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KAISERSLAUTERN: TRISTAN UND ISOLDE. Premiere

10.04.2016 | Oper

Pfalztheater Kaiserlautern: Tristan und Isolde. Premiere am 09. 04. 1916

Bekanntlich wurde der Tristan in Wien nach 77 Proben wegen Unaufführbarkeit abgesagt. Wie viele Proben das Pfalztheater für die erfolgreiche Premiere benötigt hat, ist unbekannt. Dass in musikalischer Hinsicht eine intensive Probenarbeit aller beteiligten Mitarbeiter vorausgegangen sein muss, ist selbstverständlich. Verantwortlich war der GMD  Uwe Sandner, der es verstand, eine abgestimmte Einheit zwischen dem Blech, den Holzbläsern und den Streichern herzustellen, die einen homogenen Klang hervorbrachten und einen Spannungsbogen bis zum Ende fabrizierten. Das erklärt auch, warum im Vorspiel lange Pausen eingelegt wurden und er mit verzögerten Tempi anfing.

Daneben unterstützt er die Sängerdarsteller mit einer großem Hingabe, was nicht immer selbstverständlich ist.

Sowohl der Tristan (Neal Cooper mit seinem Deutschlanddebüt), als auch die in Kaiserlautern schon in Lady Macbeth von Mtsensk auftretende Yamina Maamar wirkten im ersten Akt ein wenig verkrampft, was sich gesanglich bemerkbar machte.

Das änderte sich allerdings im zweiten Akt. Man hatte den Eindruck, dass sich beide Protagonisten frei gesungen hatten. Die Reflektion über die Nachtgedanken ( “o sink hernieder Nacht der Liebe”  und “so stürben wir, um ungetrennt”) wurde in diesem Akt orchestral und gesanglich mit einer beeindruckenden Geschlossenheit zelebriert.

Vom Ensemble sang in der Doppelrolle (Seemann und Hirte) Daniel Kim und mit dem dunklen Bariton den Kurwenal Wieland Satter, der durch seine ausdrucksstarke und kräftige Stimme das Publikum begeisterte. Brangäne (Janice Dixon) und Melot (Daniel Böhm) waren ebenfalls mit Gästen besetzt. Für den erkrankten Bernd Hofmann sang den König Marke der Kammersänger aus Karlsruhe, Konstantin Gorny.

Eine grandiose orchestrale Leistung, wenn man die kleinere Besetzung im Orchestergraben zu den Vorgaben des Komponisten berücksichtigt.

Für die Regie war Kerstin Maria Pöhler verantwortlich, zusammen mit Herbert Murauer (Bühne), Dietlind Kobold (Kostüme), Johannes Köhler (Chor) und K. H. Christmann für die Videoeinblendungen, die zunehmend zum festen Bestandteil einer Produktion gehören.

Während des Vorspieles reflektiert die Isolde über die Zeit mit Tantris alias Tristan, die eine heftige Liebesbeziehung war, aber bei Beginn des Aktes wird sie mit der Realität konfrontiert. Nach Thomas Mann kann der Trank auch Wasser sein, weil allein der Wille für die Handlung ausschlaggebend ist. Das wird von der Regie übernommen.

Im zweiten Akt wird eine Aussage von Richard Wagner übernommen, dass Richard Wagner und Mathilde Wesendonk eine Kopie von Tristan und Isolde sei. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der Grund für das Ende der eher geistigen Beziehung mit Mathilde Wesendonk, die Ehefrau von Richard Wagner war.

Im dritten Akt beim so genannten Liebestod (R. Wagner nannte es “Isoldes Verklärung“) sang Yamina Maamar gefühlvoll mit großem Atem beim Schluss und mit schlafwandlerischen Gesten, die etwas gewöhnungsbedürftig waren.

.Der gute Regieansatz wurde durch viele unnötige regieartige Kommentare und manchmal nicht erklärbare Einfälle zunichte gemacht. Das  viele Wasser könnte eventuell auf den Schlussgesang hindeuten (“ertrinken, versinken”).

Fazit: Das Pfalztheater Kaiserslautern und die vielen anderen Theater in unserem Lande haben einen unverzichtbaren Auftrag für die Gesellschaft, nämlich flächendeckend, die Bevölkerung mit vielfältigen kulturellen Angeboten zu versorgen. Das sollten die zuständigen Politiker bei der Vergabe der finanziellen Zuwendungen berücksichtigen.

Franz Roos

 

 

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