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LÜBECK: ELEKTRA – schwere Kost. Premiere

13.10.2012 | KRITIKEN, Oper

Schwere Kost: „Elektra“ im Theater Lübeck – 12.10.2012

Von Horst Schinzel


Manuela Uhl, Catherine Foster. Foto: Thorsten Wulff

 Als der Komponist Richard Strauss (1864 – 1949) vor rund hundert Jahren seine Oper „Elektra“ mit einem Test des Dichters Hugo von Hofmannsthal nach der antiken Tragödie des Sophokles vorstellte, schockierte er das Musikpublikum. Zum einen wegen des Thema des Muttermordes, zum anderen durch seine bis an die Grenzen der Tonalität gehenden Musik, die ungeheure Anforderungen an die Ausführenden stellt. Und daran hat sich auch im Abstand eines Jahrhunderts kaum etwas geändert, wie die Premiere dieser Tonschöpfung an diesem Freitagabend im Theater Lübeck zeigt. Die blutrünstige Handlung bleibt auch in der über weite Strecken recht wunderlichen Inszenierung des Österreichers Reto Nickler schwer erträglich.

Der Regisseur verlegt die Handlung in der Ausstattung von Hartmut Schörghofer in die Gegenwart. Gespielt wird im Wesentlichen im Zimmer der Elektra am Fuße der königlichen Burg. Das Geschehen in der Burg selbst wird nur durch einen großen Spiegel am Bühnenhimmel deutlich. Und wer von der Wallkrone in Elektras Zimmer hinabsteigen will, muss sehr beweglich sein und über einen Kleiderschrank und andere Möbel turnen. Schließlich ist da noch ein Kind (Nelly Ramadan), das einen geheimnisvollen Geigenkasten mit sich herumträgt. Wie sich gegen Schluss zeigt, ist darin das Beil, mit dem Orest (Antonio Yang) die Mutter, deren Geliebten Ägist (Markus Ahme) und die Hofschranzen erschlägt.

Erträglich werden dieses blutrünstige Handlung und die klangvoll herausfordernde Musik durch den großartigen Gesang der drei weiblichen Hauptfiguren: Der Elektra der inzwischen hochgelobten Engländerin Catherine Foster – 2013 für Bayreuth engagiert – der Chrysothemis der in Lübeck schon bekannten Manuela Uhl und der Klytemnästra der hier nur noch gastierenden Veronika Waldner. Was diese Sängerinnen bieten, ist atemberaubend. An ihrer Seite kommt vom fast dem ganzen weibliche Ensemble und dem von Joseph Feigl einstudierten Chor eine abgeschlossene Leistung. Das Philharmonische Orchester unter der Leitung des scheidenden Generalmusikdirektors Roman Brogli-Sacher stellt sich eindrucksvoll den Herausforderungen der Partitur

Das Premierenpublikum verfolgt das Geschehen mit großer Spannung, die sich in einem stürmischen Schlussbeifall äußert. Für ein Stadttheater eine mehr als nur beachtliche Leistung.

 Weitere Aufführungen: 21. Oktober, 16 Uhr, 27. Oktober, 19.30, 11. November,18 Uhr, 20. November, 19.30 Uhr.

 

 

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