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LINZ/ Landestheater: AIDA – Eine Sicht auf einen Dauerbrenner des Repertoires

27.04.2022 | Oper in Österreich

Giuseppe Verdi: Aida • Landestheater Linz • Vorstellung: 26.04.2022

(Premiere am 29.12.2021)

Eine interessante Sicht auf einen Dauerbrenner des Repertoire

Die Produktion der «Aida» am Landestheater Linz bietet mit ihrem ungewöhnlichen szenischen Ansatz für jeden Geschmack etwas. Sowohl Kulinarik wie Experimentierfreude werden bestens bedient.

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Foto: Herwig Prammer

Sabine Hartmannshenn hat für ihre Linzer Inszenierung der «Aida» mit der Meta-Oper, der Oper die sich wie Mozarts Schauspieldirektor oder Donizettis «Le convenienze ed inconvenienze teatrali» als Oper selbst reflektiert, einen interessanten und überraschend effektiven Ansatz gewählt. Hartmannshenn hält sich bei der Inszenierung der das ganze Stück umfassenden Aida-Probe eng andas Libretto und kann so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Kulinariker können sich auf das konzentrieren, was vermeintlich essentiell zu einer Aida dazugehört und die Experimentierfreudigen lassen sich darauf ein, welche Auswirkung das Abdriften des Werks ins Private für die Oper hat. Stefan Heinrichs hat die entsprechende Bühne mit Aida-Kulissen und der Infrastruktur von Proberäumen geschaffen. Die Kostüme Erika Kollaths nehmen Probe und Aufführung entsprechend auf. Die Choreographie stammt von Jörn-Felix Alt.

Michael Wagner gibt mit markantem Bass einen mehr als würdigen König. Elena Batoukova-Kerl singt eine tadellose Amneris. Die Überraschung des Abends ist Sonja Šarić als Aida. Sie gibt die Sklavin am ägyptischen Königshof mit wunderbar frei strömendem, farbenreichen und bis in den letzten Winkel des Hauses tragenden Sopran. Jason Kim als Radames beginnt den Abend mit «überhöhter Geschwindigkeit». Bis zum zweiten Akt gewinnt er die Kontrolle über seinen Tenor und dann werden die Momente übermässiger Kraft und nasaler Verschattungen auch weniger. Dominik Nekel gibt einen Ramfis von natürlicher Autorität und Adam Kim einen eindrücklichen Amonasro. Jin Hun Lee und Gotho Griessmeier als Bote und Oberpriesterin. Es tanzen Anna Bárbara Bonatto, Katharina Glas, Urko Fernandez Marzana und Lukas Ruziczka.

Enrico Calesso führt das Bruckner Orchester Linz und den Chor und Extrachor des Landestheaters Linz souverän durch den Abend und die Kollektive begeistern mit leidenschaftlichem Wohlklang.

Eine interessante Sicht auf einen Dauerbrenner des Repertoire.

Weitere Aufführungen: 03.05.2022, 17.05.2022, 14.06.2022, 03.07.2022 und 06.07.2022.

28 04.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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