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LJUBLJANA: ORFEO ED EURIDICE

16.10.2014 | KRITIKEN, Oper

LJUBLJANA: ORFEO ED EURIDICE  am 16.10.2014 (Helmut Christian Mayer)

Der Vorhang öffnet sich schon während der Ouvertüre: Eine in der Bewegung erstarrte feine Tischgesellschaft in sehr geschmackvollen Kostümen ist sichtbar. Eurydike liegt tot am Tisch, Orpheus hält ihren Kopf, Amor sitzt am anderen Tischende. Der Vorhang schließt sich und öffnet sich kurz darauf wieder. Bis auf Orpheus, Eurydike und Amor in gleicher Position sind alle verschwunden. Dann schließt und öffnet sich der Vorhang wieder. Jetzt fehlt Amor, die beiden anderen bleiben in gleicher Position. Orpheus beginnt seine Eurydike zu beweinen. Der Vorhang schließt wieder und öffnet sich wieder….

Man kann wirklich alles übertreiben. Denn in der Azione teatrale „Orfeo ed Euridice“ von Christoph Willibald Gluck, der heuer seinen 300. Geburtstag feiert, enerviert nicht nur dieses inszenatorisches Highlight der ständigen Bewegungen des Vorhangs sondern es finden sich auch sonst viele weitere, teils schwer erschließbare Merkwürdigkeiten. Denn Jernej Lorenci, der  erstmalig am Haus Regie führt,  zeigt in seiner Inszenierung fast nur statische, meist in der Bewegung erstarrte Bilder. Zugegeben sind diese von einnehmender Ästhetik, was hauptsächlich auf die prachtvollen, in schwarz-weiß gehaltenen Abendroben im Stil des Fin-de-siècle einer feinen Tischgesellschaft zurückzuführen ist. Die Kostüme stammen von Belinda Radulovic, die sparsame Bühne von Branko Hojnik.

Die „eindruckvollste“, ständige Bewegung macht Orpheus, in dem er sitzend mit den Beinen ein winziges Laufband betätigt.  Dies soll offenbar seinen Gang in und aus der Unterwelt symbolisieren. Sonst rührt sich kaum etwas. Nur dass aus nicht erschließbaren Gründen ein Mann dieser Tischgesellschaft langsam und brutal eine Frau erwürgt. Außer dass Amor vor allen Anwesenden einen Beischlaf am Tisch über sich ergehen lassen muss…. Und ein „lieto fine“, ein Happy-End bleibt uns auch versagt, denn letztlich, man wählt eine gekürzte „Wiener Urfassung“ dieser Reformoper aus 1762 mit pausenlosen 75 Minuten, siegt nicht die Liebe, denn Eurydike wird nicht zum zweiten Mal zum Leben erweckt sondern bleibt tot. Und Orpheus altert sichtbar: Er bekommt auf offener Szene einen grauen Bart und einen Stock verpasst und wird auf seinem Laufband immer langsamer…

Dieser Titelheld ist besetzt mit einem Bariton und wird von Joze Vidic mit warmstimmiger Schönheit, aber merkwürdig wenig Empathie gesungen.  Inniger hört man hingegen Martina Zadro in der kleineren Partie der Eurydike. Urska  Arlic Gololicic  singt den Amor rein und flexibel. Gut ausbalanciert ist der Chor des Hauses.

Beim Orchester der Slowenischen Nationaloper unter Jaroslav Kyzlink, dem neuen Chefdirigent des Hauses, der zur Eröffnungspremiere naturgemäß auch gleich am Pult des Orchesters steht, hört man Klänge von großer Eleganz und Stilsicherheit. Man hätte sich jedoch mehr akzentreiche Impulse und mehr Animo gewünscht.

Kurzer Applaus!

 Helmut Christian Mayer

 

 

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