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LADY VEGAS

07.08.2012 | FILM/TV

Ab 10. August 2012 in den österreichischen Kinos
LADY VEGAS
Lay the Favorite / USA  / 2012
Regie: Stephen Frears
Mit: Rebecca Hall, Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson u.a.

Es gibt allerlei Wege, Geld zu verdienen, mit dem Körper, mit dem Kopf. Das ist die wahre Geschichte von Beth Raymer, deren ziemlich außergewöhnliche Lebensgeschichte in ihren Memoiren („Lay the Favorite: A Memoir of Gambling“) in den USA zum Bestseller wurde. Und nun zu einem Film, der den Alltag von Las Vegas einmal von der anderen Seite aufrollt – unspektakulärer als die Glitzerwelt der Casinos, aber mit einem glaubhaften Einblick, was in den kleinen Büros vorgeht. Um Geld geht es natürlich auch hier.

Eigentlich wollte Beth Raymer den einfachen Weg gehen: In Florida als Billigstripperin in Privathaushalten, wo sie vor Lustmolchen und Geilspechten die Hüllen fallen ließ – keine Draufgaben der anderen Art. Als dies zunehmend zu unangenehmen Erfahrungen führte, beschloss sie einen Wechsel. Eigentlich hoffte sie in Las Vegas auf nicht mehr als einen Kellnerinnen-Job mit lukrativen Trinkgeldern. Aber es kam anders…

Es ist Englands Filmemacher Stephen Frears, der seltsam nüchtern, also ohne große Geste, aber umso überzeugender auf die Leinwand brachte, was nun geschah: In Vegas vermittelt sie eine Bekannte in ein Wettbüro – eine kleine Quetsche nur, an deren Wand ununterbrochen zahllose Fernsehmonitore mit Pferderennen und anderen Sportveranstaltungen laufen. Und Dink Heimowitz sowie seine Kollegen (gelungen, weil solche Durchschnittstypen: Joel Murray als Darren und Frank Grillo als Frankie, gelassen in jeder Lebenslage) nehmen die Wetten telefonisch entgegen. Beth soll einfach das Telefon beantworten. Aber sie hat – was sie hier offenbar selbst erst in diesem Ausmaß merkt – genau das, was man für diesen Beruf braucht: ein phänomenales Gedächtnis für Zahlen und deren Zusammenhänge. Ihrer Karriere in der Wettbranche steht nichts entgegen…

Oder doch. Denn es ist eine realistische Komödie: eine Ehefrau, die am Rande ihrer nicht mehr besten Jahre wandert und sich nur mit Schönheitsoperationen vom Umkippen ins Alter retten kann, ist über das  Frischfleisch im Büro nicht begeistert. Zumal ihr Mann zwar ein anständiger Kerl ist, aber hetero genug, um einer jungen Frau, die absolut willig wäre, nicht viel Widerstand zu leisten.

Da wird die Wettgeschichte zur Dreieckskomödie, und da haben zwei Oldies geradezu brillante Rollen: Bruce Willis wirkt zwar nicht annähernd so jüdisch, wie sein Name es unterstellt, aber er ist ein idealer, geschickter und, wie gesagt, nicht unanständiger Kleinhändler im Rahmen des großen Geldes. Willis kann nicht nur hart sterben (natürlich wird man ihn immer und ewig zuerst als

John McClane in Erinnerung behalten), er pinselt auch den witzigen, zynischen Durchschnittsmann. Bemerkenswert. Und Catherine Zeta-Jones, die auch schon bei anderen Gelegenheiten (zuletzt in „Rock of Ages“) gezeigt hat, dass man auch in Nebenrollen unübersehbar in einen Film eingreifen kann, gibt die künstliche Vegas-Ehefrau mit ihren ganz natürlichen Gefühlen ebenso brillant. Das ist hohes Schauspielerkino – kein Wunder, Fears ist ja auch ein Schauspieler-Regisseur. Darum überzeugt auch Vince Vaughn als „Rosie“ als andere Seite der Wettszenen-Medaille: der kreischende Hektiker aus der Klischeeschachtel. Die gibt es natürlich auch. Und klar, dass er Beth schnappt, als sie bei Dink gehen muss… Die Funktion des sehr sympathischen Joshua Jackson in diesem Film besteht darin, als Beths kurzzeitiger Freund zu zeigen, dass Außenseiter in dieser Welt keine private Chance haben: Vegas frisst sie alle.

Hauptdarstellerin Rebecca Hall hat sehr berühmte Eltern – ihr Vater ist der in England in Film, Theaterbühne, Oper gleich geschätzte Regisseur Peter Hall, ihre Mutter die exzeptionelle Sängerin Maria Ewing (der sie auch ein wenig ähnlich sieht). Rebecca Hall ist ein wunderbar „normaler“, intelligenter Typ (solcherart hat Woody Allen sie auch an der Seite von Scarlett Johansson in „Vicky Cristina Barcelona“ eingesetzt) und trägt gerade mit dieser Eigenschaft den Film. Der im Kino sitzende Normalmensch, der mit Ach und Krach die Mathematik-Matura geschafft hat, um sich mit diesem Fach nie mehr auseinander zu setzen (vielleicht ist darum immer so wenig Geld im Börsel), wird gar nicht begreifen, was da auf der Leinwand „wettend“ alles passiert, aber er wird wetten, dass es genau so zugeht. Rebecca Hall hingegen traut man das Köpfchen zu, dass sie immer den Überblick behält. Und dass diese Beth nicht nur voll in das Milieu eintaucht, sondern es auch beherrscht…

Es ist ein Las Vegas Film der anderen Art. Ein sehr intelligenter. Sehr interessanter. Sehr amüsanter. Sehr gut gespielter.

Renate Wagner

 

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