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JULIA LEZHNEVA singt Händel, Vivaldi, Porpora und Mozart,

15.01.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

lesh JULIA LEZHNEVA singt Händel, Vivaldi, Porpora und Mozart, Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini  – DECCA CDs – Eine russische Nachtigall im Höhenflug

Eine wahre Frühzünderin ist diese in Sakhalin geborene junge Sopranistin, die schon mit fünf Jahren Klavier spielte und sang. Am Moskauer Konservatorium ausgebildet, gewann sie mit siebzehn  Jahren den Elena Obraztsova Preis. Mit diesem „Türöffner“ eröffnete sie schon im nächsten Jahr gemeinsam mit Juan Diego Florez das Rossini Festival in Pesaro….

Die im jetzigen Stadium ihrer Karriere für Alte Musik prädestinierte Stimme klingt ganz und gar nicht klischeehaft „russisch“. Basierend auf einer gesunden und prächtig abgerundet klingenden Mittellage vermag sich ihr vibratoarmer Sopran bruchlos in höchste Höhen aufzuschwingen, wobei keine Verzierung, Koloratur oder Fioritur zu schwer und vertrackt ist, um sich nicht lupenrein intoniert im Raum entfalten zu können. Dabei hat Lezhneva eine besondere Tugend, die die Stimme so aufregend schön glänzen lässt. Sie singt auch die obertonreichen Top Noten nicht von unten,  sondern quasi von oben gedacht an, was auch ein Markenzeichen der jungen Cheryl Studer war. Wie überhaupt meiner Meinung in dieser Stimme viele Versprechen verpackt sind und spannende Entwicklungen folgen können. Ich kann mir vorstellen, dass da eines Tages Dramatischeres kommen wird. Derzeit jedenfalls kann sich der Musikfreund an einer wunderbar pur geführten lyrischen Stimme erfreuen. Ihr Timbre ist samtig cremig. Ein beinahe „keuscher“, dennoch sehr femininer Klang passt hervorragend zu den von Händel in Italien geschriebenen Werken der ersten CD, die ich mir angehört habe: Die Werke des jungen Händel wurden im Giovanno Arvedi Auditorium in Cremona, der Heimat Stradivaris, aufgenommen. Der Vortrag Lezhnevas ist immer natürlich, und bei hoher klanglicher Qualität stets am Wort orientiert. Lezhneva ist somit glücklicherweise keine rein technisch auftrumpfende vokale Koloraturmaschine. Die Mischung aus Textverständlichkeit und sinnlich Aufleuchten-Lassen der Vokale gelingt vortrefflich. Vielleicht kommen die mit jugendlichem Feuer angegangenen virtuosen Arien, wie das „Disserratevi, o porte d‘Averno“ aus „La Resurrezione“ oder „Un pensiero nemico di pace“ aus „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“  etwas eindringlicher herüber als überwiegend elegisch kontemplative Stücke wie das „Salve Regina“. In manch langen Legatobögen könnte noch an Ausdruckstiefe und Farbe hinzugewonnen werden. Giovanni Antonini trägt die Sängerin mit seinem Originalklang-Ensemble Il Giardino Armonico wahrlich auf Händen. Und so gelingen überaus konkordante intrumental-vokale Interpretationen von Ausschnitten aus „Rodrigo“, „Agrippina“, „Apollo e Dafne“ oder weiteren Beispielen aus den bereits genannten Kompositionen. Als Bonus Track erklingt das „Rejoice“ aus dem Messias.

In einer bereits 2012 aufgenommenen CD widmete sich dasselbe Team Motetten von Antonio Vivaldi („Infurore iustissimae irae“), Georg Friedrich Händel („Saeviat tellus inter rigores“), Nicola Porpora („In caelo stelle clare“) und W. A. Mozart („Exsultate, jubilate“). Auch hier ist der Hörer sofort gefangen genommen von der Qualität der Stimme Lezhnevas, dem silbernen Jubelklang in den virtuosen Passagen, der verhangenen Träne in den melancholischen Arien. Die Raritäten mit hohem Repertoirewert gewinnen auch durch die traumwandlerische Intensität von Dirigenten und Orchester an Interesse, wo inspirierte Emotion vor akademischer Analyse prävaliert. Von Kollegen hoch geschätzt, wurde Lezhneva etwa von Max Emanuel Cencic eingeladen, and den Gesamteinspielungen von Hasses „Siroe“ oder Händels „Alessandro“ (beides DECCA) mitzuwirken bzw. hat sie mit Jarroussky unter Diego Fasolis das Stabat Mater von Pergolesi eingespielt.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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