Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

LEONBERG/ Stadthalle: VERLEIHUNG DES JUGENDMUSIKPREISES – „Triumph der akustischen Einheit“

Verleihung des Jugendmusikpreises in der Leonberger Stadthalle: TRIUMPH DER AKUSTISCHEN EINHEIT

Begeisterndes Konzert zur Verleihung des Leonberger Jugendmusikpreises „Orpheus“ in der Stadthalle/LEONBERG5.11.2014

Gestiftet von Institutionen wie der Berthold Leibinger Stiftung, der Volksbank Leonberg sowie den Firmen Bosch und Lewa ging die mittlerweile vierte Verleihung des Leonberger Jugendmusikpreises „Orpheus“ am Mittwoch abend äusserst erfolgreich über die Bühne. Der erste Vorsitzende des Fördervereins, Hajo Kullmann, konnte die begehrte Trophäe an die beiden musikalischen Ausnahmetalente Florian Helbich (Posaune) und Teresa Nann (Klavier) überreichen. Gerade Teresa Nann ist wirklich ein Multitalent, denn sie war auch als Oboistin bei „Jugend musiziert“ so erfolgreich, dass sie einen ersten Bundespreis mit 25 Punkten erhielt. Die beiden harmonierten bei Felix-Alexandre Guilmants Morceau Symphonique op. 88 für Posaune und Klavier in ausgezeichneter Weise zusammen. Denn die thematische Vielfalt und der kontrapunktische Zauber dieser elektrisierenden Komposition gingen bei der facettenreichen Wiedergabe nirgends verloren. Guilmant gab übrigens ältere französische Orgelmeister heraus. Seine eigenen Kompositionen wurden aufgrund der einfallsreichen Satzkünste sehr geschätzt. Die beiden jungen Musiker arbeiteten die klassizistischen Anklänge an Charles-Marie Widor oder Camille Saint-Saens sehr gut und transparent heraus. Vor allem die keimzellenartige Entwicklung der einzelnen Motive ließ insbesondere Florian Helbich auf der Posaune mit großem Klangfarbenreichtum erklingen. Dynamische Steigerungen entfalteten so enorme Kraft, denn auch Teresa Nann begleitete ihn einfühlsam. Als Zugabe war dann noch ausschnittweise die Sonate für Posaune und Klavier in F von Paul Hindemith zu hören, deren derber harmonischer Humor perfekt akzentuiert wurde. Seit 2008 spielen Teresa Nann und Floran Helbich zusammen und nehmen seit 2009 regelmäßig am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil. 2013 erhielten sie in Rostock den Sonderpreis der Hindemith-Stiftung „Klassische Moderne“. Helbichs Wahlspruch lautet: „Entweder Posaune wie der Papa oder gar nichts!“ Zuvor überzeugten die beiden erfolgreichen „Jugend musiziert“-Preisträgerinnen Kathrin Scheungraber (Violine) und Hanna Breuer (Viola) bei Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante in Es-Dur KV 364. Wie gut es Mozart hier gelang, das aus dem Barock übernommene Prinzip von Concertino und Concerto grosso mit der Struktur der Sinfonie zu verschmelzen, machten die beiden Künstlerinnen zusammen mit dem hervorragenden Landesjugendorchester Baden-Württemberg unter der temperamentvollen Leitung des „alten Leonbergers“ Hannes Krämer deutlich, der das Ensemble immer fest im Griff hatte. Im Formalen und Thematischen war diese Interpretation ein wahrer Glücksfall – und auch die Bewältigung des Doppelwesens gelang den beiden jungen Musikerinnen vorzüglich. Sie konnten sich immer weiter steigern. Mit achtsamer Geschmeidigkeit nahmen sie jede zarteste Einzelheit auf, führten elastisch und erfrischend den Dialog mit dem Orchester und achteten insbesondere auf den konzertierenden Charakter der instrumentalen Feinheiten. Dunkel und weich erklang das Orchesterbett, zwei Oboen und Hörner traten zu den Streichern, deren Leuchtkraft doppelt besetzte Bratschen dämpften. Die „Zauberflöten“-Tonart Es-Dur gab dem Dunkel eine gewisse Feierlichkeit, die die beiden Musikerinnen mit großer Reife betonten. Elastische Energie beherrschte deswegen das machtvoll einsetzende Kopfthema des Allegro maestoso, und der leise Schmerz des Seitenthemas erfuhr rasch eine Aufhellung. Das schöne Wechselgespräch der Solistinnen breitete sich ansprechend aus. Als schlicht-ergreifende Klage hob dann das Andante an, bis die Solistinnen die Melodie zusammen mit dem nuancenreichen Landesjugendorchester Baden-Württemberg unter der Leitung von Hannes Krämer gleichsam durchsichtig machten und nun erst ihre bestürzende schmerzliche Tiefe enthüllten. Die bewegenden Klangbilder Mozarts nahmen so Gestalt an. Das Schluss-Presto wurde übermütig-heiter gestaltet. Feine und verschmitzte Überraschungen erfreuten hier die Ohren der Zuhörer. Ein weiterer Höhepunkt des vom Publikum gefeierten Preisträgerkonzerts war die ausgezeichnete Wiedegabe von Antonin Dvoraks Sinfonie Nr. 8 in G-Dur op. 88, die zuweilen trotz der slawischen Melodik auch als die „Englische“ bezeichnet wird. Das Landesjugendorchester Baden-Württemberg bewies unter der feurig-ungestümen Leitung von Hannes Krämer, dass dieses Werk keineswegs hinter der neunten Dvorak-Sinfonie „Aus der neuen Welt“ zurückstehen muss. Der beneidenswerte Reichtum der Einfälle kam dabei mitreissend zum Vorschein, Hannes Krämer heizte die orchestrale Stimmung bis zum Siedepunkt an. So ergab sich ein Triumph der akustischen Einheit, wie man ihn selten erlebt. Temperament, Tremolo-Stimmungen und gegensätzliche Klangschönheiten wuchsen zum berührenden Kosmos zusammen. Themengruppe häufte sich auf Themengruppe, wobei das G-Dur-Motiv der Flöte wie eine Vogelstimme wirkte. Der balladenhafte Grundzug, der hier das sinfonische Prinzip etwas zurückdrängt, kam nicht zu kurz. Vor allem die Melancholie des Adagio-Satzes stach eindringlich hervor. So entstand eine eigenartige und stimmungsvolle Schönheit, die alle Zuhörer berührte. Zuletzt konnte sich das tanzfrohe Nationaltemperament in grandios-rasanter Weise durchsetzen. Coda und Stretta nach dem Fanfaren-Einsatz zeigten das Landesjugendorchester in Bestform. Dem Jubel folgte als Zugabe „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauß. Diese Schnell-Polka riss dann alle von den Sitzen. Johannes Kares gestaltete übrigens den „Leonberger Orpheus“, der den Preisträgern des Jugendmusikpreises 2014 überreicht wurde. Michael Schönpflug fertigte das gelungene „Bühnenbild“ für den Jugendmusikpreis an. Beide Preisträger stammen aus Tuttlingen und gehen dort ins Immanuel-Kant-Gymnasium.

 Alexander Walther

 

Diese Seite drucken