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KIEL: LA TRAVIATA – Premiere

30.09.2012 | KRITIKEN, Oper

Kieler Opernpublikum feiert Ekaterina Isachenko als Violetta – am 29.9.2012

Von Horst Schinzel

 Umfragen zufolge ist Verdis Oper „La Traviata“ das beliebteste Musiktheater-Werk überhaupt. Im Norden boten es in den letzten Jahren die Opernhäuser in Flensburg und Lübeck und die Eutiner Festspiele. Und jetzt das Kieler Opernhaus. Wobei über der Kieler Einstudierung Tragik liegt. Für diese war der Regisseur Thomas Wünsch vorgesehen. Und der ist noch während der Vorbereitungszeit – nur fünfzig Jahre alt – gestorben. An seine Stelle ist der hier gut bekannte Uwe Schwarz getreten, der zusammen mit seinem Ausstatter Heiko Mönnich die Ideen des Verstorbenen umgesetzt hat. Entstanden ist ein düsteres Bühnenbild eines ramponierten Theatersaales – Ausdruck des morbiden Gesellschaftsbildes, das uns Verdi und sein Textdichter Francesco Maria Piave vermitteln. Den Kostümen nach spielt die Handlung im Hier und Jetzt. Aber das wird an diesem Abend zur Nebensache.

 Denn diese Aufführung wird zum großen Erlebnis durch die drei sängerisch wie schauspielerisch überragenden Hauptpersonen Violetta Valery, Alfredo Germont und Giorgio Germont. Ekaterina Isachenko – die in dieser Rolle mit Susan Gouthro alterniert – Yoonki Baek und Tomohiro Takada bieten Herausragendes. Die junge Russin Ekaterina Isaschenko war schon öfters als Gast an der Förde. Aber nie zuvor hat der Opernfreund sie in solcher Eindringlichkeit erlebt.

Und auch sonst hat Uwe Schwarz ein Szenarium auf die Bühne gestellt, das bis zur letzten Minute fesselnd ist mit vielen ausdrucksstarken Kleindarstellerin, einer glänzenden Marina Fideli als Flora Bervoix, einem von Barbara Kler großartig einstudierten Chor und den Tänzern Sonia Dvorak und Sebastian Grundler. Alles fügt sich stimmig zusammen – schade nur, dass der Musikalische Leiter Leo Siberski das profund agierende Orchester auf weite Strecken zu laut aus dem Graben kommen lässt. Da haben die Solisten es oft schwer, dagegen an zu singen.

Das Premierenpublikum ist ergriffen. Erst nach einer langen Pause setzt der Beifall ein. Und als sich Ekaterina Isachenko zeigt, erheben die Zuschauer spontan. Das erlebt man in Kiel selten.

 Weitere Vorstellungen: 14. Oktober ,18 Uhr, 17. Oktober, 19.30 Uhr, 25. und 27. Oktober, 20 Uhr,

 

Fotos folgen

 

 

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