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LUCIA DI LAMMERMOOR, Sir Charles Mackerras und Andrea Rost

29.07.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

lucia Gaetano Donizetti: LUCIA DI LAMMERMOOR, Sir Charles Mackerras – SONY 2 CDs – SONY wiederveröffentlicht interessante Opernproduktionen im Budgetformat

„Legendäre“ Operneinspielungen zu einem attraktiven Preis bietet Sony seit geraumer Zeit in der eigenen Reihe Sony Classical Opera an. Kürzlich wurden Titel wie „Bomarzo“ von Alberto Ginastera (Julius Rudel), „Il Guarany“ von Antonio Carlos Gomez (Domingo; Neschling), „Il Rotorno d’Ulisse in Patria“ von Claudio Monteverdi (van Stade; Raymond Leppard), „Le Villi“ von Giacomo Puccini (Domingo; Maazel) oder eben die Lucia die Lammermoor von Gaetano Donizetti (Rost; Mackerras) wiederaufgelegt. In Zeiten, wo es Opern-Studioproduktionen nur noch rar und da vornehmlich in der Alten Musik gibt, bietet diese Reihe eine gute Gelegenheit, Aufnahmen, die man früher versäumt hat, sich noch einmal genauer anzuhören, bzw. neu zu entdecken.

Ich habe die mir bis vor kurzem nicht bekannte „Lucia die Lammermoor“-Einspielung mit Andrea Rost und Bruce Ford, aufgenommen im August 1997, für eine „pars pro toto“ Besprechung gewählt. Es war eine gute Wahl. Allen voran ist es dem Originalklangensemble „The Hanover Band“ unter der herausragend dramatischen Leitung von Sir Charles Mackerras zu verdanken, dass diese Belcanto Oper auch musikalisch und instrumental ernst genommen wird. So dramatisch ausgeklügelt, zupackend, differenziert zuspitzend, farbig und wo nötig kantig bei stets hoher klanglicher Brillanz und Kantabilität hat man Lucia wohl kaum noch gehört. Darein fügt sich ein Sängerensemble ohne Fehl und Tadel, wobei vor allem die vorzügliche Männerriege, allen voran Bruce Ford als Sir Edgardo di Ravenswood, aber auch der kernige Anthony Michaels-Moore als Lord Enrico Ashton und Alastair Miles als profunder Raimondo, hervorstechen. Ich finde auch, dass Andrea Rost als Lucia einen exzellenten Job macht, wenngleich sie die (nicht geschriebenen) Akuti in den Finali auch nicht singt. Sie mit den Stimmwundern Moffo, Sutherland, Sills oder Gruberova zu vergleichen, wäre unfair. Aber eine schöne luxuriöse Mittellage, technisch gut gesungene Triller und Verzierungen und ein durchwegs dramatischer – freilich nicht immer belkantesker – Ansatz machen aus ihrer Lucia ein Wesen aus Fleisch und Blut, als Figur überzeugend und berührend. In der Höhe wird das Vibrato bisweilen (zu) ausladend, die Sängerin nutzt aber geschickt den dramatischen Sinn der Gesangslinien und interpretiert wie Renata Scotto aus dem Wort heraus. Das ergibt eine runde, in sich stimmige Interpretation, die auch beim wiederholten Hören nie langweilig wird oder sich abnutzt. Ein Hörvergnügen!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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