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KAISERSLAUTERN: TRISTAN UND ISOLDE – Derniere

26.06.2016 | Oper

Kaiserslautern: „TRISTAN UND ISOLDE“ –  Finale 25.06.2016

Maamar-Dixon-Satter-Cooper (c) Pfalztheater KL
Yamina Maamar, Janice Dixon, Wieland Satter, Neil Cooper. Copyright: Pfalztheater

Nach dem Premierenbesuch von „Tristan und Isolde“ (Richard Wagner) stand für mich fest, noch einige Folgevorstellungen zu besuchen. Gesagt, getan quasi vor der Haustür konnte ich die 3./4. + 6. Aufführung entsprechend terminieren.  Dem trüben Pfingstwetter sowie den kühlen Frühsommer-Tagen zum Trotz entschlossen wir uns zur kurzweiligen Fahrt durch die Weinberge und den herrlichen Pfälzer Wald um diese qualitative Produktion im Pfalztheater wiederholt zu genießen.

Unter Eliminierung der störenden optischen Regieeinfälle galt das Hauptinteresse den musikalischen Komponenten. Befreit vom Probenstress sowie Premierenfieber entfalteten sich die Protagonisten zu Höchstleistungen und schenkten dem Zuhörer betörende Wagner-Wonnen.

Phänomenal darf man ohne Übertreibung die Isolde von Yamina Maamar bezeichnen. Die schlanke hochgewachsene Schönheit mit den schwarzen Naturlocken entspricht zwar nicht dem Typus der rotblonden irischen Maid, doch gerade in diesem optischen Kontrast dürfte  der  Reiz des Besonderen liegen. Ohne Fehl und Tadel entfaltete sich der dunkel timbrierte Sopran zu dynamisch-exponiertem Wohlklang, in keinem Moment der voluminösen Durchschlagskraft verliert die warme füllige Sopranstimme ihren wunderbaren Focus. Yamina Maamar gestaltet ihre Isolde in musikalischer Souveränität, schenkt ihrer in allen Lagen bestens gestützten Stimme herrliche Farbnuancen, lyrische gefühlvolle Pianissimo-Qualitäten, glutvolles strahlendes Höhenpotenzial in bestechender Textbehandlung.

Zur vokalen Glanzleistung gesellt sich zudem eine darstellerisch-ehrliche Rollenidentifikation der schicksalshaften irischen Königstochter. Selten hörte ich den Liebestod gesangstechnisch so perfekt, mühelos auf langem Atem ausgesponnen dargeboten. Mit dieser sensationellen Interpretation sang sich Yamina Maamar in die erste Reihe der „schönstimmigen“ Isolden. Bravo!

Vokal ausgeglichen, sehr klangintensiv gestaltete Janice Dixon die devote Brangäne, beeindruckte mit glanzvoll-farbenreich intonierten Paletten ihres weichen Gold-Soprans und krönte ihre Interpretation mit dem herrlich strömenden mattschimmernden Wachgesang.

Vortrefflich verstand es Wieland Satter seinen virilen höhenstarken Bassbariton zu zügeln, schenkte dem treuen Kurwenal weiches, klangvoll markantes Vokalprofil in bester Textdiktion.

Auch Neil Cooper fand inzwischen zu mehr musikalischer Homogenität, überraschte mit sehr schönen mezza-voce-Phrasen, vokaler Ausgeglichenheit, metallisch-strahlend sauber fließenden Höhenflügen. Ebenso nach wie vor die bewundernswerte intensive intelligente Artikulierung des englischen Sängers.

Schönstimmig fügten sich Daniel Kim (Seemann/Hirt), Ralph Jaarsma (Steuermann) sowie der vokal präsente Herrenchor (Johannes Köhler) ins Ensemble. Dem Ohr weniger schmeichelnd erwies sich der zwar voluminöse doch trocken-spröde Bass Bernd Hofmann (Marke) sowie unspektakulär Daniel Böhm (Melot).

Uwe Sandner gestaltete konzentriert mit dem akkurat aufspielenden Orchester des PT KL seine Partituranalyse und erreichte einen trefflichen Gesamtklang. Hatte der Dirigent an den beiden Abenden zuvor die Lautstärke merklich gezügelt, griff er heute wiederum kräftig in die Vollen und ließ es dank seiner bestens disponierten Sänger, nochmals gehörig krachen. Doch den Phonstärken zum Trotz gelangen wunderschön ausmusizierte Momente hochklassiger Instrumentalmusik u.a. durch die vorzüglich besetzten Holzbläser sowie dem Englisch-Horn.

Kaum war der letzte Ton verklungen, ließ das Publikum seiner Begeisterung freien Lauf in standing ovations. Jammerschade, dass man diese Produktion nicht in folgende Spielzeiten übernimmt, vermutlich eine Kostenfrage?

Gerhard Hoffmann

 

 

 

 

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