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LUDWIG VAN BEETHOVEN – KLAVIERKONZERT Nr. 3 (Emanuel Ax) // MESSE in C-Dur – Michael Tilson Thomas

02.12.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

beeth  LUDWIG VAN BEETHOVEN – KLAVIERKONZERT Nr. 3 (Emanuel Ax) // MESSE in C-Dur –  Michael Tilson Thomas dirigiert das San Francisco Symphony / SFS Media SACD

Ein wenig verhalten geht Tilson Thomas den ersten Satz des dem Mozart‘schen C-Moll Oeuvres so ähnlichen Klavierkonzertes an.  Aber schon rasch nach Einsetzen des Soloklaviers (stupend mit dem nötigen Spielwitz gesegnet Emanuel Ax) kommt Stimmung auf. Emanuel Ax, mit dem Tilson Thomas schon oft zusammengearbeitet hat, gibt Tonus und Kadenz vor und schon rauschen sie dahin wie das Wasser im Fluss, die komplex verspielten Verschlingungen zwischen Klavier und Orchester. Dem ruhig zauberisch empfundenen zweiten Satz folgt ein ungestümes Finale, das Dirigent und Pianist auskosten wie eine Ringelspielfahrt am Jahrmarkt. In unbekümmertem Überschwang geht es ins flott übermütige Finale. Das Publikum in der Davies Symphony Hall jubelt. Der Kritiker kann es nachvollziehen.

Danach die in der Bergkirche in Eisenstadt uraufgeführte Messe in C-Dur. Das vom Auftraggeber Fürst Nikolaus von Eszterhazy so gar nicht geschätzte Werk ist in Wahrheit ein reines Wunderding. „Unorthodox“ verteilte Beethoven den Text in Haydn‘scher Überraschungsmanier auf Soli, Ensembles und Chor. Michael Thomas Tilson gelingt eine  idiomatisch hervorragende, energetisch lichtvolle Interpretation, als hätte er sein Leben lang nichts anders gemacht als am Sonntag in Wien in der Augustinerkirche Messen der Wiener Klassik zu dirigieren. Der San Francisco Symphony Chorus (Leitung Ragnar Bohlin) und die Solisten Joélle Harvey (Sopran), Kelley O‘Connor (Mezzosopran), William Burden (Tenor) sowie Shenyang (Bass-Bariton) finden bei aller technischen Präzision den rechten expressiven Jubelton, der über die rein liturgische Spiritualität hinaus einen Hymnus auf die Schöpfung wie in der 9. Symphonie vorwegzunehmen scheint. Ein auch für Spezialisten aus Wien ungetrübter Ohrenschmaus.

 Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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