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KÖLN: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER – Premiere

06.05.2012 | KRITIKEN, Oper

Opernhaus Köln: Wagner: DER FLIEGENDE HOLLÄNDER  ,  Premiere am 4.5.2012

 Skurril und zugleich rührend: der Schlussapplaus verebbt, bevor sich das Regieteam zu erkennen gibt. Und in der Loge jubelt man spontan dem Hausherrn, Intendanten Uwe-Erik Laufenberg zu. Der steckt momentan in schwierigsten lokalpolitischen Zeiten. „Bravo, Laufenberg !“ und das gesamte Publikum wendet sich an die linke Loge und bekundet laut und solidarisch Unterstützung im peinlich-kleinstädtisch anmutenden Kulturkampf. Die Künstler auf der Bühne hören erneutes Klatschen, denken, sie sind gemeint, und hissen wieder den Vorhang, und sehen das Publikum weggewandt. Skurril.

Dabei war die Aufführung keineswegs schlecht. Nur auch nicht aufregend, was den Applaus eben rasch diminuieren lies. Wagners „Der fliegende Holländer“ hat schon viel eigenwilligere, überraschendere und theatralisch ergiebigere Deutungen erfahren als die DIETRICH HILSDORFs. Er bleibt in Opernkonventionen, solide gearbeitet, aber mehr nicht. RENATE SCHNITZERs Kostüme und DIETER RICHTERs Bühne geben hierzu gesetztes, konservatives Ambiente.

 Auch musikalisch bietet die Aufführung hohes Niveau, kann aber nicht durchweg begeistern.

Die Sängerriege bietet vor allem zwei begnadete Darsteller auf: LARS  WOLDT macht aus dem Daland einen quirligen Schacherer, der seine Tochter jedem verkaufen würde, der viel Geld dafür bietet. Differenziert, mit nicht immer tiefenstarkem Bassbariton gewinnt er im Nu die Sympathien des Publikums. THOMAS PIFFKA gibt dem Erik reichhaltige Facetten in höhensicherer Stimme und ehrlichem Spiel. Seine Traumerzählung gerät denn auch zum Höhepunkt der Aufführung.

 ERIKA SUNNEGARDHs Sopran ist zwar etwas kleindimensioniert für die Senta, aber sie führt ihre Stimme gerade in der Höhe sicher und mit Strahlkraft. Darstellerisch neigt sich zum, vielleicht vom Regisseur erwünschten- aufgesetzt kühlen Pathos. SAMUEL YOUN debütiert als Holländer. Seine potente Stimme kann er unforciert einsetzen, auch bemüht er sich um leisere Phrasen. Interpretatorisch bleiben noch Wünsche offen, und so spielt er etwas geradlinig den maskulin- verwegenen Außenseiter.

Der Steuermann ist bei JEONGKI CHO in lyrisch sicheren Händen. Warum aber muss er in seinem Lied ständig an den sowieso bereits längst befestigten Seilen zerren? DIANE PILCHER gibt die Mary streng und einsilbig.

Und da wäre noch GABI DAUENHAUER als Hexe Samiel – die Freischütz- Verwandtschaft der Zeit und des Stoffes soll wohl ausgestellt werden- die in Holländers Monolog etwas penetrant das Böse repräsentiert. Dadurch zieht sie viel Kraft vom Titelhelden weg, anstatt sie auf ihn zu fokussieren.

Der Chor der Oper Köln (Ltg: ANDREW OLLIVANT) punktet mehr bei den Damen. Jedoch auch die mit Extrachor verstärkten Männerchöre bieten fundiertes Niveau.

Das Gürzenich-Orchester spielt beherzt, nicht ohne einige Patzer, und bemüht sich auch um Intimität in den ariosen Teilen. Dirigent MARKUS POSCHNER interpretiert sehr theatertauglich mit temperiertem Zugriff.

 Alles in Allem ein mäßig spannender Holländer, der dem Opernhaus in der Millionenstadt aber dennoch wieder die aktuell große Leistungsstärke bescheinigt. Als bisherige Saisonhighlight darf weiterhin Prokofieffs selten gespielte Oper KRIEG UND FRIEDEN gelten.

 Damian Kern

 

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