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LUDWIGSBURG/ Forum am Schlosspark: GERMAN BRASS mit Feingefühl und Power

22.01.2015 | Konzert/Liederabende

German Brass im Forum am Schlosspark Ludwigsburg

FEINGEFÜHL UND POWER

German Brass gastierte am 22. Januar 2015 im Forum am Schlosspark/LUDWIGSBURG

Seit 1974 hat German Brass als fulminante Blechbläserformation die Brass-Bewegung maßgeblich geprägt. Klassik, Evergreens und Soundtracks werden hier kunstvoll vereint. Die maßgeschneiderten Arrangements der mit vier Trompetern, drei Posaunen, zwei Hörnern, einer Tuba  und Percussion besetzten Band begeisterten auch im gut besuchten Forum das Publikum. Matthias Höfs, Uwe Köller, Werner Heckmann und Christoph Baerwind (Trompete), Alexander Erbrich-Crawford, Fritz Winter und Uwe Füssel (Posaune), Wolfgang Gaag und Klaus Wallendorf (Horn), Stefan Ambrosius (Tuba) sowie Herbert Wachter (Percussion) heizten den Zuhörern mit einem launigen Programm ein. Lippenvirtuosität und lupenreine Intonation machten sich gleich zu Beginn bei Johann Sebastian Bachs Concerto in G-Dur nach Antonio Vivaldi mit kontrapunktischer Feingliedrigkeit bemerkbar. Die harmonische Vielschichtigkeit und der Klangfarbenreichtum wechselten sich immer wieder stilvoll ab. Beim „Ave Maria“ von Pawloff betonten die Bläser einfühlsam den sphärenhaft-sakralen Charakter der Komposition. Eine wunderbare Überraschung war ferner die imponierende Begegnung mit Johann Sebastian Bachs berühmter Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565, die als Orgelkomposition wahrscheinlich vor 1710 in Weimar entstanden ist. Das kühne, unmittelbar packende Werk wurde vom fulminanten Ensemble German Brass in mitreissender Weise umgesetzt. Bachs Improvisationskunst traf das Ensemble sehr überzeugend, man begriff, warum Albert Schweitzer vom wilddrängenden Geist des Meisters sprach, der sich hier endgültig in die Gesetze der Form gefunden habe. Dann ging es höchst unterhaltsam weiter. Bei der rasant gespielten Nummer „Bei mir bist du schön“ ging sogar mit der Gesangsstimme die Post ab, während die Swing-Effekte des durch Chris Barber berühmt gewordenen „Wild Cat Blues“ unter die Haut gingen. „Children of Sanchez“ in d-Moll begeisterten ebenfalls mit knisternden Rhythmen. „Russland zwischen Tag und Nacht“ beschwor klangliche Finessen in allen möglichen Schattierungen und chromatischen Ausdrucksnuancen. Mit fiebrigen Staccato-Attacken wartete der „Säbeltanz“ von Aram Khatschaturian auf, wo German Brass bis an die Grenzen seiner Ausdruckskraft ging. Veristischen Klangzauber und lyrische Legato-Bögen beschworen ferner Auszüge aus Leonard Bernsteins „West Side Story“. Mit Klaus Badelts „Fluch der Karibik“ betonten die hochvirtuosen Blechbläser fast Filmmusik-Elemente. Und bei der spritzig-fetzigen Polka von Johann Strauß explodierten die elektrisierenden Funken. Sehr schwungvoll musizierte German Brass auch Peter Tschaikowskys Melodien aus dem legendären Ballett „Schwanensee“. Da sah man den kunstvollen Pas de deux des Liebespaares direkt vor sich. Zudem sorgte Herbert Wachter für einen grandiosen Salto mortale auf dem Schlagzeug, wodurch dieser „Schwanensee“ zu einem ungewöhnlichen Klangerlebnis wurde. Riesenjubel.

 Alexander Walther

 

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