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LOS ANGELES: I DUE FOSCARI

25.09.2012 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

Los Angeles: “I DUE FOSCARI” – LA Opera, 15., 20. u. 23. 9. 2012

 Kurzbericht! Ausführlicher Bericht erscheint im Heft.

 Mit „I Due Foscari“ ist der LA Opera ein toller Wurf gelungen. Seit etwa 40 Jahren war dies die erste Produktion der 1844 in Rom uraufgeführten 6.Oper von Giuseppe Verdi an einem größeren Haus in den USA. Es ist wohl eines der tragischsten Werke überhaupt, kaum ein Moment der Freude, von Anfang bis Ende nur Traurigkeit, Verzweiflung, menschliche Tragödie. Zudem besteht das Werk aus einer Aneinanderreihung von Monologen, Dialogen und kleinen Ensembles. Keine Spur von „Action“, was notgedrungen zu einer gewissen Statik führt. Kevin Knight schuf ein Einheitsbühnenbild, das die trostlose Atmosphäre der Tragödie unterstrich. Ein halb zerstörter Palast mit in der Höhe schräg über die Bühne verlaufender Brücke wurde für 2 Szenen mit einem hereinfahrenden, sehr schrägen Podest ergänzt, um das Gemach des Dogen darzustellen. Meisterhaft unterstrich die Beleuchtung (Bruno Poet) die jeweilige Stimmung. Einzig die prächtigen, an historische Gewänder angelehnten Kostüme (vor allem für Lucrezia) von Matti Ullrich brachten etwas Farbe ins Grau und Schwarz der Bühne.

 
Bühnenbild im 2. Akt

 Dem jungen Regisseur Thaddäus Strassberger gelang es, in diesem düsteren Ambiente ein dichtes Drama zu entwickeln, das Dank seiner Protagonisten jede Sekunde spannend war. Vor allem konnte er dabei auf die enorme Bühnenpräsenz und Autorität von Plácido Domingo als Francesco Foscari bauen, der jede seiner Szenen zu spannungsgeladenen Höhepunkten machte! Stimmlich in Hochform, konnte er den grausamen Zwiespalt zwischen Vaterliebe und Dogenpflicht, das Zerbrechen der Macht, die Konfrontation mit der Schwiegertochter und den Verlust des Sohnes herzzerreißend singen und darstellen.

 
Lukrezia fleht den Dogen um Gnade für Jacopo an                                                


Jacopo nimmt Abschied von seinen Kindern

 Besonders die Schluss-Szene, die einen Großteil des 3. Akts einnimmt, zeugte von seiner unglaublichen Gestaltungskraft. Atemlos verfolgte man die letzten Minuten des Dogen vor seinem dramatischen Tod. Ein Meisterstück: der Schrei, das Hinstürzen! Die kalten Schauer liefen einem über den Rücken. Unnachahmlich!


Francesco Foscari klammert sich noch an seine Macht (Schluss-Szene)


Loredano genießt seine Rache, der Doge erlebt seine  tiefste Demütigung, der neue Doge ist schon gewählt! (Schluss-Szene)

 Francesco Meli stellte den unglücklichen Jacopo Foscari dar, er musste die meiste Zeit in einem Gitterkäfig (anfangs hoch über der Bühne hängend) oder angekettet singen.

 
Jacopo Foscari im Gitterkäfig hoch über der Bühne schwebend, 1. Akt   
  
                                
  Jacopo Foscari, angekettet, 2. Akt

 Keine leichte Aufgabe! Er erinnerte im Timbre sogar ein wenig an den jungen José Carreras, ohne jedoch dessen Leichtigkeit in der Höhe zu haben. Es hätte manchmal etwas weniger Druck nicht geschadet, doch überzeugte er durch seinen enormen emotionalen Einsatz und sein dramatisches Spiel.

 Marina Poplavskaya als Lucrezia Foscari, geborene Contarini, setzte nicht unbedingt auf Schöngesang, sondern fesselte durch ihre unglaubliche sängerische und darstellerische Intensität. Da mochte wohl der eine oder andere Ton hart oder scharf klingen, immer aber war er dem Drama angepasst. Jede Silbe des Texts wurde mit Präzision gestaltet, manchmal schon fast gesprochen. Kann sein, dass das weniger „schön“ klingt, wenn man sie nur hört, auf der Bühne jedenfalls war es äußerst packend.

 
Lukrezia bei ihrem ersten Erscheinen

 Den Widersacher Loredano sang mit wohlklingender Stimme und detailliertem Spiel der junge ukrainische Bass Ievgen Orlov.

 
Loredano in Konfrontation mit dem Dogen (2. Akt)

 Barbarigo wurde von Ben Bliss (Domingo-Thornton Young Artist Program) mit hellem Tenor glaubhaft gestaltet.

Mit packender Dramatik und organisch gewählten Tempi setzte Music Director James Conlon die Partitur um und führte schon mit der Ouvertüre in die düstere Welt der Foscari. Chor (Einstudierung Grant Gershon) und Orchester waren in Hochform. Den Sängern war er ein äußerst aufmerksamer Begleiter, der es auch gestattete, spontan zu gestalten.

 Thaddäus Strassberger wartete noch mit einem besonderen Schock am Schluss auf, Details werden hier aber nicht verraten. Schließlich sollen auch die Wiener noch Überraschungen erleben können, wenn die Produktion 2014 ans Theater an der Wien kommt.

 Ein Erfolg auf der ganzen Linie, schon viel Szenenapplaus zwischendurch und großer, langanhaltender Jubel am Ende für Sänger, Dirigenten und Regisseur.

 Alle Fotos: Robert Millard, LA Opera

 Margit Rihl

 

 

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