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LINZ/ Musiktheater: GÖTTERDÄMMERUNG

08.02.2015 | Oper

LINZ: GÖTTERDÄMMERUNG. Premiere am 7.2.2015. Den Ring muss ich nicht haben!“

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Foto: Karl Forster für Linzer Landestheater

 Der Ring im Linzer Musiktheater ist vollendet. Im Oktober 2013 begann er mit „Rheingold“, darauf folgte „Die Walküre“ im März 2014, „Siegfried“ kam im November des selben Jahres heraus und jetzt endet der Zyklus mit „Götterdämmerung“.

 Fangen wir mit der positiven Seite des Götterdämmerung-Premierenabends an:

Die Musik:

Dennis Russell Davies führte das Linzer Brucknerorchester mit größter Präzision, wunderbaren (nicht wie sonst zu langsamen) Tempi, sowie herrlichen Klagbögen. Beim „Trauermarsch“ musste man sich die Tränen verkneifen. Allein wegen dieser Leistung müsste man sich diese Götterdämmerung fast ein weiteres Mal anschauen, aber eben nur fast.

 Ein weiterer Pluspunkt waren die Sänger, die überraschenderweise alle wirklich großartig waren. Die größte Überraschung war Elena Nebera, die in der „Walküre“ sowie im „Siegfried“ enttäuscht hatte. Kein störendes Vibrato, schöne Klänge und sichere Höhen, die sie bis zum Schluss dieser sechsstündigen Aufführung locker durchhielt. Auch die Textverständlichkeit war besser geworden. Ebenso Lars Clevemann, der den Siegfried zwar nicht sehr berührend, aber überzeugend anlegte. Der Hagen von Albert Pesendorfer wurde zwar wegen eines grippalen Infekts angesagt, doch merkte man davon kaum etwas. Eine große Bassstimme, die auch in der Höhe genau so stark ist, wie in der Tiefe. Profund der Gunther von Seho Chang. Die eher kleine Rolle der Gutrune war mit Sonja Gornik ebenso stark besetzt, wie der Alberich von Björn Waag. Bernadett Fodor überzeugte durch eine packende, dramatische Stimme als Waltraute sowie als 1. Norn. Die übrigen Nornen waren mit Brit-Tone Müllerz und Karen Robertson exzellent besetzt. Auch die Rheintöchter Woglinde Claudia Braun-Tietje, Wellgunde Gotho Griesmeier und Flosshilde Kathryn Handsaker verführten – fast die ganze Zeit – mit betörenden Stimmen und gehörten somit zum Pluspunkt dieser Aufführung.

 Jetzt zur Inszenierung oder Nicht-Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg. Der 1. Akt ist der Schlimmste. Pures Stehtheater, leere Gänge, keine Anzeichen von Personenführung. Die einzige Idee von ihm ist, dass Siegfried, zum großen Entsetzen des Publikums, Brünnhilde beim Finale 1 vergewaltigt. Doch dieser Regieeinfall ist nicht nur grotesk, sondern auch völlig unlogisch, denn so ergibt die ganze Geschichte des 2. Aktes keinen Sinn mehr. Das sichtlich verstörte Publikum diskutierte die ganze Pause lang oder lief zur Garderobe, so dass sich der Saal merklich lichtete. Der von Georg Leopold und Martin Zeller bestens einstudierte Chor und Extrachor des Landestheaters Linz spielte durchaus überzeugend. Dies lenkt aber trotzdem nicht von der mangelnden Personenregie und den seltsamen Handlungsabläufen ab. Grane kommt im XXL-Format, Hagen mischt Cocktails, Alberich kommt schon im 1. Akt mit Hagens Mutter, was absolut keinen Sinn ergibt, da beide wie Obdachlose aussehen. Im 3. Akt, der übrigens in einer Bar „Zum Rheingold“ spielt, wo die Rheintöchter als Animierdamen in Reizwäsche ihren Spaß haben, gibt es etliche Fragezeichen zwischen Bühnengeschehen und Libretto. Da hilft auch das durchaus brauchbare Bühnenbild von Gisbert Jäkel nichts. Antje Sternbergs Kostüme sind wahrlich eine Folter fürs Auge. Leider werden während allen Zwischenspielen Videos projiziert, die zwar ganz passabel sind, aber willkürlich zusammengewürfelt erscheinen. Dazu trägt aber auch die Projektionsfläche bei, die nur aus einem winzigen Spalt besteht. Die Videos wurden von Falk Sternberg entwickelt. Beim großen Finale wird projiziert, wie New York von Flutwellen zerstört wird und alle Häuser in Flammen aufgehen. Ganz zum Schluss kommt Brünnhilde mit einer veränderten Perücke und blickt mit einem Fernrohr in den kurz beleuchteten Saal.

 Das Publikum feierte Sänger, Chor und Orchester sowie den Dirigenten, der von Einigen mit Standing Ovations begrüßt wurde. Beim Regieteam brach der Applaus deutlich ein. Keine Buhs, keine Bravos.

 Fazit für „Götterdämmerung“: Sänger, Chor, Orchester und Dirigent bieten ein musikalisches Ereignis von Klasse. Doch leider ist die Inszenierung schlicht misslungen. Sie ist simpel, ideenarm und unschlüssig.

 Fazit für den ganzen Ring: Musikalisch durchwachsen. Szenisch ein Flop.

Sebastian Kranner

 

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