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Junge Streichquartette: Novus und Gerhard – aparte CD, harmonia nova #4 CD – Erfinderisch und mutig!

Junge Streichquartette: Novus und Gerhard – aparte CD, harmonia nova #4 CD – Erfinderisch und mutig!

 

Start-ups der klassischen Musik kann man sie wohl nennen, die vielen in den letzten Jahren gegründeten Streichquartettformationen. Der Humus, auf dem sie blendend gedeihen, hat zwei Dünger: die im Vergleich zu freien Orchesterstellen viel zu vielen hervorragenden Absolventen von Musikhochschulen und zweitens der Mut, aus der Not eine Tugend zu machen und das Glück auf eigene Faust zu suchen. Vorbei die Zeiten, wo junge MusikerInnen ihre Geigen und Cellos, Bratschen und Kontrabässe nach nicht gewonnenen Probespielen an den Nagel hängten und als Taxler, Kellner, Modells oder Werbefuzzis ihre Lebensträume schwinden sahen. Mögen die Fälle bei den nachfolgenden Quartetten auch etwas anders gelagert sein, noch nie hat es so viele gute Kammermusikensembles gegeben, noch nie sorgten so viele unverbrauchte Herangehensweisen und Interpretationsansätze bei längst bekannt geglaubtem Repertoire für ebenso originäre Höreindrücke.

 

Das katalanische Quartet Gerhard und das koreanische Novus Quartett sollen nun als Beispiele für alle anderen hervorragenden Kammermusikensembles vor den Vorhang gebeten werden, weil ihre neuen Alben von einzigartiger Präzision bzw. so mitreißend und frisch musiziert sind, dass sie intensivste Eindrücke hinterlassen. Sie sind meine musikalischen Helden des Jahres, ihnen und anderen genauso erfindungsreichen und hochmusikalischen Draufgängern gehört die Zukunft. Ihr Stoff ist es, aus dem unsere musikalischen Träume sich speisen.

 

NOVUS QUARTET spielt Tchaikovsky: Streichquartett Nr. 1 und Streichsextett in D-Moll „Souvenir de Florence“

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Young-Uk Kim (1. Violine)

Jaeyoung Kim (2. Violine)

Seungwon Lee (Viola)

Woongwhee Moon (Violoncello)

 

„Dieses Ensemble spielt unglaublich kompakt und ausgewogen. Alle vier Musiker agieren auf gleichem Niveau und haben eine packende Art des Musizierens.“ Mit diesen Worten beschrieb Lukas Hagen, Primgeiger des Hagen Quartetts, die Qualität des jungen Ensembles, im Anschluss an den Mozart Wettbewerb in Salzburg 2014, dessen Juryvorsitz er innehatte. Die vier jungen Koreaner erspielten sich den 1. Preis. Seit Juni 2016 ist das Belcea Quartet Mentor des Novus String Quartets. Das Ensemble wurde in das Belcea Quartet Trust Coaching Scheme aufgenommen.

 

Wahrscheinlich ist das Novus Quartett die derzeit beste koreanische Formation. Sie sind schon länger auf den internationalen Konzertpodien zu hören wie das Quartet Gerhard und begeistern durch ie unbedingte Leidenschaftlichkeit des Spiels, die Schönheit des Tons, das harmonische Miteinander, die höchst individuelle emotionale Aneignung der Partituren und den Mut, an die Grenzen zu gehen. Beim Sextett in D-Moll werden sie durch die zwei hervorragenden französischen Musikerinnen Lise Berthaud und Ophélie Gaillard (Cello) verstärkt. Exzeptionell.

In der Saison 2016/2017 gab das Novus String Quartet Debüts in der Wigmore Hall London, dem Konzerthaus Wien und der Kölner Philharmonie, die das Quartett umgehend begeistert wiedereinluden. In der Saison 2017/2018 stehen neben Konzerten in der Dresdner Frauenkirche, der Wigmore Hall London und dem Pierre Boulez Saal in Berlin auch Festivalkonzerte beim MiTo Settembre Musica und dem Beethovenfest Bonn im Kalender.

 

QUARTET GERHARD spielt Schumann (Streichquartett Nr. 3 in A-Dur), Berg (Lyrische Suite) und Kurtág (Officium breve)

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Lluís Castán Cochs (1. Violine)

Judit Bardolet Vilaró (2. Violine)

Miquel Jordá Saún (Viola)

Jesús Miralles Roger (Cello)

 

Die Geschichte dieses fantastischen Kleeblatts ist eine der Freundschaft. Sie kennen einander seit Kindesbeinen an und entschlossen sich vor etwa sechs Jahren, ihr Leben dem Quartettspiel zu widmen. Nicht weil sie einander ähnlich sind, sondern weil so unterschiedliche Persönlichkeiten zueinander fanden, die das Musizieren unvergleichlich lebendig und elektrisierend machen. Das Quartett ist nach dem katalanischen Komponisten Robert Gerhard benannt, einem in Valls geborenen Schüler von Arnold Schoenberg. Dessen Entschlossenheit und Zugehörigkeit zur damaligen Avantgarde waren auch die Identifikationsanker für das frisch gebackene Quartett.

 

Dem unglaublich dichten Konzertkalender nach wird das Ensemble allein in der ersten Jahreshälfte 2018 in Basel, Barcelona, Avignon, Vila-Seca, Paris, Neuwied, Hannover, Berlin, Heidelberg, Badajoz, Tarragona, Madrid, Bilbao, Sevilla, Hamburg, Esplugues de Llobregat, Arles, Palma de Mallorca, Valldemossa, Vic, Montpellier, Hitzacker und Wissembourg auftreten. Chapeau!

 

Das Programm der neuen CD reicht von Schumann über Berg bis zu Kurtág. Das Besondere am Quartet Gerhard ist ihre glühende Intensität in Spiel und Ausdruck, ein bohrendes und brodelndes Vordringen in die letzten Geheimnisse der Musik. Nicht impressionistisches Schwelgen und pastellfarbene Farbtupfer sind ihr Markenzeichen, sondern expressionistisches Aufbrechen der Hörgewohnheiten in kräftigen Pinselstrichen. Nicht Harmonie und Gleichklang bestimmen somit ihre Interpretation, sondern das Reiben und die Lust an der feinen Dissonanz, das kämpferische Miteinander auf der Sesselkante, der ungeschminkte Ton der Wahrheit. So gerät die Lyrische Suite von Alban Berg nicht zu einem spätromantischen Abgesang, sondern hebt als eine musikalische Rakete in die Zukunft ab. Die räumlich extrem tief gefächerte Aufnahme ist technisch hervorragend gelungen, der Klang streut sich wie Sternenstaub im Raum. Beeindruckend.

 

Dr. Ingobert Waltenberger