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LECH am Arlberg: „LECH CLASSIC FESTIVAL – Freude schöner Götterfunken“ „zauberhafter Abschluss des Beethoven-Fests“

09.08.2021 | Konzert/Liederabende

Lech am Arlberg: „LECH CLASSIC FESTIVAL – Freude schöner Götterfunken“

„zauberhafter Abschluss des Beethoven-Fests“ 8.8.2021

 Auch am sechsten Lecher Klassik-Abend im Zeichen Ludwig van Beethovens steht wieder ein vielfältiges und kontrastreiches Programm am Spielplan. Bei der Romanze für Klavier, Flöte, Fagott und Orchester e-moll WoO 207 zeigt sich wieder die gute Solistenfähigkeit der Teilnehmer des Lech Festival Orchester. Sowohl Olivera Milovanovic an der Querflöte als auch Christian Walcher am Fagott können brillieren. Diese ungewöhnliche Instrument-Kombination wird zusätzlich von der in Serbien geborenen Österreicherin Jasminka Stančul am Klavier ergänzt. So kann die kurze, langsam gespielte „Romance cantabile“ (16-jährig noch in Bonn im Jahr 1886 komponiert) dem aufmerksamen Publikum im ausverkauften Konzertsaal intensiv nähergebracht werden.

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Eine einfühlsame Jasminka Stančul mit viel Verständnis für Beethovens Musik. Foto: Susanne Lukas

Danach folgt das 1. Klavierkonzert mit Orchester C-Dur op.15, das mit herrlichen piani eingeleitet wird und mit einfach klingender Klangkultur und prägendem Rhythmus besticht. Technisch kunstvolle Variationen werden von Stančul schnell und leicht gebracht. Im 2. Satz Largo gelingt ein schwärmerisches Zusammenspiel zwischen Klavier und Orchester, während der folgende Satz allegro scherzando mit einem dynamischen, lebendigen Start punktet. Die leidenschaftliche Interpretin kann zuletzt mit viel Witz, Esprit und schelmischen Augenzwinkern die Möglichkeit nutzen, zu begeistern und festliche Stimmung zu erzeugen.

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Jasminka Stančul wird zurecht in Lech gefeiert – mit Maestro Michael Güttler. Foto: Susanne Lukas

Nach der Pause erlebt man eine innige Interpretation mit genug Vitalität bei der „Chorfantasie“ mit Klavier, Chor und Orchester in c-Moll op. 80. Mit kräftigem Anschlag und harten, schweren Akkorden beginnt die Klavierspielerin bis die beiden Kontrabässe in den Dialog eintreten. Mit starker Ausdruckskraft beweist sie in Folge ihre große Hingabe zum Komponisten. Nach etwa 12 Minuten setzten zuerst die weiblichen, dann auch die männlichen Chorstimmen harmonisch ein. Musikalisch gelingt mit konzentrierter Symphonik eine Annäherung an die folgende 9. Sinfonie.

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 Leah Gordon (Sopran), Martina Gmeinder (Alt), Dirigent Michael Güttler, Ferdinand von Bothmer (Tenor) und Levente Páll (Bass). Foto: Susanne Lukas

Als finaler Programmpunkt wird der weltberühmte 4. Satz „Ode an die Freude“ d-moll op. 125 dargeboten. Der für KS Ain Anger kurzfristig eingesprungene Bass Levente Páll beginnt freudig und mit wohlklingender, voluminöser Tiefe. Der Ungar singt derzeit den Sparafucile bei den Bregenzer Festspielen und ist zwischendurch in Lech eine willkommene Bereicherung. Als weiterer Solisten ergänzt daraufhin der Tenor Ferdinand von Bothmer. Die Vorarlberger Altistin Martina Gmeinder gibt stimmlich alles und Sopranistin Leah Gordons Höhe schwillt sehr schön an. Man bemerkt, dass das Orchester unter dem erfahrenen Michael Güttler nach einer Woche gut eingespielt ist und auch der Chor unter der Einstudierung von Johann Pichler trägt zur musikalischen Botschaft der „Menschenverbrüderung“ bei.

Nach etwa 2 Stunden wird die engagierte Veranstalterin des Lech Classic Festivals, Marlies Wagner, auf die Bühne gebeten und so wie alle Künstler herzlich gefeiert. 30 Orchestermitglieder, das 26-köpfige Chorensemble und 15 Solisten schaffen es mit dem Dirigenten, an 7 Abenden Beethoven mit allen 5. Klavierkonzerten, Sätze der 1./3./5./7./9. Sinfonien, das Violine- und Tripelkonzert, Briefe und Grabrede des genialen Komponisten und große Oper zu bringen. Wenn man eine Woche am Festival (inklusive Proben und abendlichen, privaten Hotelkonzerten im kleinen Rahmen) teilnimmt, bemerkt man, mit wieviel Liebe, Improvisationstalent und großem Einsatz die Musiker und Veranstalter in Lech am Werk sind. Der ganze Ort ist mit ganzem Herzen dabei, sei es als Teil der Trachtenkapelle, mit hochwertiger Kulinarik, als immer bemühte, familiäre Hoteliers oder als begeisterungsfähiges Publikum. Eine beglückende Woche Ludwig van Beethoven Geist geht leider zu Ende – man darf sich auf das nächste Jahr freuen.

Susanne Lukas

 

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