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LUDWIGSBURG/ Forum Schlosspark: BACHS H-MOLL-MESSE mit der Akademie für Alte Musik Berlin

16.05.2022 | Konzert/Liederabende

Bachs h-Moll-Messe mit der Akademie für Alte Musik Berlin bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen im Forum am Schlosspark am 15.5.2022/LUDWIGSBURG

Ein göttliches Mysterium

Die während der Jahre 1733 bis 1738 entstandene „Hohe Messe in h-Moll“ von Johann Sebastian Bach besitzt ebensoviel katholische wie protestantische Züge. Unter der inspirierenden Leitung von Rene Jacobs musizierte die Akademie für Alte Musik Berlin zusammen mit dem glänzend disponierten RIAS Kammerchor Berlin dieses Werk wie aus einem Guss. Das „Kyrie eleison“ setzte als beschwörender Anruf ein, wie unter dem Zwang von Not und Verlassenheit. Dann gab das Orchester die flehende, wie aus Qualen sich emporringende Melodie an, die das Thema der gewaltigen Chorfuge ist. Immer mehr steigerte sich dieses Flehen zur ekstatischen Wucht des alttestamentarischen „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“. Robin Johannsen (Sopran), Marie-Claude Chappuis (Mezzosopran), Benno Schachtner  (Countertenor), Shimon Yoshida (Tenor) und Andreas Wolf (Bass) fügten sich als einfühlsame Gesangssolisten nahtlos zusammen. Zwei Soprane sangen das „Christe eleison“ in freudiger Zuvericht. Wie eine blendende Lichtflut brach dann das „Gloria“ herein. Leuchtkräftig schmetterten die Trompeten das jubelnde Chorthema des „Gloria in excelsis deo“ – und immer neu entzündete sich der überschwängliche Lobgesang an den Textworten, bis das Alt-Solo zusammen mit der Soloviolne beim „Laudamus te“ eine persönliche Freudenmelodie fand. Gelöst und von ruhiger Freude erfüllt war auch der Chor „Gratias tibi agimus“, der in sphärenhafte Regionen führte, die Rene Jacobs mit dem Ensemble sehr einfühlsam beschwor. Robin Johannsen (Sopran) und Shimon Yoshida (Tenor) vereinigten sich beim Anruf „Domino Fili unigente“, bei dem Streicher und Flöte das Lieblich-Erdentrückte der Stimmung unterstrichen. Wie eine friedliche Vision folgte die Alt-Arie „Qui sedes ad dextram Patris“, der der feine Klang der Oboe d’amore reiche Farbe gab. Andreas Wolf (Bass) gestaltete die Arie „Quoniam tu solus sanctus“ sehr klangfarbenreich in der Begleitung von Jagdhorn und  Fagotten. Majestätischer Trompetenglanz begleitete den Chor „Cum sancto spirito“. Mit einer überwältigenden Apotheose setzte das  Credo ein. Die mit fünf Chor- und zwei Violinstimmen aufgeschichtete Fuge entfaltete sich dabei überaus machtvoll und bewegend. Mystische Erhabenheit prägte den Chorgesang. Man spürte, wie der Musiker Bach diese Choralweise bis in ihre geheimnisvollsten Tiefen auslotete. Sopran und Alt machten beim Duett „Et in unum Dominum“ den eingebornen Sohn Gottes sinnbildlich greifbar. Beim „Et incarnatus est“ senkten sich die Melodielinien der Streicher und des Chores auf das kaum bewegte Bassfundament. Das wirkte sehr geheimnsivoll, „suchend“, wie Schweitzer es formulierte.  Als  Schmerzsymbol folgte der chromatische Quartfall, dessen gewaltige dynamische Steigerungen Rene Jacobs mit dem fulminanten Ensemble sehr eindrucksvoll zu Gehör brachte.  Das „Et resurrexit“ gefiel mit überwältigendem Jubel über Jesu Auferstehung und Himmelfahrt. Ergreifend schlicht wirkte dann der Folgechor „Confiteor“ mit der gregorianischen Melodie, die im Tenor aufstrahlte. Die „Auferstehung der Toten“ geriet so zum Mysterium. Machtvoll-festlich erklang der „Sanctus“-Chor. Majestät und Herrlichkeit wurden monumental in den ruhigen Bass-Schritten verankert. Und die grandiose Fuge „Pleni sunt coeli“ schwang sich immer höher empor, zeigte immer größere harmonische Leuchtkraft. Der Doppelchor des „Osanna“ besaß elektrisierendes Temperament. Und auch die Solovioline im „Benedictus“ bewies starke klangliche Intensität. Die Tenor-Arie besaß etwas Visionäres. Die Alt-Arie „Agnus dei“ mündete in die bewegende Friedensbitte des Chores „Dona nobis pacem“. So endete diese faszinierende Wiedergabe mit fulminanten Paukenschlägen.

Jubel, Riesenapplaus. 

 

ALEXANDER WALTHER

 

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