Tod der ihm frisch anvertrauten Nymphe Eurydike nicht verwinden und steigt hinab in die Unterwelt, um seine Frau zu suchen. Durch den Gesang und das Spiel seiner Lyra will er den Gott Hades dazu bewegen, ihm seine Geliebte zurückzugeben. Als er sich nach ihr umsieht, bricht Eurydike tot zusammen. Orpheus will sich daraufhin selbst den Tod geben, doch der herbeigeeilte Eros entreisst ihm den Dolch. Durch Götterhand berüht, erwacht Eurydike zu neuem Leben. Im Tempel des Liebesgottes werden die wiedervereinigten Gatten gefeiert.

Zur Feier des 300. Geburtstags von Gluck im Jahr 2014 hat die Companhia Nacional de Bailado diese gelungene tänzerische Umsetzung seiner Oper in Auftrag gegeben. Die Ballette von George Balanchine, Pina Bausch und John Neumeier standen dabei Pate. Mit zeitlosen Kostümen und in großen Gruppen wird hier der antike Mythos als zeitlose Geschichte über den Verlust eines geliebten Menschen wiedererzählt. Mit Eurydike sterben für Orpheus alle Frauen. Der antike Sänger ist in diesem Ballett ein Mensch, der das Verbotene wagt und damit gegen Konventionen verstößt. Er will sehen, was ihm eigentlich verboten bleiben soll. Die Choreografin hat die Partitur von Glucks Oper den Bedürfnissen ihrer Erzählung angepasst. Die Choreographie von Olga Roriz spielt mit den einzelnen Teilen „Furies“, „Silence“, „Ballo“, „Ballet ombres heureuses“ oder „Tendre Amour“ in einem geheimnisvollen Zwischenreich, wo nichts mehr wirklich ist. Eine signalhafte Wiederholung von Musiktiteln wie „Reigen seliger Geister“ sorgt für eine intime Vertiefung der Antike. Erzählt wird hier aber auch höchst virtuos von der unglaublichen Kraft des Träumens. Der Tod kann überwunden werden. Zuletzt jedoch wird Orpheus von der Gruppe der Tänzerinnen mit Schuhen regelrecht zugedeckt und erschlagen. Ein heftiges Ende.

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Copyright: Rodrigo de Souza

Miguel Ramalho als Orpheus und Henriett Ventura als Eurydike überzeugen als traumverlorenes Paar, das die Zuschauer berührt. Die Tonlage zwischen C-Dur und Moll-Einwürfen wird mit kunstvoller tänzerischer Sprungtechnik unterstrichen. Die Companie bringt das tänzerische Element zur reichsten Entfaltung. In einer einzigen Allegrobewegung von zuweilen großem Glanz bewegen sich die Tänzerinnen fort. Man merkt, wie stark diese Arbeit von der Gruppe inspiriert ist. Das Ganze wirkt aber auch wie ein in musikalischen Linien aufgelöstes antikes Bauwerk. Das heroisch-großartige Seelendrama kann sich so bestens entfalten. Den Mythos vom Künstler, der gegen die Götter  heftig aufbegehrt, erlebt man so ganz neu. In großer Gruppen-Wucht prallen Gefühle hier aufeinander. Riesenapplaus für die gesamte Truppe und natürlich für Olga Roriz, die weltweit mit renommierten Kompanien wie Les Ballets de Monte Carlo arbeitet.

Alexander Walther    

 

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