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LINZ/ Blackbox-Lounge des Musiktheaters: LA ESMARALDA von Louise Bertin. Konzertant

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Louise Bertin nach Victor Mottez

Opernrarität in Linz: „La Esmeralda“ von Louise Bertin (Premiere: 11. 2. 2018 / konzertant)

Das Musiktheater Linz brachte am 11. 2. 2018 in der Blackbox-Lounge im Rahmen der Reihe „Oper am Klavier“ in einer konzertanten Vorstellung die Oper „La Esmeralda“ von Louise Bertin erstmals in Österreich zur Aufführung. Das Libretto des vieraktigen Werks verfasste Victor Hugo nach seinem Roman Notre-Dame de Paris, die Uraufführung der Oper fand im Jahr 1836 in Paris statt, wobei Hector Berlioz die Proben leitete und Franz Liszt den Klavierauszug anfertigte.

Louise-Angelique Bertin, die 1805 in Les Roches geboren wurde und 1877 in Paris verstarb, war seit ihrer Geburt an beiden Beinen gelähmt. Sie wuchs in einem literarischen Milieu auf – ihr Vater war Herausgeber der Zeitung Journal des débats – und beschäftigte sich mit Malerei, Dichtung und Musik. Sie studierte wie Berlioz bei Anton Reicha und brachte bereits mit 20 Jahren ihre erste Oper Guy Mannering zur Aufführung. 1827 folgte die komische Oper Le Loup-garou („Der Werwolf“),1831 am Pariser Théâtre Italien ihre Oper Fausto (nach Goethe) und im Jahr 1836 La Esmeralda.

Die Moderation der Vorstellung im Blackbox-Foyer des Linzer Musiktheaters hatte Christoph Blitt inne, der auch für die Dramaturgie zuständig war. Er berichtete ausführlich über das Leben der französischen Komponistin sowie über die Entstehung des Werks. Zwischen den Musik-Darbietungen erzählte er auch die Geschichte vom missgestalteten Glöckner Quasimodo und der schönen Zigeunerin Esmeralda, in die sich auch Phoebus de Châteaupers, der Anführer der königlichen Wache,  und Claude Frollo, Priester und Schöffe, verliebten und erläuterte den Handlungsverlauf der Oper.

Die musikalische Leitung der konzertanten Vorstellung lag in den Händen des italienischen Pianisten Tommaso Lepore, der sich als idealer Begleiter des Sängerensembles entpuppte, das von der in Linz geborenen Sopranistin Ilia Staple als Esmeralda angeführt wurde. Mit ihrer hohen und sicher geführten Stimme darf sie als Idealbesetzung der Titelrolle angesehen werden. Obwohl es bloß eine konzertante Aufführung war, bemühten sich alle Sänger, ihre Rollen mit Mimik und Gestik auszustatten. Ganz besonders der Tenor Matthäus Schmidlechner als Quasimido, Glöckner von Notre Dame.

Nicht weniger eindrucksvoll der Bariton Till von Orlowsky in der Rolle des Claude Frollo. Der chinesische Tenor Xiaoke Hu, der kurzfristig eingesprungen war und die Rolle des Anführers der königlichen Wache Phoebus de Châteaupers sang, hatte sich den Dank des Publikums redlich verdient und wurde am Schluss der eineinhalbstündigen Vorstellung in französischer Sprache genauso mit lang anhaltendem Applaus bedankt wie alle Mitwirkenden.

 Das Musiktheater Linz hat sich mit dieser „Ausgrabung“ jedenfalls sehr verdient gemacht. Man darf schon jetzt auf die nächste Aufführung im Rahmen der konzertanten Reihe „Oper am Klavier“ gespannt sein: am 12. 3. 2018 wird die Oper „Russalka“ von Alexandr Dargomyschski in russischer Sprache vorgestellt. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass auch dieser russische Komponist das von Victor Hugo für Louise Bertin verfasste Libretto für seine Oper „Esmeralda“ verwendete, die 1847 – also elf Jahre später – in Moskau uraufgeführt wurde.

Udo Pacolt

 

PS: Am 17. 3. 2018 kommt es in Linz zu einer Wiederholung von „La Esmeralda“ von Bertin.