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KARINE BABAJANYAN – PUCCINI-ARIEN

14.10.2015 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

Karine Babajanyan CD-Cover KARINE BABAJANYAN –  PUCCINI-ARIEN – EMI 2008, Nr. 5099926773124

Im Zusammenhang mit der aktuellen Veröffentlichung von Jonas Kaufmanns Puccini-Album sei auf eine andere, bereits 2008 eingespielte CD hingewiesen, die ebenfalls rein diesem Komponisten gewidmet ist und auf ähnlich hohem Niveau dem Farbenspiel gerecht wird, das der Meister aus Lucca in seiner kompositorischen Entwicklung von den späten 1880er Jahren bis zu den 1920er Jahren den unterschiedlichsten seiner Frauenfiguren unterlegt hat. Wie im Tenor-Sektor bedarf es dafür einer Interpretin, die diese verschiedenen vom Orchester als Basis unterlegten Stimmungsfelder zu einer ebenso klugen wie emotional  gebündelten Gestaltung aufgreift. Die in ihrer Heimat Armenien ausgebildete und seit dem Beginn dieses Jahrtausends über kleinere Bühnen, Ensemble-Mitgliedschaften in Hannover und Stuttgart zur freischaffenden Künstlerin aufgestiegene Karine Babajanyan verfügt über einen individuell, leicht dunkel timbrierten, jugendlich-dramatischen Sopran mit ausgeprägtem Tiefenfundament, einer gleichmäßig ansprechenden Mittellage und einer aufregend flutenden Höhe mit genau jenem leichten Ansatz an Schärfe, den der Verismo verträgt und der die Identifizierung mit den jeweils zum Ausdruck gebrachten Situationen  so bewegend miterleben lässt. Feine Nuancen des Glücks kommen dabei ebenso zu ihrem Recht wie forsch angegangene Momente des Aufbegehrens und der Verzweiflung, wo dann Grenzen in vertretbarem Maß spürbar, aber nicht überschritten werden. Auf Linie gehaltene lange Bögen und gefühlvoll ausschwingende Phrasenenden erhöhen noch die Faszination einer sowohl rein klanglich wie auch interpretatorisch ideal ausbalancierten Stimme. Darüber hinaus vermag die Sopranistin auch im Studio die Spannung einer szenischen Live-Aufführung entstehen zu lassen und die einzelnen Rollen von der Mimi über die Manon, Butterfly, Tosca und Angelica bis zur Liu in ihren differierenden Schicksalen so einzufangen, als ob sie sie gerade in dem Moment auf der Bühne verkörpern würde. Im Gegensatz zu gar nicht wenigen Stimmen, die nach einer Live-Begegnung auf Tonträgern eher enttäuschen, entfaltet sich Karine Babajanyans Sopran ohne klangliche Verluste. In ihren mitreißenden bzw. berührenden  Arien-Portraits wird sie einerseits von Giuseppe Giacomini (mit immer noch beachtlichem tenoralem Stanima, gegenüber ihr aber doch zu dumpf und schwerfällig im Vortrag)  und vom Budapest Symphony Orchestra unter der Leitung von Pier Giorgio Morandi mit viel Einfühlungsvermögen und betörend warmem Streicherteppich unterstützt. Eine hochempfehlenswerte Einspielung der auch heute, 7 Jahre nach dieser Aufnahme, noch zu wenig bekannten Künstlerin.

Udo Klebes

 

 

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