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LEIPZIG: MEHR PLATZ FÜR DIE THOMANER

Leipzig: Mehr Platz für die Thomaner, 30.06.2013

von Ursula Wiegand

Das neue Alumnat der Thomaner wurde kürzlich nach zweijährigem Umbau und der erforderlichen Erweiterung fertig gestellt, von den Knaben bezogen und feierlich eingeweiht.


Alumnat der Thomaner mit dem Anbau. Foto: Ursula Wiegand

Der 4.600 qm große Komplex bietet nun Raum für künftig 120 Jungen, und alle haben nun mehr Platz als im früheren Gebäude. Auch die neue Bleibe nennen die Thomaner ihren „Kasten“. Den lieben sie und freuen sich über die moderne helle Mensa, den neuen großen Probensaal und ihre geräumigeren Zimmer.


Alumnat, die neue Mensa. Foto: Ursula Wiegand

Am 17. Juni, am „forum thomanum –Tag“, konnten wir Bachfest-Besucher nach dem Gottesdienst in der Lutherkirche das Alumnat in Augenschein nehmen. Auch die Zimmer standen offen. Das Mobiliar: Bett, Schreibtisch, Stuhl, Schrankraum – das ist es im Wesentlichen. Von „Luxus“ kann keine Rede sein.


Alumnat, Schreibtisch eines Thomaners. Foto: Ursula Wiegand

Jeder richtet sich sein Umfeld nach eigenen Vorstellungen ein. Eine Tüte Chips, leere Softdrinkflaschen, ein Heft und ein Familienfoto bevölkern einen der Tische. Eine schwarze Decke mit einem Totenkopf ziert ein Bett, eine blau-weiße mit US-Fähnchen ein anderes. Gut, dass man den Thomanern, die soviel an Einsatz und Gemeinschaftsgeist aufbringen müssen, solche Freiräume gestattet. Sie sollen sich im „Kasten“ heimisch fühlen, und das ist offenbar der Fall.

Im neuen Probensaal geben sie den Gästen sogleich eine Probe ihres Könnens, haben aber Überraschungen parat. Sie singen und spielen an diesem Vormittag keine Bachkantaten und trau’n sich was.


Thomaner Paul Bernewitz am Piano. Foto: Ursula Wiegand

So variiert Paul Bernewitz (Piano) Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“, während das Ensemble Fimmadur mit viel Charme u.a. den Song von der Powerfrau bringt.


Thomaner, Ensemble Fimmadur. Foto: Ursula Wiegand

Friedrich Hamel singt, am Klavier von Paul Vogel begleitet, Georg Kreislers Lied „Frau Schmidt“. Johannes Gründel und Friedrich Praitorius lassen vierhändig Sonatenteile von Francis Poulenc hören, um nur einige zu nennen.

Kräftigen Applaus erntet auch das atonale „Something larger“, komponiert vom Ex-Thomaner Mathias Monrad Möller am Piano.


Komponist Mathias Monrad Möller am Piano. Foto: Ursula Wiegand

Der studiert inzwischen Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und hat die Musik zum Beruf erwählt. Würde er, wenn er die Wahl hätte, nochmals Thomaner sein wollen? „Auf alle Fälle,“ lautet die prompte Antwort.

Denn neben der anspruchsvollen Ausbildung, der Gottesdienstgestaltung und den zahlreichen Auftritten gibt es immer wieder herausragende Erlebnisse, die die Jungs vermutlich nie vergessen werden. So ihr Konzert am 28. Juni 2013 in der Sixtinischen Kapelle und tagsdarauf im Petersdom. Diese Einladung hatte schon der zurückgetretene Papst Benedikt XVI ausgesprochen, sein Nachfolger Papst Franziskus erneuerte sie.

Gemeinsam mit der „Capella Sistina“, dem Päpstlichen Chor der Sixtinischen Kapelle, der Anfang Juni in Leipzig und Dresden gastierte, haben sie nun – laut MDR Kultur – unter der Leitung von Thomaskantor Georg Christoph Biller Bachs Werke erklingen lassen.

Am 29. Juni, dem Hochfest Peter und Paul, sangen beide Chöre auch während der Messe im Petersdom, ein Novum für den Chor der evangelischen Thomaskirche. Wie MDR Kultur anschließend berichtete, sagte Papst Franziskus während dieser Messe: „Ein besonderer Dank gilt dem Thomanerchor. Die Thomaner gestalten die heutige Liturgie mit und stellen somit eine weitere ökumenische Präsenz dar.“

Ursula Wiegand

 

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