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KÖNIGIN DER WÜSTE

09.09.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmCover Königin der Wüste

Ab 11. September 2015 in den österreichischen Kinos
KÖNIGIN DER WÜSTE
Queen Of The Desert /  USA  /  2015 
Regie: Werner Herzog
Mit: Nicole Kidman, James Franco, Robert Pattinson, Damian Lewis u.a.

Wer gerne weibliche Reiseberichte liest, dem ist sie ein Begriff: die Britin Gertrude Bell (1968 bis 1926), die zu ihrer großen Zeit tatsächlich eine „Königin der Wüste“ war, wie Werner Herzog seinen biographischen Film über sie nennt. So dramatisch und auch herrlich exzentrisch wie frühere Arbeiten des Regisseurs (etwa „Fitzcarraldo“) ist das allerdings nicht ausgefallen. Sein Wüstenepos rund um die durchaus interessante Dame ist brav erzählt und scheint zumindest von der Optik her zweifelsfrei immer wieder mit „Lawrence von Arabien“ zu kokettieren, ohne dass man David Lean auch nur in die Nähe käme. T. E. Lawrence selbst allerdings kommt in dem Film vor, schließlich sind er und die Bell zur gleichen Zeit im arabischen Raum herumgereist – sie allerdings etwas friedlicher als er.

Nicole Kidman, die noch immer Schöne, kommt zur Rolle, wenn sie in Arabien reist. Das junge Mädchen am englischen Landsitz, das ist sie bei aller Hilfe von Schminke, doch nicht mehr. Immerhin, die Figur wird gezeichnet – eine intelligente junge Adelige, für die es undenkbar ist, sich an irgendeinen adeligen Trottel verheiraten zu lassen. Um das rebellische Töchterchen los zu werden, schickt man sie zu Verwandten in die britische Botschaft nach Teheran – und obwohl Persien bekanntlich nicht Arabien ist, wird sie hier mit dem Orient infiziert. Wobei auch James Franco (ein bißl zu jung für die Kidman) als erste Liebe auftaucht, die unerfüllt bleibt, was erklärt, dass die Dame sich nie zu einer Ehe aufraffen konnte und wollte.

In der Folge begleiten wir sie auf ihren mutigen Reisen durch die Wüste, hoch zu Kamel, mit einheimischen Begleitern, was die britischen Landsleute (zumal Mr. Churchill, der auch kurz auftaucht und über sie schimpft) ärgert, sie selbst aber sehr interessiert: Sie war wohl eine Ethnologin mit echten Verständnis und echten Interesse für die arabische Welt.

Das Problem des Films ist, dass er mit der Gemächlichkeit eines Kamelritts vor sich geht, obwohl Gertrude Bell auch im Ersten Weltkrieg, zu dramatischen Zeiten, unterwegs war. Aber was ihr hier zustößt (einmal wird sie gefangen genommen und der Scheich will sie seinem Harem einfügen), ist nicht wirklich dramatisch und schon gar nicht spannend. Als sie später wirklich eine politische Rolle spielte, ist der Film schon zu Ende – sie verkündet zwei jungen Scheich-Brüdern, sie würden Könige sein, aber nur der Nachspann erzählt uns, dass sie es geworden sind (der eine von Jordanien, der andere des Irak). Und sie wünscht und prophezeit den Zusammenbruch des Empire, was sie bei ihren Landsleuten nicht beliebt gemacht hat.

Neben James Franco darf noch Damian Lewis als der britische Diplomat Charles Doughty-Wylie, Bells zweite Liebe, die Aufmerksamkeit positiv auf sich lenken, und natürlich Robert Pattinson als T. E. Lawrence, wenn diese Rolle auch auf der Leinwand kaum zu bewältigen ist, weil man sie auf jeden Fall und zu Recht mit Peter O’Toole identifiziert.

Am Ende hat man das Gefühl, selbst lange auf Kamelrücken durch die Wüste gewogt zu sein, ohne dass man allzu viel darüber zu sagen wüsste, was man alles konkret gesehen hat. besonders tief geht das bunte Kinobild nicht.

Renate Wagner

 

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