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LÜBECK: DIE TOTE STADT – Trauerarbeit als Opernstoff

06.04.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

LÜBECK: DIE TOTE STADT – Trauerarbeit als Opernstoff  –

Von Horst Schinzel

 
Ausrine Stundyte, Richard Decker. Foto: Lutz Roeßler 

Das ist wirklich schwere Kost, die der Komponist Erich Wolfgang Korngold (1897 – 1957) den Opernfreunden in seinem fast hundert Jahre alten Werk „Die tote Stadt“ vorstellt: Trauerarbeit als Opernstoff. Diese tiefenpsychologisch angelegte Studie darüber war 1920 auf dem Musiktheater neu und wurde begeistert aufgenommen. . Neuartig für diese Zeit auch die Musik. Die ist ungemein farbig, und in ihr liegt eine ungeheure Spannung. Vor allem, wenn sie so durchsichtig musiziert wird wie an diesem Freitagabend in der Lübecker Oper unter der Leitung des hier noch nicht bekannten jungen Dirigenten Brian Schembri. Leider allerdings auch viel zu laut. Auf weite Strecken haben die Solisten Mühe, gegen den Krach aus dem Orchestergraben anzusingen. Eine starke Reduzierung wäre entschieden anzuraten.

 Die Oper erzählt die Geschichte von dem Witwer Paul, der seit fünf Jahren über seine verstorbene Frau Marie trauert. Seine seelische Verfassung wird verglichen mit dem Niedergang Brügges, wo nur noch prächtige Fassaden vom Glanz der alten Hansestadt zeugen. Bis in dieses private Heiligtum eine Schar wandernder Schauspieler hereinbricht – ihnen voran die schöne Marietta. Sie gleicht der Verstorbenen, und Paul verliebt sich in sie. Ohne sich einzugestehen, dass er nicht die Tänzerin, sondern das Ebenbild seiner einstigen Frau sucht. Aber gibt es diese Marietta wirklich? Das Ganze ist die Fiktion eines überreizten Gehirns. Als Paul diese Tänzerin erwürgt, erwacht er aus seinen Träumen. Marietta lebt und zieht mit der Wandertruppe weiter. Was aber wird aus Paul?

Für die Umsetzung dies schwierigen Thema hat der in Lübeck bereits bekannte Schweizer Regisseur Dieter Kaegi großartige Sänger zur Verfügung. Der hier ebenfalls schon bekannte Richard Decker und Ausrine Stundyte sind über 2 ½ Stunden hinweg überaus präsent und bewältigen ihre schwierigen Partien glänzend. Wioletta Hebrowska ist die Haushälterin Brigitta, Antonio Yang der Freund Frank. Mit Steinunn Skjenstad und Oksana Pollani sind zwei Mitglieder des Internationalen Opernelitestudios zu erleben. In weiteren Rollen gefallen Daniel Szeili, Tomasz Mysliwiec und David Winer-Mozes.

Dem Regisseur sind zusammen mit dem für die Ausstattung zuständigen Bruno Schwengl wunderschöne Bilder gelungen. Herrlich die Gauklerszene im zweiten Bild. eindrucksvoll die Heilig-Blutprozession mit dem von Joseph Feigl einstudierten Chor und dem von Gudrun Schröder geleiteten Kinder- und Jugendchor Vocalino und der Musik- und Kunstschule. Ein Abend, der begeistert gefeiert wird.

 Weitere Aufführungen: 12. und 24. April, jeweils 19.30 Uhr

 

 

 

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