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KREMS/ Ernst Krenek-Forum: LIEDERABEND ERWIN BELAKOWITSCH/ Christoph Berner

27.06.2016 | Konzert/Liederabende

Krems – Ernst Krenek Forum:

Es ist erfreulich, wie man sich  zunehmend um den Nachlass der Komponisten des 20. Jhs. kümmert. Im ehemaligen Minoritenkloster in Krems-Stein ist ein weitläufiges Krenek-Forum entstanden, in welchem nicht nur die Kompositionen des 1991 vestorbenen Weltbürgers aus Wien gehortet und betreut, sondern auch seine sonstigen vielfältigen Interessen, Tätigkeiten und Reiseziele erforscht und dokumentiert werden. Im September 2016 (22. -24.9.)  findet in Krems anlässlich seines 25. Todestages eine Tagung des Krenek-Instituts Privatstiftung statt, die in Worten und Tönen unter dem Motto  Krenek – nicht nur Komponistu.a. seine Schauspielmusiken, den Medienpionier, den analysiserenden Musikwissenschafter und Verfasser autobiographischer Texte zur Diskussion stellt.  (Informationen und Reservierung: Tel.+43 / 2732 /71 57 013, E-Mail: office@krenek.com)

Krems Erwin Belakowitsch
Trefflicher Rezitator: Erwin Belakowitsch. Copyright: Sieglinde Pfabian

Diesmal (26.6. nachm.) gab es einen originellen Liederabend mit Erwin Belakowitsch und Christoph Berner am Klavier – in einem Vortragssaal, dessen Wände Informationen über Leben und Werk von Krenek zieren.

Die beiden Künstler haben sich etwas Besonderes einfallen lassen. Statt der üblichen Liedblöcke von einzelnen Komponisten kamen ihrer drei abwechselnd zu „Wort“, um gewissen gemeinsamen Themen nachzuspüren. Lieder von Franz Schubert, Ernst Krenek  (1900 – 1091) und Otto M. Zykan (1935 – 2006) standen unter dem MottoDrang in die Ferne(Untertitel: Forumsspektakel  6). Die Lieder von Krenek entstammten seinemReisebuch aus den österreichischen Alpenauf eigene Texte des Komponisten. Während die Titel Schuberts und Kreneks auf dem Programmzettel abgedruckt waren, erfolgte der Vortrag der Zykan-Lieder „nach Ansage“.                                                                                                   

Erwin Belakowitsch, der ehemalige Wiener Sängerknabe und Absolvent der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien, war immer schon ein hervorragender Liedgestalter.  Von Schuberts Liederzyklen und Bühnenrollen wie Papageno oder Schubert im „Dreimäderlhaus“ hatte ich ihn als reinen lyrischen Bariton in Erinnerung. Seine Stimme hat sich mittlerweile zu einem Baritenor gewaandelt, mit Höhen von beinah heldentenoralem Glanz. Sein Vortrag zeichnet sich durch besonders prägnante Wortbehandlung aus, der die Stimme wie von selber folgt. (Ich könnte mir ihn gut als Mime vorstellen…) So überraschte er in den Schubert-Liedern durch Verzicht auf bloße Tonschönheit zugunsten eines sehr lebhaften Vortrags, den auch der Pianist unterstützte, sodass die Hörer sich unmittelbar angesprochen fühlten. Damit rückte er auch Schuberts Thematik näher an die Krenek-Lieder heran. So stellte er Kreneks „Motiv“, nämlich seine lebenslängliche Reiselust, aber auch die unfreiwilige Reise ins amerikanische Exil, dem Schubertschen „Abschied“ aus dem „Schwanengesang“ gegenüber. Oder des passionierten Bergbesteigers Krenek witzige Klagen über anhaltend schlechtes Wetter dem Schubert-Lied „Auf der Bruck“ (Text: Ernst Schulze) mit den sehr kräftig an- und abschwellenden Akkorden. Schuberts „Im Frühling“ und „Halt!“ („Eine Mühle sah ich blinken“) haben die Sehnsucht gemeinsam mit Kreneks Klavierstücken „Echoes from Austria op. 166“, aus denen immer wieder musikalische Reminiszenzen an die verlorene Heimat anklingen. Der  ruhelose Musensohn, der Wanderer an den Mond („Ich wandre fremd von Land zu Land“) oder der „Frühlingsglaube“ („…jetzt muss sich alles, alles wenden“) waren in der Interpretation von Erwin Belakowitsch weit von bloß romantischen Träumereien entfernt – nämlich sehr gegenwärtig in ihrer Problematik.                                                                                    

Gegen  Ende kamen immer deftigere Äußerungen Kreneks zum Zug. Wenn er diverse österreichische Weinorte aufzählt, so klingt da auch herb-ironische Einstellung zu deren Verherrlichung heraus. Mit drastischem Mienenspiel oder einer pointierten Kopfbewegung hilft der Sänger nach. Ganz krass aber sind und geraten die „angesagten“ Zykan-Lieder. (Der liebste Ort war ihm immer der Abort, denn er ist ja nur ein Mensch, der nichts behalten darf…,; Oder er vergleicht sein Ich mit einem Zotteltier…)  Positive Schlusspointen bleiben dennoch nicht aus: „Ich lebe – und weiß nicht, wie lange; ich sterbe – und weiß nicht, wann; ich gehe – und weiß nicht, wohin; doch mich wundert‘s, dass ich trotzdem  fröhlich bin.“

Belcanto ist da ja nun wirklich nicht mehr angesagt. Diese krassen Lieder leben vom Wortwitz und unerwarteten, oft kurzen, dissonanten Kommentaren des Klaviers. Der Mensch, der sich in Frage stellt – das ist nicht unbedingt nur ein Vorkommnis des 20. oder 21. Jhs. Das haben die beiden Künstler mit unaufdringlicher Eindringlichkeit demonstriert.                      

  Sieglinde Pfabigan

 

 

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