Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Kastner: MARIAZELL UND DIE HABSBURGER

25.03.2012 | buch

 

Richard H. Kastner:
MAGNA MATER AUSTRIAE
MARIAZELL UND DIE HABSBURGER
192 Seiten, Amalthea Verlag  2012 

Auch Österreich hat seine „Pilgerstraßen“, vielleicht international nicht so berühmt wie die „Jakobswege“, aber auch hierzulande führen viele Wege nach Mariazell, und das ist ein Wallfahrtsheiligtum, das sich sehen lassen kann – 1157 feiert man als das Gründungsjahr, seither ist die damalige Kirche zu einer eindrucksvollen Basilika geworden, deren Umbauten bis ins späte 18. Jahrhundert währten.

Richard H. Kastner, Ingenieur und lange Zeit Verwalter historischer Komplexe in Wien, hat diesem sakralen Raum nun ein reich bebildertes Buch „unter besonderer Berücksichtigung der Habsburger“ gewidmet.

Denn diese haben diese Gnadenkirche, für deren Ausgestaltung sie schon im Mittelalter mit verantwortlich waren, zu ihrem „Familienheiligtum“ erwählt, dort bat oder dankte man um/für Kindersegen, dort feierte man gewonnene Kriege (also weit weniger oft), oder man holte sich – die meisten Habsburger (nicht alle) waren ja stark im katholischen Glauben – die spirituelle Unterstützung. Die Habsburger haben oft, wenn sie für etwas zu danken hatten, der Kirche kostbare Geschenke gemacht, Maria Theresia kam immer wieder und stiftete reichlich. Wie sehr die Familientradition bis in die republikanische Gegenwart reicht, zeigte die Hochzeit von Karl von Habsburg-Lothringen mit Francesca von Thyssen-Bornemisza, die 1993 gleichfalls hier stattfand.

Die Gnadenstatue in der Gnadenkapelle, die das Zentrum der Verehrung darstellt (die Muttergottes wird ja als die „Magna Mater Austriae“ bezeichnet), ist eine 52 cm hohe Madonna aus Lindenholz, auf einem Stuhl sitzend, das Kind auf dem Arm, um 1300 entstanden (und immer wieder in Krisenzeiten, etwa vor den Türken 1683, in Sicherheit gebracht, bevor man sie später in feierlichen Prozessionen wieder an ihren Ausgangsort brachte).

Um die Basilika dreht sich im Ort, der heute rund eineinhalbtausend Einwohner hat, alles, und wenn der Autor mit dem Leser quasi durchspaziert, kann er auch die vielen Gasthöfe nennen, wo schon Mitglieder der Familie Habsburg gewohnt haben (wenngleich manches seither umgebaut wurde). Ein Foto, das aufgenommen wurde, als das Requiem für Otto von Habsburg-Lothringen stattfand, zeigt die „Traditionsverbände“ mit Fahnen, die sich bei solchen Gelegenheiten einfinden.

Wo der Kaiser und seine Familie waren, folgten die Adeligen und jene, die es sich leisten können, nach, und so wurde dieser steirische Ort auch zum gesellschaftlichen Treffpunkt. Es gibt natürlich auch Naturschönheiten ringsum wie den Wasserfall in der Mürzschlucht, und ein Jagd-Denkmal von Kaiser Franz Joseph kann man im Bärenbachgraben finden.

Schließlich folgt der Autor noch Österreichs berühmter „Via Sacra“, die von Wien südlich über Heiligenkreuz und Lilienfeld nach Mariazell führt, wobei es auch andere Wallfahrtsrouten (von Graz aus, von Niederösterreich aus) gibt. Am Ende kann man ein ebenso kompaktes wie interessantes Buch voll Information in seine „Austriaca“- oder Habsburger-Ecke stellen.

Renate Wagner

 

 

Diese Seite drucken