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JURASSIC WORLD

10.06.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Jurassic World~1

Ab 11. Juni 2015 in den österreichischen Kinos
JURASSIC WORLD
USA  /  2015 
Regie: Colin Trevorrow
Mit: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio u.a.

Was einmal an der Kinokasse großes Geld gebracht hat, kommt wieder. Vor 22 Jahren bereits erfüllten Hollywoods Special Effekt-Künstler Steven Spielberg den Wunsch, Dinosaurier „wie echt“ auf die Leinwand zu bringen. Das Staunen war groß, auch beim Publikum (das heute längst gewöhnt ist, auch das Unwahrscheinlichste, was da passiert, ganz selbstverständlich hinzunehmen), und es gab in schneller Folge drei „Jurassic Park“-Filme, 1993, 1997 und 2001 – und Spielberg dachte schon wenig später an den nächsten Film. Nun ist dieser mit einiger Verzögerung da, mit ihm selbst allerdings „nur“ als Produzenten, und – wie es die Entwicklung will, die ja stets nach Steigerung verlangt  – noch größer, schauriger, grausiger als je, ein brüllendes Event, das da von der Leinwand springt.

Der Jurassic Park von einst auf der Isla Nubar bei Costa Rica ist nun die „Jurassic World“ geworden, ein riesiger Themenpark auf der Insel, voll von spektakulären Schauwerten, „echte“ Dinosaurier überall, in jeder Größe, im Wasser, am Boden, in der Luft, teils zum Anfassen, meist zum Fürchten –  „echte“ Tiere eben und nicht ungefährlich, aber nur auf Massenunterhaltung getrimmt. Schon hier liegt etwas von der Kritik, die der Film knüppeldicke übt.

Die „Menschen“-Handlung erzählt von Claire (Bryce Dallas Howard, bekannt einst aus den Filmen von M. Night Shyamalan, dann in Vergessenheit geraten), der chicen und hochmütigen Park-Managerin, anfangs das Bild einer unzerstörbaren Karrierefrau, am Ende… aber das muss man sich ansehen. Ausgerechnet an diesem Wochenende schickt man ihr die beiden Söhne der Schwester, aber für diese Neffen hat sie gar keine Zeit. Denn gerade jetzt will man in der von einem skrupellosen superreichen Inder (Irrfan Khan) geleiteten Anlage den Supersaurier aus der Retorte präsentieren, „Indominus Rex“, der größte, den es je gab, aus einem DNA-Mix zusammen gestellt, unberechenbar gefährlich. Und die „Sensation“, die der Park von Zeit zu Zeit braucht, um die Besucherzahlen zu halten…

Keine Frage, dass dieses Monster ausbüchst und auf dem Gelände herumtobt und dass die Neffen vielfach in Lebensgefahr geraten – Kinder sind immer noch eines der wirkungsvollsten Elemente in solchen Filmen (wenn er auch in seiner Brutalität und Grausamkeit alles andere als kindergerecht ist): Gray (Ty Simpkins wirkt jünger als seine realen 13 Jahre) ist der aktive, alles beobachtende kleine Junge, Zach (Nick Robinson, an sich schon 20, geht als Teenager durch) gibt sich gelangweilt und blasiert – bis es auf Leben und Tod geht. Auf der Flucht vor dem rasenden „Indominus Rex“ geraten die beiden übrigens (eine Verbeugung vor Spielberg) in ein verlassenes Camp des früheren „Jurassic Parks“ mit all den bekannten Labels und Signets – und sie finden dort sogar einen alten Jeep, mit dem sie entkommen können. Damit ist die Katastrophe aber noch lange nicht vobei.

Jurassic Buben~1

Ein besonders belehrendes Element des Films rankt sich um „Doktor Wu“ (B.D. Wong), Sinnbild des gewissenlosen Wissenschaftlers, der im Genlabor herstellt, was man von ihm verlangt, ohne moralische Kopfschmerzen, und den Militär Vic Hoskins (Vincent D’Onofrio), der in den lebensgefährlichen Dinos nur etwas sieht: Waffen, die man militärisch einsetzen kann und gegen die der Mensch hilflos ist… Na, man verrät ja nur das Selbstverständliche, dass sie von den Tierchen gefressen werden. Strafe muss sein!

Und wo bleibt das Positive? Nun, da ist Dinofachmann Owen, dem es sogar gelungen ist, vier kleinere „Raptors“ zu trainieren als wären sie nur bissige Dobermänner und nicht lebensgefährliche Biester… Er kann sich sogar in die Psyche eines hybriden Sauriers versetzen und seine Aktionen voraussagen. Und Chris Pratt, eine gut aussehende B-Besetzung, zähmt mit starrem Blick nicht nur seine Tierchen, sondern auch die widerspenstige Park-Managerin und rettet alle und alles, indem er die von ihm so geschätzten Dinosaurier gegen einander jagt – das ist dann die erwartete Materialschlacht, die der relative Neuling Colin Trevorrow mit aller Geschicklichkeit auf die Leinwand gebracht hat.

Da gibt es bis ins Exzess geführten Special Effects (alles am Computer erzeugt!), die heute die Dinosaurier aller Arten via 3 D direkt vor die Nase des Zuschauers rasen lassen, da sieht man zu, wie diese Monster alles kaputttrampeln, Menschen fressen und einander brüllend bekämpfen und killen: Das ist von äußerster Gewalttätigkeit und ebensolcher  Kunstfertigkeit (man käme nicht auf die Idee, dass das nicht „echt“ ist), jedenfalls absolut nichts für schwache Nerven.

Vom Erfolg ist man übrigens so überzeugt, dass bereits verkündet wurde, hiermit sei eine neue Dino-Trilogie gestartet worden…

Renate Wagner  

 

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