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KREMS / Forum Frohner: IM BLAUEN DUNST

15.05.2012 | Allgemein, Ausstellungen

  Kiki Kogelnik (Fotos Wesemann)

KREMS / Kunsthalle – Forum Frohner: 
IM BLAUEN DUNST
TABAK IN DER KUNST
Vom 13. Mai 2012 bis zum 30. September 2012 

Politisch unkorrekt – aber verführerisch

 Als das Wiener Tabak Museum seine Pforten schloss, gingen Gerüchte, dass die dort beheimatete, sensationelle Sammlung von Objekten verkauft und zerstreut werden würde. Offenbar war dem nicht so. Wo sie exakt gelandet ist, war zwar nicht herauszubekommen, aber Tatsache ist, dass die Kunsthalle Krems in ihrer Dependance, dem Forum Frohner, dem „Tabak in der Kunst“ unter dem Titel „Im blauen Dunst“ eine Ausstellung widmet, beweist, dass es noch viele der luxuriösen Objekte gibt – angereichert mit Gemälden, die das Rauchen thematisieren.

Von Heiner Wesemann

Gerade in Krems    Die Stadt Krems ist ohne Tabak nicht zu denken, hier befanden sich zahlreiche Tabakfabriken, und tatsächlich befindet sich die heutige Kunsthalle in dem umgebauten und umgewidmeten Gebäude der 1852 gegründeten, später still gelegten Tabakfabrik Krems – gewissermaßen befindet man sich auf den Spuren der eigenen Geschichte. Und dass das „verpönte“ Thema seinen eigenes Flair hat, das hat Kuratorin Sabine Fellner mühelos umgesetzt. Der Reiz, den das Rauchen immer ausgeübt hat, ist in dem Saal des Frohner Forums überall zu spüren…

Heute zwar verpönt…   Bedenkt man die Angriffe von öffentlicher Seite, die es in den letzten Jahren gegeben hat, um dem Rauchen völlig garaus zu machen (vergeblich selbstverständlich), dem ist klar, dass man es mit einer nach derzeitigem Verständnis politisch völlig „unkorrekten“ Tätigkeit zu tun hat. Diese auch noch zu verherrlichen? Allerdings gibt es eine mehr als 400jährige Geschichte des Tabaks, die man weder wegwischen kann noch soll, ist sie doch kulturhistorisch von höchstem Interesse.

Anfangs als Medizin…    Das Nikotin, das nach dem französischen Diplomaten Jean Nicot benannt ist, der Mitte des 16. Jahrhunderts Tabak als „Heilpflanze“ in Frankreich einführte, wurde in Salben, Tee, Aufguss, ja sogar im Klistier zu Heilzwecken eingesetzt. Man war beispielsweise der Meinung, Tabakklistiere könnten Leute, die halb ertrunken seien, wieder zum Leben erwecken, weshalb man sie noch im 18. Jahrhundert an allen Orten an der Donau vorrätig hatte…  

… dann für den Genuss    Dass Tabak zu schnupfen oder zu rauchen ein stimulierendes Vergnügen sein konnte, wurde erst nach und nach zugegeben, aber manches alte Gemälde  beweist, dass ein Pfeifchen zum Wohlfühlen zur gemütlichen Gesellschaft gehörte. Auf die Tonpfeife (von Walter Raleigh am Hof von Elizabeth I. eingeführt) folgte das Schnupfen, das am französischen Hof von Louis XIV. mondän war (und das neue Objekt der Tabatiere schuf), im 19. Jahrhundert waren Meerenschaumpfeifen eine Prestigesache. Ferdinand Georg Waldmüller lässt seinen orientalischen Pfeifenhändler schon 1824 im Wiener Kaffeehaus seine Ware anbieten.

  Ferdinand Georg Waldmüller

Zigarre, Zigarette    Männer rauchten, als das Rauchen noch ihnen allein vorbehalten war, zuerst Zigarren (die lange Reihe der „Promis“, die sie rauchten, reicht von Sigmund Freud und Alexander Girardi  bis Winston Churchill, von Fidel Castro bis Arnold Schwarzenegger), und als die schlanke Zigarette aufkam und Damen wie Marlene Dietrich sie unwiderstehlich zu handhaben verstanden, wurde das Rauchen weiblich, mondän und sehr erotisch. Schon 1900 legte das sehr starke „Beziehungsfoto“ von Kolo Moser, „Der Raucher und die Tänzerin“, Zeugnis davon ab. Die Wissenschaft hatte überdies zwischendurch gefunden oder erfunden, dass Tabak anregend auf den Genitalbereich wirken sollte…

 

Castro von Otto Muehl                               Alexander Girardi

Rauch in der Kunst   Es heißt, das literarische Jung Wien sei ohne die verrauchte Atmosphäre der Kaffeehäuser nicht zu denken. Rauchende Damen verschiedenster Art schmücken die Wände des Forums Frohner, wobei der Namensgeber Frohner die „Prinzessin aus Flandern“ beisteuern konnte – weitgehend nackt, aber mit Zigarettenspitze im Mund. Die „Raucherinnen“ der Kiki Kogelnik sind in mondäner Pose angezogen, Helmut Newton hingegen fotografierte seine Muse, das spanische Model Violetta Sanchez 1979 sehr nackt – mit Zigarette in der Hand.

Von kostbaren Pfeifen bis zu „Tschick“-Kunstwerken   Zahlreiche Prunkpfeifen aus Meerschaum zieren den Ausstellungsraum, differenzierte Kunstwerke, die sich komplizierte Themen stellten, nicht nur antike Kopulation (Leda mit dem Schwan beim Liebesakt), sondern etwa auch die Landung von Columbus in Amerika. Wenn Al Hansen aus Zigarettenstummeln eine „Androgyn Goddess“ schafft, ist das einer der Beiträge der Moderne.

Krenek und die „Johnny“   Einen sehr lebendigen Bezug kann gerade diese Ausstellung zum Ernst Krenek Forum herstellen, das sich über dem Forum Frohner befindet. Als dessen Oper „Johnny spielt auf“ 1927 mit Skandalerfolg uraufgeführt und hundertfach nachgespielt wurde, da kreierte Austria Tabak eine Zigarettenmarke, die sich „Johnny“ nannte und lange populär blieb. Dass man zur Ausstellungseröffnung Musik aus Kreneks „Johnny“ erklingen ließ, versteht sich.

Kunsthalle Krems / Forum Frohner
Bis 30. September 2012,  täglich 11.00 bis 17.00 Uhr

 

 

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