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LUDWIG VAN BEETHOVEN: Hammerklaviersonate Op. 106, GRIGORY SOKOLOV

01.07.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

0889853360727 LUDWIG VAN BEETHOVEN: Hammerklaviersonate Op. 106, GRIGORY SOKOLOV – Eurodisc SONY CD – Macht der Persönlichkeit VÖ: 8.7.

Diese dem Erzherzog Rudolph gewidmete, alle Dimensionen sprengende viersätzige „Sonate“ Beethovens hat der junge Grigiry Sokolov im November 1975 eingespielt. Dank der Aufnahmetechnik des Bayerischen Rundfunks in untadeliger Qualität. Die an sich schon extreme Komposition mit einleitendem Allegro, einem Mini-Scherzo (3 Minuten), einem wahrlich unendlichen Adagio sostenuto und einem strengst kontrapunktischen Finale erfährt durch die Persönlichkeit des Grigory Sokolov nochmals eine Steigerung. 

Das betrifft vor allem die Tempi und deren Relationen zueinander. „Brauchte“ Friedrich Gulda 1968 für die gesamte Sonate 36,45 Minuten, Ludwig Bachkaus 1952 ca. 42 Minuten und Stephen Kovacevich 41 Minuten, so lässt sich Sokolov insgesamt 52 Minuten lang Zeit. Besonders den langsamen Satz zelebriert Sokolov  ausführlich (23,38), das geht bei Gulda doppelt so rasch vorbei. Dadurch bekommt bei Sokolov die Dramaturgie der Sätze zueinander eine ganz andere Bedeutung. Ob das jemandem gefällt oder nicht ist die eine Sache. Aber dieser Emotion des langsamen Satzes, der ja auch auf die schwierigen Lebensumstände des 47-jährigen Komponisten verweist, dieser meditativen Trauer kann man wohl kaum entkommen. Der „Haudrauf“ Beethoven legt sich selber eine Pause ein, um dann in der finalen Fuga a 3 voci con alcune licenze wieder einmal dem Schicksal gehörig eins zu trotzen. Eine Riesenleistung des jungen Pianisten, dass ihm trotz dieser äußerst gedehnten Tempi das Konstrukt nicht auseinanderfällt. Schon damals war das Genie Sokolvs greifbar: Mit freier Persönlichkeit und starker Handschrift in die Zukunft. Die Bahnkarte dazu haben ihm ja wohl die größten aller Komponisten ausgestellt.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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