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KÖLN/ „Oper am Dom“: FIDELIO – konzertant

22.11.2012 | KRITIKEN, Oper

KÖLN: FIDELIO – konzertant am 21. November 2012


Erika Sunneghard, Franco Farina. Foto: Oper Köln/Leclaire

 Es sollte eine ambitionierte szenische Produktion werden, geblieben sind 3 Konzertaufführungen (von der mittleren wird berichtet). Der nicht mehr amtierende Intendant Uwe Eric Laufenberg hatte für “Fidelio“ eine U-Bahn-Station im Auge, die von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei bühnenbildnerisch komplettiert werden sollte. In der „Oper am Dom“, dem einstigen Musical-Zelt und derzeitig Haupt-Ausweichstätte während der dreijährigen Sanierung des „alten“ Hauses am Offenbach-Platz, gibt es zwar ein Bühnenbild, zumindest Teile, aber die gehören zur en suite laufenden „My fair lady“. Ein Abbau wäre wohl zu aufwändig gewesen. Nun gut, auf Anpassungen wird man sich fraglos noch häufiger einzulassen haben.

 Dass „Fidelio“ ohne Szene würde auskommen müssen, war schon vor geraumer Zeit abzusehen gewesen. Warum hat man da nicht die Gelegenheit genutzt, die jetzt ohnehin krass zusammengestrichenen Dialoge durch einen Sprecher (etwa mit dem Rocco-Text von Walter Jens) zu ersetzen? Wieland Wagner hat bereits 1954 in Stuttgart eine solche Möglichkeit ausprobiert. Man könnte noch weiter ausgreifen und fragen, ob ein neuer „Fidelio“ überhaupt notwendig war. So lange liegt Christian Stückls Inszenierung nämlich noch nicht zurück; sie hatte manches für sich, wurde freilich auch durch die Mitwirkung Klaus Florian Vogts stark aufgewertet.

 Jetzt sang FRANCO FARINA, immer mehr das deutsche Fach sondierend, den Florestan: beeindruckend im dynamischen Linienaufbau, intelligent in der Diktion, mit tenoralem Durchhaltevermögen, nur in der Höhe mitunter leicht gepresst und damit in der Intonation gefährdet. ERIKA SUNNEGARDH ist – trotz Turandot und ähnlichen Partien – vom Stimmcharakter her keine eigentlich hochdramatische Sängerin, dafür fehlt es denn doch an Attacke und vokaler Explosivkraft. Bei ihrer Leonore wirkte sich das freilich durchaus günstig aus, wurde doch so dem Image einer Powerfrau gewehrt, der Figur mädchenhafte Züge erhalten. Für den Rocco brachte FRANZ-JOSEF SELIG eine baßhonige Stimme mit, auch das für diese Partie unverzichtbare Quentchen Servilität. SAMUEL YOUN hingegen wird wohl ein wenig überschätzt. Sein Pizarro war ein kraftmeierisches, vokal ruppiges Porträt ohne diabolische Zwischentöne. Angenehm JUTTA MARIA BÖHNERT als nicht zu soubrettige Marzelline und JOHN HEUZENROEDER als forscher Jacquino. Leonard Bernad aus dem Opernstudio (2.Gefangener) wäre sicher ein stimmigerer Don Fernando gewesen als CHRISTOPHER BOLDUC.

 Der in Bremen wirkende MARKUS POSCHNER, welcher in Köln schon für „La Traviata“ und „Fliegender Holländer“ verantwortlich war (und mit dem GÜRZENICH-ORCHESTER auch ein Konzert gegeben hat), ging Beethovens Musik ohne bleischweren Heroismus an, hielt den Klang möglichst schlank, überzeugte zudem mit einigen überraschenden Rubati. An einigen Stellen wie der Florestan-Arie wäre freilich ein Mehr an dramatischer Zuspitzung willkommen gewesen. Aber speziell das Orchester hatte massiv gegen eine ungünstige Akustik anzukämpfen, welche den Klang eintrocknete, harsch und spröde erscheinen ließ, manchmal wie unter einem Deckel verschloss. Auch der Chor kam nicht immer genügend über die Rampe. Bei der nächsten szenischen Aufführung wird das zwar wieder ins Lot kommen, aber das generelle Defizit des Hauses dürfte sich kaum beheben lassen.

 Christoph Zimmermann

 

 

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