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LINZ/Landestheater/Black Box: RUSSALKA von Alexander Dargomyschskij

Wieder Opernrarität in Linz

13.03.2018 | Oper

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Alexander Dargomyschskij

Wieder Opernrarität in Linz: „Russalka“ von Alexander Dargomyschskij (12. 3. 2018 / konzertant)

Im Foyer der BlackBox-Lounge des Musiktheaters Linz fand am 12. 3. 2018 die zweite Vorstellung der neuentwickelten Reihe „Oper am Klavier“ statt. Wieder wurde eine bisher in Österreich unbekannte Oper konzertant aufgeführt: „Russalka“ von Alexander Dargomyschskij.

Der russische Komponist Alexander Dargomyschskij, 1813 in Dargomisch, dem jetzigen Troizkoje, geboren und 1869 in St. Petersburg gestorben, gilt neben Glinka als Vater der nationalen russischen Oper. Durch sein Bemühen um Wahrhaftigkeit wirkte er beispielgebend auf die ihm seit 1856 näher bekannten Mitglieder des „Mächtigen Häufleins“, besonders auf Mussorgskij, Cui und Rimskij-Korsakow, später auch auf Strawinsky. Nach seiner musikalischen Ausbildung in St. Petersburg als Pianist wurde Dargomyschskij Jurist und trat in den Staatsdienst. Für seine Opernkompositionen wurde Glinka das bewunderte Vorbild. 1847 wurde am Bolschoj-Theater seine nach Victor Hugo entstandene Esmeralda aufgeführt, ein Jahr später die Ballettoper Bacchusfeier nach Puschkin. Nach Aufenthalten in Brüssel und Paris entstand in den Jahren 1848 bis 1855 – wieder nach Puschkin – seine Oper Russalka. Im Jahr 1857 formulierte er sein künstlerisches Credo: „Ein routinierter Blick sucht nach dem Ohr gefälligen Melodien […]. Ich will, dass der Ton das Wort ausdrückt. Ich will die Wahrheit.“ Seine Bemühungen um musikdramatische Wahrhaftigkeit fanden ihren Niederschlag in dem unvollendet hinterlassenen Steinernen Gast.

Seine Oper Russalka, deren Libretto Dargomyschskij nach dem Poem von Puschkin selbst verfasste, wurde im Jahr 1856 in St. Petersburg uraufgeführt, später in Berlin, Monte Carlo (mit Schaljapin), San Francisco und in New York gespielt und fand Eingang in das russische Repertoire. Die Handlung in Kurzfassung: Die Müllerstochter Natascha wird von einem Fürsten verführt, aber bald im Stich gelassen, als er sich in eine Adelige verliebt. Natascha geht in den Fluss Dnjepr und herrscht dort über die Nixen. Später beauftragt sie ihre Tochter, den Vater zu holen. Der alte Müller, der inzwischen dem Wahnsinn verfallen ist, stößt den Fürsten in den Fluss.

Der Dramaturg Christoph Blitt moderierte die in russischer Sprache gesungene konzertante Vorstellung, wobei er sehr ausführlich über Alexander Puschkin als den für die russischen Opernkomponisten wichtigsten Literaten referierte. Zwischen den Arien und Duetten erläuterte er die Handlung der Oper. Die musikalische Leitung hatte die südkoreanische Pianistin Jinie Ka inne, die dem ausgewogenen Sängerensemble eine sichere Begleiterin war.

Die Müllerstochter Natascha, die im Laufe der Handlung zur Russalka mutierte, wurde von der jungen deutschen Sopranistin Julia Grüter gesungen, die ihre Rolle mit guter Gestik und Mimik unterstrich. Ihren Vater gab der in Odessa geborene ukrainische Bass Nikolai Galkin mit mächtiger Stimme. Dass sein Russisch von besonderer Eloquenz war, lag auf der Hand. Meine russisch sprechende Begleiterin war jedoch von der hohen sprachlichen Qualität des gesamten Sängerensembles angetan (Sprachcoaching: Mariana Andreev), sogar das 12 Jahre alte Mädchen Magdalena Gruber in der Sprechrolle der Russalotschka agierte sehr wortdeutlich.

Das Fürstenpaar wurde vom ungarischen Tenor Csaba Grünfelder und von der litauischen Mezzosopranistin Vaida Raginskyté gleichfalls exzellent gesungen. Auch in den dramatischen Teilen ihrer schweren Partien konnten sie voll überzeugen. Den Brautwerber gab der deutsche Bariton Justus Seeger mit kerniger Stimme.

Eine Bereicherung der konzertanten Aufführung waren die Videosequenzen, die auf der Leinwand im Rücken des Sängerensembles dem Publikum stimmungsvolle Bilder boten. Auffallend war die erstklassige rollengerechte Kostümierung der Sänger, die bei konzertanten Vorstellungen eher selten zu sehen ist. Sehr elegant wirkten die Gewänder des Fürstenpaares, hübsch das bunte Trachtenkleidchen von Natascha, die später als Russalka schwarzgekleidet sang, in Berufsgewand agierte der Müller, in lockerer Kleidung der Brautwerber.

Das Publikum im Foyer der BlackBox bejubelte am Schluss alle Mitwirkenden mit nicht enden wollendem Beifall. Die Reihe „Oper am Klavier“ mit echten Raritäten hat auch in der zweiten Folge das Publikum voll überzeugt.

Udo Pacolt

 PS: Am 17. März wird nochmals La Esmeralda von Louise Bertin gegeben, im April steht an drei Tagen (7., 11. und 16. 4.) das Singspiel Friederike von Franz Lehár und im Juni (16. und 21. 6.) das geistliche Barockdrama Joseph und seine Brüder von Georg Friedrich Händel auf dem Programm. Die Raritätenliebhaber kommen in Linz jedenfalls auf ihre Rechnung.

 

 

 

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