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KAISERSLAUTERN/ Pfalztheater: GUILLAUME TELL

24.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Kaiserslautern: „GUILLAUME TELL“ – 23.11.2012

 Rossinis letzte Oper, die er schrieb, um Paris endgültig zu erobern – und sich danach mit 38 Jahren für weitere 38 Jahre als Lebenskünstler und Koch in den Ruhestand zurückzuziehen, wird selten gespielt. Der Hauptgrund: Sie ist eine Mischung aus Schiller, verspäteter Opera seria und Grand`opèra, garniert mit einem Kranz kostbarer Rossini-Perlen.

Die letzteren stellen an die Interpreten extrem hohe Ansprüche, was Belcanto anbelangt. Sind die nicht gewährleistet, droht das Werk unter der Last seiner langen bleiernen Rezitative zu ersticken. Der Auführung im Pfalztheater näherte ich mich deshalb mit gemischten Gefühlen. Sie erwiesen sich als allzu berechtigt.

Die prächtige Ouvertüre, die Uwe Sandner kontrastreich präsentierte, ließ noch nicht ahnen, wie die Aufführung danach auseinanderfallen sollte: Optisch überwiegend angenehm in den stimmungsvollen Bühnenbildern und Kostümen von Marcel Zaba, die die etwas hölzerne Personenregie von Urs Häberli angenehm ausglichen – und akustisch mit einem Ensemble, bei deren männlichem Teil (also dem weitaus größeren) das Attribut passabel entschieden geschmeichelt wäre.

Zu allem Überfluss war ausgerechnet der Tenor John Zuckerman erkältet, sang aber die gefürchtete Partie des Arnold dankenswerterweise trotzdem unfallfrei, rettete damit die Vorstellung und verdient dafür Respekt. Ein Sängergast aus Nürnberg als Gessler zeigte anstelle eines Charakterbasses einige raue Töne und vor allem rollende Augen, und der Sängerdarsteller des Tell  besitzt für diese Rolle zwar die richtige körperliche Statur, bot jedoch statt eines soliden Baritons nur eine kräftige Mittellage, die aber dringend einer Schulung bedarf. Das ist, ausgerechnet bei Rossini, etwas mager. Dagegen war Walter Donati mit seinem Bass von nobler Blässe als Walter Fürst fast eine Erholung.

Die drei Damen, obwohl alles andere als adäquat besetzt, statteten ihre Partien immerhin mit richtigen Tönen aus: Katja Boost als üppige Hedwig, Monika Hügel als sonniger Knabe Jemmy, und – die beste stimmliche Leistung – Adelheid Fink als etwas steife, aber mit dem Belcanto einigermaßen vertraute Mathilde. Der Chor bemühte sich um phonetisch korrektes Französisch – auf Kosten des Ausdrucks und der natürlichen Bewegung.

Was bleibt? Rossinis Tell gehört zu den Opern, die man tunlichst nur aufführen sollte, wenn man im Ensemble über die nötigen technisch geschulten Stimmen verfügt. Und das ist allemal – schon aus Gründen des Etats – in München eher gewährleistet als in Kaiserslautern.

Johannes Schenke

 

 

 

 

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