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KOCHEN IST CHEFSACHE

06.06.2012 | FILM/TV

Ab 8. Juni 2012 in den österreichischen Kinos
KOCHEN IST CHEFSACHE
Comme un chef  /  Frankreich  /  2012
Regie und Drehbuch: Daniel Cohen
Mit: Jean Reno, Michael Youn, Raphaelle Agogué u.a.

Auf der einen Seite ist da ein in ganz Paris berühmter Chefkoch, der allerdings von seinem Restaurantbesitzer langsam ins „Oldie“-Eck gedrängt wird, weil er neue Küchentrends verschmäht; und auf der anderen Seite steht ein fanatischer Jungkoch, der zwar ein Fan des großen Alten ist, aber doch kreativ genug, um immer etwas Neues zu machen – bei einer solchen Konstellation würde üblicherweise auf der Kinoleinwand die wilde Konkurrenz ausbrechen.

Nicht so in diesem Film von Daniel Cohen, der Gestern und Morgen liebevoller abwägt und seine „Koch“-Geschichte auch gerne mit einer Parodie auf die „neue Küche“ und viele lächerliche Modeerscheinungen versetzt. Denn wer würde schon ernsthaft erwägen, sich an den Produkten der „Molekularküche“ zu ergötzen, die jedes Nahrungsmittel auf eine bonbongroße Pastille zusammenpresst…

Jean Reno einmal anders, und es scheint, dass es ihm gar nicht leicht fällt, keinen Gangster, sondern einen normalen Menschen zu spielen – soweit Küchenchef-Star Alexandre Lagarde ein solcher ist. Lächeln fällt ihm jedenfalls schwerer als bellen, aber unter den Versuchen, ihn aufs Altenteil zu schieben, leidet er, wie alle Menschen, doch auch…

Aber Lagarde hat es vergleichsweise viel besser getroffen als Jacky Bonnot, der leidenschaftliche Koch, der wegen dieser Leidenschaft überall rausfliegt (man kann den Kunden schließlich nicht „richtiges“ Essen geradezu befehlen) und am Ende als Anstreicher endet. Fast endet. Denn als er seine Chance bekommt, erweist er sich trotz seines störrischen, der idealen Kochkunst kompromisslos verschriebenen Wesens schließlich für Lagarde als der ideale Gehilfe. Und es ist auch der Film des hinreißenden Michael Youn, bei uns weniger bekannt, in Frankreich offenbar als Comedian und Pop-Sänger populär, ein wenig an die Verschmitztheit unseres Niavarani erinnernd (mit dem er auch den schüchternen Charme gemeinsam hat).

Daniel Cohen hat sich selbst eine beschwingte Komödie geschrieben, in der – wie gesagt – viel Platz für Koch-Parodie ist (selbstverständlich tauchen auch tückische Gourmet-Kritiker und böse Konkurrenten auf). Vielleicht hat er sein Drehbuch mit Privatem (die Freundin von Jacky, ihre Eltern, Schwangerschaft, die Tochter von Lagarde und schließlich dessen überraschende Zuwendung zu einer Wirtin) etwas überlastet, aber Human Interest dieser Art gehört auch dazu. Wenn zwei Leute schon, wie es in unserer „Kampfkultur“-Welt üblich ist, nicht auf einander losgehen, sondern sich mit geradezu liebevollem Respekt auf einander zubewegen…

Sicherlich ist auch dies eine jener französischen Komödien, die das Leben schön färben, aber sie tut es so leichtfüßig und mit jenem nötigen Grad an Verfremdung (einmal verkleiden sich Lagarde und Jacky als Japaner, um einen Konkurrenten auszuspionieren!), dass es hier hundertprozentig funktioniert. Charme, Humor und Menschlichkeit sind die Zauberstäbe dafür.

Renate Wagner

 

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