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LIFE

20.09.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover  Life~1

Ab 25. September 2015 in den österreichischen Kinos
LIFE
GB / 2015
Regie: Anton Corbijn
Mit: Robert Pattinson, Dane DeHaan, Ben Kingsley u.a.

Es gibt Fotos, die jeder kennt. Man muss kein James Dean-Fan, nicht einmal ein Filmfan sein, um diese Fotos einmal wahrgenommen zu haben: Ein junger Mann im dunklen Mantel, mit eingezogenen Schultern, gebückt in New Yorks Straßen. Die Zigarette im Mund in einer Bar kauernd. Versonnen an seiner Trommel klopfend. Für die Nachwelt geht es da längst nicht um James Dean allein, sondern um ein Sinnbild einer verlorenen Jugend mitten in der scheinbar so bunten fünfziger Jahre.

Diese Fotos von James Dean, die ihn mit einer Art Trauerrand vom Jugendidol zum Symbol überhöhten, hat der Fotograf Dennis Stock gemacht. Zu einem Zeitpunkt, als noch niemand wusste, was aus diesem James Dean wirklich werden würde. Stock hatte den Instinkt, in dem unangepassten Jungen das Außergewöhnliche zu erkennen. Die Welt wusste es noch nicht.

„Jenseits von Eden“ war abgedreht, aber noch nicht angelaufen, die Rolle in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ für Dean noch ungewiß, und der Starglanz, der sich mit Hilfe von Elizabeth Taylor und Rock Hudson in „Giganten“ über ihn ergießen sollte, noch nicht gedacht. Und noch undenkbarer, dass er mit 24 Jahren tot sein würde.

Und doch – nichts garantiert Legenden- und Mythenbildung nachdrücklicher als ein früher Tod. Man hat in Deans Gestalt später genug hineingeheimnist – mehr, als ein verstörter Junge vom Lande, der ein hoch begabter Schauspieler war, im Leben vielleicht erfüllt hätte. Ein Marlon Brando, der zwar eine lange Karriere bis zu „Apocalypse Now“ und den „Paten“ erleben konnte, aber alt und fett und letztlich uninteressant wurde, strahlt diese Magie nicht aus. Der Todestag von James Dean jährt sich heuer am 30. September zum sechzigsten Mal, er wäre also heute Mitte 80 – und ist doch ewig jung und rätselhaft.

Der Niederländer Anton Corbijn, der in Hollywood einige bessere Action-Movies gedreht hat („The American“ mit George Clooney, „A Most Wanted Man“, der letzte Film von Philip Seymour Hoffman), ist auch ein anerkannter Fotograf. Es hat ihn gereizt, die Geschichte eines Fotografen zu erzählen – ohne Pomp und Aufwand.

Life Dean xxx

Robert Pattinson (man möchte ihn, wenn es nicht zu billig ist, als vampirartig müde bezeichnen) spielt Dennis Stock, den Fotografen, der von Kunst träumt, aber nur Geld verdienen kann, wenn er die Regenbogenpresse mit Starfotos bedient. Er trifft James Dean, der „anders“ ist, klebt sich dem sperrigen jungen Mann auf die Fersen und erreicht, da dieser ja auch nicht völlig weltfremd ist, dass dieser sich von ihm fotografieren lässt – beide denken dabei natürlich nur an ihre jeweilige Karriere.

Aber Stock „stellte“ keine Starfotos. So bewusst er die Kamera führte, so „erwischte“ er Dean doch in seinem Alltag, teils in New York, teils auf der Farm seiner Verwandten, wohin er ausbüchste. Dennoch versucht der Film nicht etwa, sentimental eine Beziehung zwischen zwei Einsamen aufzubauen. Stocks Idee, diesen kommenden „Star“ für eine Fotoserie in „Life“ zu porträtieren (und die Zeitschrift dafür zu interessieren), hätte auch gänzlich schief gehen können. Und wurde doch Foto-Ikonographie…

Daneben erlebt man die parallelen Geschichten der beiden – weniger interessant, weil abgegriffen, die Probleme des Fotografen mit der geschiedenen Frau und dem kleinen Sohn, interessanter jene von James Dean, den der gewaltige Studioboß Jack Warner (eine kurze, aber starke Rolle für Ben Kingsley) zu einem Wohlverhalten „zähmen“ will, das von Dean nicht zu bekommen war.

Dane DeHaan spielt den jungen Jimmy, mit Brille, leicht verbogener Körpersprache, oft dem Original annähernd ähnlich scheinend – und ist es doch nicht wirklich. Denn gerade Stocks Fotos zeigen, dass der originale Dean bei aller Jugend nicht annähernd so kindlich weich wirkte, wie er hier erscheint, und wo DeHaan sich einfach launenhaft gibt, strahlen die Bilder jenes störrische Wesen aus, das man auch von James Dean auf der Leinwand kennt.

So ganz ideal ist der Film letztlich doch nicht geworden, wenn er auch viel über die Zwänge der Berufswelt erzählt und von der Notwendigkeit der Jungen, sich anzupassen oder im Protest darüber hinwegzuschreiten. Dennis Stock, der erst vor fünf Jahren starb, hat noch Karriere bei „Magnum“ gemacht. Aber nichts außer seine Fotos von James Dean sorgen für seinen Nachruhm.

Renate Wagner

 

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