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LAUSANNE: FALSTAFF

01.04.2012 | KRITIKEN, Oper

Falstaff an der Opera de Lausanne am 28. März 2012


Foto: Oper Lausanne

 Endlich ist es geschafft! Nach fünf Jahren Bautätigkeit und „hors les mur“ wie man so schön auf französisch sagt, geht die Opera de Lausanne, ab der nächsten Spielzeit, zurück in das neurenovierte Stammhaus, dem Théâtre Municipale. Langwierige Einsprachen und verzögernde Bauarbeiten haben eine Rückkehr erschert, welche aber überwunden werden konnten.

Die neue Spielzeit 2012/2013 ist auch bereits schon publiziert und man kann sich darauf freuen. Lausanne bringt einen Spielplan der sich national wie international sehen lässt. Eric Vigié ist ein hervorragender Kenner der Oper und hat ein ganz tolles Programm zusammengestellt, mit renommierten Künstlern aus aller Welt.

 http://www.opera-lausanne.ch/fr/spectacles/saison-2012-2013.html

 Nun zu Falstaff! Ein Irrenhaus. Wenn aufgekratzte Hausfrauen auf Männer mit Testosteronüberschüssen treffen, einige davon verheiratet sind, kann das zu chaotischen Zuständen führen. So geschehen! Immerhin gilt ja die Schlussformel „Alles ist Spass auf Erden“.

 Überwiegend romantisch und unterhaltsam komisch geht es zu und her in dieser farbenfrohen Produktion die vom Teatro di San Carlo in Neapel übernommen wurde. Man wird diesen Falstaff noch lange im Gedächtnis behalten, gerade wegen der amüsanten Bilder und dekorativer Elemente. Die Bühnenbilder sind sehr klassisch angeordnet und die Kostüme opulent und der Entstehungszeit entsprechend gefertigt.

 In Roberto Frontali erlebt man einen genialen Falstaff. Imposant in seiner Statur, dickleibig, charmant und überaus beweglich. Sein Bariton ist kernig, trumpfte gerne auch einmal auf und verhalf so der Titelfigur Lebensmaximen zu gehörigem Nachdruck.

 Gelungen stellte sich das Ensemble der Frauenstimmen dar: Nicole Heaston gab die Alice mit einem leuchtkräftigen Sopran und wunderbar gelungenen Aufschwüngen in die Höhe, Kendall Gladen legte als Meg eine flexibel und berückende Darstellung.

 Die Mrs. Quickly Ann McMahon Quintero profilierte sich mit festem, klar fokussiertem, komödiantisch variierten Mezzo und war in bester Spiellaune. Die Nannetta verlieh Angela Kerrison eine berührende Zartheit. Anton Figueroa’s, etwas blasser in der Höhe schwacher Tenor, bildete eine ausnahmslose Unzufriedenheit. In Sebastian Catana war ein Ford von schöner baritonaler  Rundung und gelungener Resonanz zu hören.

 Der Dirigent Nir Kabaretti fand mit dem Orchestre de Chambre de Lausanne zu einem satten Klangbild mit dunklen Farben, gelungenen Tempi und viel Virtuosität.

 Ein ungetrübter Beifall für einen höchst eindrücklichen Opernabend!

Marcel Paolino

 

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