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LONE RANGER

05.08.2013 | FILM/TV

  

Ab 8. August 2013 in den österreichischen Kinos
LONE RANGER
The Lone Ranger  /  USA  /  2013
Regie: Gore Verbinski
Mit: Johnny Depp, Armie Hammer, Tom Wilkinson, Helena Bonham Carter, Ruth Wilson u.a.

Man braucht über diesen Film bzw. seine Geschichte und Erfolgsgeschichte keine großen Spekulationen anstellen, die Sache ist gelaufen: „The Lone Ranger“ mit einem Produktionsbudget von 250 Millionen Dollar hat sich selbst als kapitaler Flop abqualifiziert. Die amerikanischen Kritiken sind verheerend, nach drei Wochen kamen gerade 85 Millionen herein, der Film wird seine Kosten vermutlich nie einspielen – und Johnny Depp dürfte im Jahr seines 50. Geburtstags seinen Status als einer der höchstbezahlten Stars Hollywoods möglicherweise auch nicht mehr halten können.

Ein großer Teil des Misserfolgs wird ihm in die Schuhe geschoben, und das möglicherweise nicht ganz zu Unrecht. Er hat den Bogen überspannt, heißt es. Tatsächlich ist kaum ein Schauspieler mit so vielen schrägen Rollen auf der Leinwand erschienen – und hatte damit so viel Erfolg. Seinen Captain Jack Sparrow hat er in den letzten zehn Jahren in vier „Fluch der Karibik“-Filmen bis zur Unerträglichkeit grimassierend und blödelnd ausgereizt. In anderen Kassenknüllern hat man ihn lange nicht gesehen. Und nun spielt er als Comanche Tonto mit dauernder Gesichtsbemalung und totem Vogel am Kopf eine seiner weiteren Albernheits-Rollen, die nicht zu geringster Bewunderung Anlass gibt. Und dennoch ist „Lone Ranger“, nicht zuletzt dank der souveränen Regie von Gore Verbinski, der drei der vier „Karibik“-Filme gedreht hat, gar nicht so schlecht ausgefallen. Tatsächlich ist es eine recht witzige Geschichte, wenn auch der andere, echte, „heldenhafte“ Hauptdarsteller in Gestalt von Armie Hammer (so blond, so wacker, so sympathisch und anfangs so kindlich idealistisch) zwar ganz witzig, aber auch nicht die überragende Persönlichkeit ist. Liegt es daran, dass das Publikum nicht auf den Film anspringt?

„Longe Ranger“ gehört dem in Hollywood jüngst vernachlässigten Genre des Western an, der in den Pionierzeiten der Eisenbahn angesiedelt ist: Ein paar Hetzjagden zu Pferd auf rasend rollenden Waggons machen wirklich Spaß. Und wenn man nicht weiß, dass der „Lone Ranger“ eine amerikanische Radio- und Fernsehikone aus den dreißiger bis fünfziger Jahren ist, spielt das keine Rolle – dass ein braver Mann sich eine Maske überstülpt, um anonym als Rachegott zu fungieren, das gibt es auch bei „Zorro“ und ist nirgends glaubwürdig. Muss es auch nicht. Ist ja Kino.

Zu Anfang gibt es eine Rahmenhandlung, etwa in den dreißiger Jahre in einem Wildwest-Museum angesiedelt. Ein kleiner Junge wandert durch die „Lebenden Bilder“ – und siehe da, ein Indianer, der eigentlich eine Wachsfigur sein sollte, erwacht zum Leben. Ehrlich, wüsste man nicht, dass Johnny Depp hinter der Maske steckt, man würde ihn nicht erkennen. Jedenfalls erzählt dieser Indianer Tonto die Geschichte, die man nun in Rückblende betrachten darf.

Da überlebt ein wackerer junger Ranger namens John Reid gerade noch den Überfall eines wahrlich üblen Banditen (William Fichtner), dem sein Bruder zum Opfer gefallen ist. Dass John eigentlich seine Schwägerin (sehr ehrenwert: Ruth Wilson) liebt, bleibt als Handlungselement am Rande. Von Tonto gesund gepflegt, als „Lone Ranger“ (Kennzeichen: weißer Hut) unterwegs, gibt es rund um John Reid für zweieinhalb (!) Stunden nicht allzu viel Handlung, aber immerhin eine Menge Action und viele Pointen, oft beides gemeinsam.

Zwei einprägsame Nebenrollen: ein Eisenbahnbaron (stark besetzt mit Tom Wilkinson), der unsympathischerweise auch die Schwägerin anschwärmt, und eine Bordelldame mit Elfenbein-Bein, aus dem sie schießen kann – Helena Bonham Carter ist ein weibliches Pendant zu Johnny Depp, wenn es um groteske Effekte geht. Da scheut sie ebenso wenig vor jedem Blödsinn zurück wie er.

Immerhin – die Machart. Nie hätte man für möglich gehalten, dass aus Zügen und Pferden so viele Effekte zu holen sind, und es wird ironiegetränkt genug dargeboten, um immer wieder lachen zu machen. Wenn man sich fest vornimmt, sich nicht über Johnny Depps Mätzchen zu ärgern, ist der Film eine unterhaltsame Sache, der Länge ungeachtet. Nicht jeder potentielle Blockbuster dieses Sommers – da hat man schon eine Menge Ödes gesehen!!! – kann das von sich behaupten.

Renate Wagner

 

 

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