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KREMS / Kunsthalle: WUNDER

10.05.2012 | Allgemein, Ausstellungen

KREMS / Kunsthalle: 
WUNDER
KUNST, WISSENSCHAFT UND RELIGION
Vom 4. März 2012 bis zum 1. Juli 201

Für ungläubige Thomasse

„Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind“, wusste schon Goethe, und selbst in gnadenlos nüchternen Zeiten haben “Wunder“ nichts von ihrer irritierenden Faszination verloren. Man könnte das Thema rein historisch aufbereiten, aber in der Kunsthalle Krems geht man es (in Cooperation mit den Deichtorhallen Hamburg, wo die Ausstellung schon gelaufen ist) anders an. Da koexistieren in verwirrender Fülle Werke moderner Kunst, dokumentarische Fotos, Objekte der Vergangenheit. Und da wird der Begriff des „Wunders“ weit gefasst – ob Zaubern, ob Staunen, es ist als Aspekt einbezogen.

Von Heiner Wesemann

Der ungläubige Thomas    Bei Caravaggio (man hat das Bild in einer Kopie aus seiner Werkstatt aus der Alten Pinakothek nach Krems gebracht) legt Thomas seinen Finger in die Wunde an Jesu’ Brust: Er kann das Wunder der Auferstehung nicht glauben. Üblicherweise betrachtet man Wunder in religiösem Konnex. Auch dies wird hier thematisiert, man sieht das Grabtuch von Turin, allerdings kein originales Fetzchen, sondern in einem Bildband mit den amtlichen Lichtbildern von 1939. Der Zweifel vieler Betrachter ist immer dabei… Und dass Wunder auch schlicht Betrug sein kann: Bestens präparierte „weinende Madonnen“ beweisen es. Und doch: Helmut und Johanna Kandl zeigen in „O Maria Hilf“ etwa Fotos aus Medjugorje – gläubige, glaubende Menschen.

   Caravaggio

Künstler antworten    Es ist, wie gesagt, nur im geringen Ausmaß eine Dokumentation, die man hier erlebt, wenn es auch „klassische“ Objekte gibt, die mit Wunder – und Magie – zu tun haben wie etwa ein afrikanischer Nagel-Fetisch. Zu Wort kommen in hohem Maße die modernen Künstler (Yoko Ono erschien sogar zur Eröffnung der Ausstellung, allerdings nur für ein paar Minuten.). Dabei sind zahlreiche Videos zu sehen, die das Interesse des Publikums fesseln, sehr viele Installationen. Was die Sprache oft nicht ausdrücken kann, schaffen Künstler mit nonverbalen Werken, die sich ins Unterbewusstsein des Betrachters bohren. Amorphe Strukturen von Franz West lehren in ihrer Unerklärbarkeit das Staunen, Ernst Wurms „Mind Bubble“, rund und teils rot, denkt darüber nach, wie Gedanken aussehen könnten. Der „Eurasienstab“ von Joseph Beuys – eigentlich sind es vier Eisen-Elemente – lehnt an der Wand und war vom Künstler als Akt des Schamanismus gedacht.

  Ernst Wurm

Wunderwaffe Zeitgeist   Goethe schrieb den „Zauberlehrling“ und schenkte seinem Enkel einen Zauberkasten (mit seinen Karten, Figürchen, Spulen in der Ausstellung zu betrachten). Die ewige Lust am Zaubern –  darum ist Harry Potter letztlich so berühmt geworden. Weil er – das moderne Wort dafür ist allerdings „Fantasy“ – das Wunderbare beschwört und dies seine Wirkung nie verfehlt. Immerhin sind die Zauberstäbe seiner Welt Objekte, über die man lächelt. Wie auch über Uri Geller, der sich mit seinen Tricks in diese Ausstellung verirrt hat. Wirklich Tricks? Eine ganze Wand mit zustimmenden Kommentaren berichtet, dass die Ratschläge des Gabel-Verbiegers, wie man kaputte Uhren wieder zum Laufen bekommen kann, von vielen Leuten dankbar und erfolgreich umgesetzt wurden. Ein Wunder? Die Ausstellung geht auch Phänomenen nach, die man unter PSI einreiht und die dringlich wissenschaftlich erforscht werden – was hat es mit der „Aura“ des Menschen auf sich, was mit dem Ektoplasma, das 1913 aus dem Menschen „fließend“ fotografiert wurde?

Das Staunen der besonderen Art    Diese Ausstellung wird jeden Besucher anders herausfordern, wird jeden anders seinerseits staunen machen. Der Film, der zeigt, wie blinde Menschen tastend versuchen, einen Elefanten  zu begreifen, geht unter die Haut – und man wird sich der Idee anschließen, dergleichen als „Wunder“ zu begreifen. Es ist, wie gesagt, eine mehr als vielschichtige Sache. Freilich, wenn die Kuratoren den Skianzug von Hermann Maier ausstellen, wo er in Nagano stürzte und dann doch siegte – dann ist der Begriff schon recht säkularisiert…  

Bis 1. Juli .2012; Täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr 
Kunsthalle Krems, Franz-Zeller Platz 3, 3500 Krems
www.kunsthalle.at

 

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